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21:04 04.10.2017
Dr. Karen Meyer-Rebentisch (v. l.), Pastor Thorsten Rose sowie Gemeindereferentin Gesa Hollaender fixieren die Bauplane, die nun das Luther-Standbild aus Muschelkalk an der Kirchenfassade verdeckt. Quelle: Foto: Michael Hollinde
St. Lorenz

Die vier Meter große, bedruckte Bauplane ist ein Hingucker und irritiert; mit einem Fragezeichen versehen sind die Umrisse der Lutherfigur zu erkennen, die ansonsten hier unverdeckt an der Fassade der Lutherkirche in der Moislinger Allee zu sehen ist. Nein, mit Christo und seinen Verhüllungsaktionen habe dies nichts zu tun, sagt Pastor Thorsten Rose – „wir möchten ein bisschen von unserer Arbeit in die Öffentlichkeit tragen. Das ist die Idee dahinter“, bemerkt der Theologe.

Am Wochenende wird dann das Fragezeichen-Motiv – fortfolgend im Sieben-Tage-Rhythmus bis zum Reformationstag am 31. Oktober – jeweils durch eine Foto-Plane ersetzt, die in der Tat einen Einblick in die Gemeindearbeit gewährt. „Während der sechs Wochen, als in unserer Kirche die Ausstellung zu Lutherbildern aus sechs Jahrhunderten lief, haben wir uns mit Gruppen der Gemeinde, Konfirmanden und Kita, Mitarbeitenden und Gemeindegliedern mit unserem Luther eingehend beschäftigt“, erklärt Rose.

Dieser nun verdeckte Luther, also das Standbild aus Muschelkalk neben dem Kirchenportal, wurde vom bekannten Bildhauer Fritz Behn gestaltet und im Jahr 1938 aufgestellt. Und Gerhard Meyer, damals zweiter Pastor an der Luthergemeinde, sagte zur feierlichen Einweihung – „kennzeichnend für den lutherschen Geist“, wie er betonte: „Ich bin geboren, deutsch zu fühlen, bin ganz auf deutsches Denken eingestellt. Erst kommt mein Volk und dann die anderen vielen, erst meine Heimat, dann die Welt.“

„Der Luther von 1938 ist ein Sieger, ein deutscher Held; so wollten ihn die ,Deutschen Christen‘ während der NS-Diktatur sehen“, erläutert Roses Kollegin, Pastorin Constanze Oldendorf. Entsprechend kämpferisch sei die Ausgestaltung des Reformators ausgefallen – so trägt er Schuhgröße 98, ist fast vier Meter hoch, hält die aufgeschlagene Lutherbibel missionarisch offensiv nach vorne gerichtet und schreitet voran. „Ein sehr einseitiges Bild, mit dem wir uns in der Gemeinde auseinandersetzen wollten mit der Frage: Was bedeutet Luther heute für uns?“, so Oldendorf.

Als Ergebnis sind dabei neun kreativ gestaltete, einen halben Meter hohe Lutherstatuen als Mini-Abbilder des Originals entstanden. „Zusammen mit Figurenbauerin Beate Glau haben wir Abgüsse aus Silikonmasse hergestellt, die dann bearbeitet werden konnten“, schildert Gemeindereferentin Gesa Hollaender den Schaffensprozess. Herausgekommen sind ganz unterschiedliche Versionen – Luther in bunt, eingekleidet in Zitat- Papiere, im braunen Morast, in Gold, mit Hut, Kussmund und Gehstock und so weiter. „Seine Eindimensionalität aus der Nazi-Zeit wird jedenfalls in vielfacher Weise aufgebrochen“, resümiert Historikerin Dr. Karen Meyer-Rebentisch von der Gedenkstätte. Drei Entwürfe davon werden nun als Fotoplane jeweils für eine Woche außen an der Kirche zu sehen sein.

Wer die Originale, die im Kirchenschiff ausgestellt sind, studieren möchte, kann das während der Gottesdienstzeiten. Geöffnet ist auch mittwochs und freitags von 14 bis 16 Uhr sowie am Sonnabend zur selben Zeit.

Von Michael Hollinde

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