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Lübeck Wird die „Musik-Kaserne“ gerettet?
Lokales Lübeck Wird die „Musik-Kaserne“ gerettet?
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20:13 30.09.2016

Es ist ein unscheinbarer, langgezogener Bauriegel, der hier am Peenestieg steht. Doch das ehemalige Stabsgebäude der Cambrai-Kaserne hat es in sich; rund 150 Musiker haben hier seit Jahren zum Proben, Unterrichten und Produzieren ein Zuhause gefunden. „Das ist den allermeisten Lübeckern gar nicht so bewusst“, ist sich Kristoph Krabbenhöft sicher. Der studierte Schlagzeuger ist täglich vor Ort – noch jedenfalls. Denn am 16. Dezember könnte damit endgültig Schluss sein.

Die Musiker Sebastian Schmidt (v.l.), Hanna Prins, Kristoph Krabbenhöft, Michael Knarr sowie Alf Brauer, die im ehemaligen Stabsgebäude der Cambrai-Kaserne proben, wollen nicht aufgeben. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Dann endet der Pachtvertrag, den die Musikhochschule Lübeck (MHL) mit dem Land geschlossen hat. Und die MHL wiederum hat die 52 Probenräume auf drei Etagen – „gegen kleines Geld“, wie es MHL-Kanzler Jürgen R. Claußen formuliert – an die Musiker weitervermietet. „Uns sind da die Hände gebunden“, sagt Claußen, „so dass wir die Kündigungen aufgrund des definitiven Vertragsendes schon aussprechen mussten.“

Eigentlich drohte der „Musik-Kaserne“ bereits zum Ende des vergangenen Jahres das Aus (die LN berichteten). „Dass da nichts passiert ist, war Glückssache, weil sich das Land in der Vertragsdauer um ein Jahr verkalkuliert hatte, so dass wir noch zwölf Monate Galgenfrist bekommen haben“, sagt Kristoph Krabbenhöft. Allerdings habe diese „Drucksituation“ auch ihr Gutes gehabt, merkt der 25-Jährige an.

So hat sich der Verein Musikkultur Lübeck gegründet, dem Krabbenhöft, Jan-Christoph Mohr, Chef der Salt peanuts – Big Band der Lübecker Hochschulen, sowie Holger Maack, Vorstand der Deutschen Rockmusik-Stiftung aus Hannover, vorstehen. „Unser Ziel war es damals und ist es natürlich immer noch, das Gebäude langfristig für unsere Zwecke zu sichern“, betont Kristoph Krabbenhöft, „was eigentlich nur durch einen Erwerb erreicht werden könnte.“ Daher habe man ein Nutzungskonzept, das sich rechnet, erarbeitet, um so an Stiftungen mit der Bitte um finanzielle Förderung heranzutreten.

Und diese Strategie hatte Erfolg – so konnte der Verein bisher Zusagen in Höhe von 900 000 Euro einsammeln. „Das Geld kommt von der Rockmusik-Stiftung und von der Possehl-Stiftung, worüber wir uns sehr freuen“, erklärt Krabbenhöft. Doch das reicht nicht aus, da das Land eine Kaufsumme für die Immobilie von summa summarum 1,3 Millionen Euro fordert. „Es fehlen uns also noch 400 000 Euro“, resümiert er. Trotzdem sei dieser Schritt schon ein erster großer Erfolg, da das Gebäude nicht auf dem freien Markt Wohnungsbau-Investoren angeboten werde. Jetzt ginge es darum, das Unmögliche doch noch möglich zu machen – „das heißt, entweder geht der Preis noch runter, oder wir können weiteres Geld einwerben.“

Dass noch etwas geht, zeigt die Stellungnahme von Eugen Witte, Sprecher des Kieler Finanzministeriums: „Wir arbeiten im Finanzministerium konstruktiv an einer Lösung.“ Mehr könne er derzeit nicht sagen. Ähnlich äußert sich auch die grüne Landtagsabgeordnete Marlies Fritzen, die sich schon in der Vergangenheit für das Anliegen der Musiker in der Hansestadt stark gemacht hatte – „wir sind momentan in Gesprächen, und ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden werden.“

Katja Mentz, Bürgerschaftsmitglied aus der GAL-Fraktion, betont: „Da es in unserer Stadt kaum Probenräume gibt, müssen die vorhandenen unbedingt erhalten bleiben; zudem stehen bei den dort ansässigen Ein- Personen-Musikschulen Existenzen auf dem Spiel. Wir müssen also unbedingt die ,Musik-Kaserne’ retten.“

Eklatante Proberaumnot

Vor gut einem Jahr gab es eine von Bündnis 90/Die Grünen und der SPD getragene Fragebogen-Aktion im Internet zur Proberaumsituation in der Hansestadt. An der Befragung beteiligten sich 98 einzelne Musiker und Bands. Das Ergebnis: 40 Bands beziehungsweise Einzelmusiker suchten zu diesem Zeitpunkt einen Proberaum. 29 Bands und Einzelpersonen waren von einer Kündigung bedroht; mit einer Ausnahme sind dies alles Mieter in der sogenannten Cambrai-Kaserne. Insgesamt hat die Musikhochschule derzeit mit rund 50 Bands beziehungsweise Einzelpersonen Mietverträge für das Gebäude im Peenestieg, was zeigt, dass nur ein Teil der in Lübeck aktiven Musiker an der Umfrage mitgewirkt hat.

Michael Hollinde

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