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Lübeck Wird der Praktiker-Markt abgerissen?
Lokales Lübeck Wird der Praktiker-Markt abgerissen?
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23:09 11.08.2017
Die beiden Sanitärcontainer stammen aus der Zeit, als im ehemaligen Praktiker-Baumarkt bis zu 150 Geflüchtete untergebracht waren. Miete für die Container zahlt die Stadt seit dem Auszug der Flüchtlinge nicht mehr. Quelle: Fotos: Holger Kröger, Lutz Roessler

  Eigentümer plant Waschstraße und Billig-Hotel auf dem gesamten Gelände – McDonald’s baut neu.

Eigentümer plant Waschstraße und Billig-Hotel auf dem gesamten Gelände – McDonald’s baut neu.

 Die Fortress Immobilien AG erhielt für 6,1 Millionen Euro den Zuschlag. „Wir wollten immer schon gern nach Lübeck“, sagte Vorstand Ulrich Henssen nach dem erfolgreichen Gebot, „konkrete Pläne haben wir aber noch nicht.“ Das hat sich geändert. Fortress will den Standort in den kommenden beiden Jahren gründlich verändern.

Der Düsseldorfer Immobilienentwickler ist nach eigenen Angaben ein führender deutscher Entwickler von Multiservice-Centern rund um das Auto. „Der Nutzungs-Mix besteht je nach Standort aus Tankstelle, Waschstraße, Autoservice, frequenzstarken Fachmärkten, Einzelhandelsgeschäften, Gastronomie und anderen autonahen Mietern“, erklärt Fortress-Projektleiter Peter de Buhr. Der Standort hat die Düsseldorfer sofort überzeugt, schließlich fahren auf der vierspurigen Geniner Straße täglich rund 38000 Fahrzeuge. Allerdings seien die Gebäude auf den sechs Grundstücken, die Fortress ersteigert hat, in die Jahre gekommen, sagt de Buhr. „In den kommenden zwei Jahren werden wir den Standort in mehreren Bauabschnitten verändern.“ Die Tankstelle solle modernisiert werden, Mc Donald’s werde an der Straßenfront einen Neubau errichten – und daneben werde eine Hochleistungs-Waschstraße mit einer Kapazität von 200000 Fahrzeugen pro Jahr gebaut. Der Projektleiter: „Pit Stop wird verlagert und um Car Glass sowie eine Kfz-Aufbereitung in einem Neubau ergänzt.“

„Für den Hammer- Markt sowie den früheren Praktiker-Markt verfolgen wir aktuell mehrere Varianten, die eine Umnutzung oder einen Abriss und Neubau erfordern“, sagt de Buhr. „Hierzu führen wir Gespräche mit zahlreichen Mietinteressenten.“ Das Gebäude des früheren Baumarktes sei interessant für Möbelhäuser sowie ein Garten-Center. In jedem Fall werde das Angebot auf dem Standort durch weitere neue Nutzer erweitert. Der Projektleiter: „In Zukunft werden verschiedene, genehmigungsrechtlich zulässige Handelsnutzungen, Gastronomie-Betriebe, ein Fitnessstudio und ein Low-Budget-Hotel auf dem Gelände angesiedelt.“ Jennifer Gehrmann, McDonald’s-Sprecherin Region Nordost, bestätigt die Neubaupläne. „Wir sind derzeit in Verhandlungen, wo genau sich zukünftig ein neuer Standort befinden könnte und wie dieser aussehen wird.“

Fortress Immobilien hat für den ersten Bauabschnitt, der den Neubau der Kfz-Nutzungen betrifft, einen Bauantrag bei der Stadt eingereicht. „Parallel hierzu laufen stetig Gespräche mit Mietinteressenten“, sagt de Buhr. Der Düsseldorfer Immobilienentwickler sucht noch nach interessanten Nutzungen und Nutzern wie beispielsweise Fitnessstudios.

Ursprünglich wollte die Stadt das gesamte Gelände rund um den ehemaligen Baumarkt über die städtische KWL ersteigern. Ziel war, in dem früheren Baumarkt Aktenbestände einzulagern. Das Gebäude sei groß genug, die Decken stark genug, um schwere Lasten zu tragen, es gebe geräumige Aufzüge, und der Umbau wäre preiswert, sagte Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) im Dezember 2015. Doch beim Versteigerungstermin Ende April 2016 bot KWL-Chef Dirk Gerdes nicht mit, obwohl er beim Termin im Amtsgericht dabei war. Die KWL hatte kalte Füße bekommen und wollte eine Miet-Zusicherung der Stadt.

Die bekam sie nicht, deshalb überließ sie das Objekt den Düsseldorfern.

Das ist Fortress

1995 wurde der Immobilienentwickler, der sich auf Multiservice- Center rund um das Auto spezialisiert hat, gegründet. Bis heute wurden diverse dieser Center in Leipzig, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf und Wuppertal entwickelt.

Vorstand ist Ulrich Henssen, der bei der Versteigerung in Lübeck persönlich zugegen war. Fortress ersteigerte den Praktiker- Markt und die umliegenden Grundstücke, insgesamt 30500 Quadratmeter, von der Gläubigerbank, der Westdeutschen Immobilien Bank. Die hatte den Verkehrswert mit 7,5 Millionen Euro angegeben, nahm das Gebot über 6,1 Millionen Euro aber noch im Gerichtssaal an. Die bestehenden Miet- und Pachtverträge wurden von Fortress übernommen.

Die Baumarktkette Praktiker war 2013 pleite gegangen. Im September desselben Jahres fand im Lübecker Markt der Ausverkauf statt.

 Kai Dordowsky

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