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Lübeck Wo Boote Flugzeug spielen: „Abslippen“ am Stadtgraben
Lokales Lübeck Wo Boote Flugzeug spielen: „Abslippen“ am Stadtgraben
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21:55 15.04.2016
Schwerstarbeit: Zwischen drei und 15 Tonnen wiegen die Boote, die der Kran heben muss.

Nass sind die Boote schon, bevor sie ins Wasser gelassen werden. Im Dauerregen hebt gestern Vormittag ein großer gelber Kran ein dreieinhalb Tonnen schweres Motorboot vom Winterliegeplatz des Lübecker Motorboot- Clubs in die Höhe und lässt es nach ein paar Metern Flug langsam in den Stadtgraben hinunter. Slipwart Andreas Meyer (58) beobachtet den Ablauf mit den Augen des Routiniers. Zweimal im Jahr dürfen die Boote der Mitglieder Flugzeug spielen. Im Herbst werden sie auf- und im Frühling abgeslippt. Aus dem maritimen Sprachgebrauch grob übersetzt bedeutet das, dass sie nach der Saison aus dem Wasser an Land und zum Saisonstart wieder ins Wasser transportiert werden.

Beim Lübecker Motorboot-Club werden die Schiffe per Kran aus ihrem Winterquartier ins Wasser gehoben.

Über 40 Boote werden gestern und heute vom matschigen Boden des Platzes — und damit aus dem Winterschlaf — emporgehoben. Vereinsmitglied Johannes Heyne (64) ist Mitglied der Slipkolonne und erklärt den Ablauf: „Der Teleskoplader zieht die Schiffe auf ihren Trailern in Position, anschließend hebt sie der Kran in die Höhe und bugsiert sie — an den Traversen hängend — in Richtung Wasser.“

„Heike 2“, das etwa sieben Tonnen schwere Boot von Heike und Klaus Urban (76 und 78) hat dieses Procedere noch vor sich. „Nervös bin ich nicht“, versichert die Rentnerin, kurz bevor „Heike 2“ abhebt.

„Mit dem Schiff unterwegs zu sein, bedeutet für mich Freiheit und Nähe zur Natur“, erzählt Heike Urban. Sobald „Heike 2“ ihren Liegeplatz erreicht hat, kann es damit endlich wieder losgehen.

Nicht einmal 20 Minuten später schwebt ein weiteres Boot über dem Wasser. Für den Katamaran von Sandra Albert (48) ist ein besonderes Schicksal vorgesehen: Er soll von einer Initiative gekauft werden, die das Boot mit Photovoltaik-Anlagen ausstatten möchte und derzeit versucht, die finanziellen Mittel durch eine Sammelaktion im Internet zu erlangen (die LN berichteten).

Sonnenstrahlen sind gestern zwar nicht zu sehen, aber immerhin erreicht der Katamaran den Stadtgraben unbeschadet — beim Motorbootclub sind fliegende Schiffe schließlich schon Routine.

Von lj

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