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Lübeck Wohin mit der Kunst? Platznot im Museum
Lokales Lübeck Wohin mit der Kunst? Platznot im Museum
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18:56 21.12.2018
Unter dem St. Annen Museum: Leiterin Dagmar Täube ist entsetzt über die Lagerung der lübschen Schätze in einem überhitzten Heizungskeller. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Sie brauchen viel Platz. Und der kostet Geld. Jetzt machen die Chefs der lübschen Museen Druck. Sie wollen ein Depot für ihre Kunstschätze. Unterstützung kommt von den Unabhängigen.

Verstaubte Spinnenweben ziehen sich von Speiche zu Speiche. Ein paar der dünnen Drähte sind noch am riesigen Rund des Hochrades befestigt. Das Stück aus dem 19. Jahrhundert liegt auf der Seite, auf einem verdreckten Holzboden, umgeben von Marder-Köteln. Es ist kalt und zugig. Das ist der Dachboden des St. Annen-Museums, einem ehemaligen Kloster von 1520. Szenenwechsel: Im Kellergewölbe brummt die mächtige Heizung. Direkt daneben sind lange Regale aufgestellt. Dort stapeln sich farbige Kacheln, steinerne Portal-Löwen, große Platten, alte Kachelöfen – alles aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Im Keller ist es 30 Grad warm. Die Wandziegeln bröseln, der Putz liegt auf dem Boden.

Entsetzen bei Kunstliebhabern

Kunstliebhaber sind entsetzt. „Mir bricht das Herz, wenn ich das sehe“, sagt Dagmar Täube, Leiterin des St.-Annen-Museums. „Es ist beschämend, wie mit diesen Kulturschätzen Lübecks umgegangen wird – das muss sich ändern“, fordert Wolfgang Neskovic (Unabhängige), Vorsitzender des Kulturausschusses. Dafür müsse es Geld geben. „Die Stadt muss für die notwendigen finanziellen Mittel sorgen, um diese Kulturgüter zu schützen.“ Zustimmung kommt von Hermann Eickhoff (GAL): „Hier ist Dringlichkeit geboten!“ Lübeck wuchere mit seinen Kulturschätzen. Aber: „Die Stadt versäumt es diese ordentlich zu behandeln und zu bewahren.“

Kein Platz im Museum

Das Hauptproblem: Dem Museum fehlt es an Platz. 7000 Quadratmeter misst das St.-Annen-Museum. 2000 Quadratmeter davon sind Lagerfläche. Für Möbel, für Textilien, für Kupferstiche, für Steine, für Gemälde. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Täube. Nicht alle Räume sehen so aus wie der Dachboden mit dem Hochrad. Was dort lagert, muss erst noch gesäubert und erforscht werden bis es zu einem Exponat des Museums wird. Die richtigen Exponate sind anders aufbewahrt. So werden 1500 Gemälde der Kunsthalle St. Annen und aus dem Behnhaus im ersten Stock gelagert und in einem ausgebauten Teil des Dachbodens. Dort stehen auch Klimageräte. Aber: Die meisten Depot-Räume haben keine stabile Temperatur. Das ist schlecht für historische Schätze.

Blick auf Dachboden und in den Keller des ehemaligen St.-Annen-Klosters von 1520.

Alte Depots für die Schätze

Und: Die Aufbewahrung der Kunstwerke ist nicht mehr zeitgemäß. Üblicherweise ist in einem Depot der Standort des Kunstwerkes digital erfasst. Außerdem sind alle andere Informationen über das Werk in einer Datenbank gespeichert. Doch das ist nicht der Fall. Hinzu kommt: „Die Depots sind heutzutage viel flexibler gestaltet“, sagt Antje-Britt Mählmann, kuratorische Leiterin der Kunsthalle St. Annen. Da hängen die Gemälde an Rollgittern. Die Kunstwerke im Museums-Quartier werden indes hintereinander gestapelt oder sie hängen an unbeweglichen Gittern. Außerdem: Wenn ein großes Kunstwerk vom Dach in die Ausstellungsräume transportiert wird, muss extra ein Aufzug zusammengebaut werden. „Das überlegt man sich dann schon zwei Mal“, sagt Alexander Bastek, Leiter des Behnhauses.

Zwei Lösungen

Die Lösung? Es gibt zwei Varianten. Nummer eins: Die Sanierung der Lagerräume. Vor allem des Daches und des Kellers. Die Sanierung des Kellers kostet 1,5 Millionen Euro. Zwei Mal schon hat der Bereich Denkmalpflege Gelder beim Bund dafür beantragt. Zwei Mal mussten die 350 000 Euro wieder zurückgegeben werden. Denn: Die Stadt wollte den Eigenanteil von 1,15 Millionen Euro nicht aufbringen. Auch für den Finanzplan 2019 wurde dieses Projekt wieder aus dem Haushaltsplan gestrichen. Lösung zwei: Der große Wissensspeicher. Ein Neubau, in dem alle Schätze der Museen, des Archivs und der Stadtbibliothek lagern. Kosten: zwölf Millionen Euro laut den jüngsten Schätzungen.

Josephine von Zastrow

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