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Lübeck Wohnen an der Ratzeburger Allee: Bauverein investiert 41 Millionen Euro
Lokales Lübeck Wohnen an der Ratzeburger Allee: Bauverein investiert 41 Millionen Euro
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13:17 16.01.2014
Darinka Schütz (l.) und Karin Rühmling studieren das Modell der Neubauten, im Hintergrund Detlef Aue (l.) und Stefan Probst. Quelle: Neelsen
St. Jürgen

Aufzüge, barrierefreie Zugänge — die Führungsriege des Bauvereins stellte rund 90 Mitgliedern im Kolosseum die neuen Wohnungen vor, die bis 2020 in sechs Bauabschnitten beidseits der Ratzeburger Allee entstehen. 41 Millionen Euro investiert die Genossenschaft, so viel wie noch nie in ihrer Geschichte. „Drei Jahre lang von 2011 bis 2013 haben wir nichts neu gebaut“, erklärt Vorstand Stefan Probst die Rieseninvestition.

Die bestehenden 233 Genossenschaftswohnungen (Ratzeburger Allee 50-74 und 47b-51c) stammen aus den 50er Jahren und verzeichnen erhebliche Mängel in der Bausubstanz. Eine Modernisierung wäre teurer gekommen als der Neubau, sagt der Bauverein. Außerdem würden die Grundrisse der Wohnungen nicht mehr den modernen Standards entsprechen. 40 bis 50 Prozent der rund 200 neuen Wohnungen werden mit staatlichen Zuschüssen als Sozialwohnungen gebaut. Damit stelle sich der Bauverein auch seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung, sagt Vorstand Detlef Aue. „Bei vielen Wohnungen in Lübeck läuft die Sozialbindung aus.“ Zugleich werde sich das Problem der Altersarmut verschärfen.

Für die jetzigen Mieter, die in billigen, frei finanzierten Wohnungen leben, erhebt sich allerdings die Frage, ob sie wieder zurückkehren können. „Für die öffentlich geförderten Wohnungen benötigen die Mieter einen Wohnberechtigungsschein“, erklären Aue und Probst.

Der Genossenschaftsvorstand geht davon aus, dass nur wenige Mieter die Strapazen des zweimaligen Umzugs — raus aus dem Altbau, vorübergehend in eine andere Wohnung, zurück in den Neubau — auf sich nehmen wollen. „Ich würde gern eine der neuen Wohnungen beziehen“, sagt Darinka Schütz, die seit März in der Ratzeburger Allee wohnt. „Die Grundrisse sehen gut aus und die Miete ist in Ordnung.“ Auch Karin Rühmling, die seit 25 Jahren bei der Genossenschaft wohnt, will unbedingt in der Straße wohnen bleiben. In St. Jürgen habe die Genossenschaft rund 1400 Wohnungen, nennt Vorstand Aue Alternativen: „Wir haben für jeden Geldbeutel etwas dabei.“

In den Neubauten werden Familienwohnungen, altengerechte Wohnungen, Single- und Studentenwohnungen sowie Wohnungen mit Service angeboten. Die Miete für eine Zweizimmer-Wohnung mit 50 Quadratmetern steigt von derzeit 419 Euro im Monat warm auf 427,55 oder (mit Aufzug) auf 440,13 Euro. Die Sozialwohnungen sind auf 5,50 Euro pro Quadratmeter gedeckelt. Wohnungen, die nach dem neuen zweiten Förderweg des Landes vergeben werden, kosten sieben Euro pro Quadratmeter kalt. Die frei finanzierten Wohnungen werden um die zehn Euro netto kalt liegen. Badewannen gibt es nur in Vier-Zimmer-Wohnungen, die kleineren Einheiten sind ausschließlich mit Duschen ausgerüstet. Jede Wohnung hat eine eigene Frischwasserstation, so dass der Verbrauch individuell abgerechnet werden kann. Der Bauverein wird 180 Pkw-Stellplätze schaffen.

Die Baumaßnahme ist in sechs Abschnitte unterteilt und wird bis 2020 laufen. Start mit dem ersten Abschnitt (Ratzeburger Allee 66-74), wo 32 geförderte und vier frei finanzierte Wohnungen entstehen, ist im August. Der Abriss wird 14 Tage dauern, Ende 2015 sollen die neuen Einheiten bezugsfertig sein. Vorstand Aue: „Die Mieter, die im ersten Bauabschnitt wohnen, sind zum Sommer gekündigt worden.“ Die Genossenschaft werde Umzugshilfen organisieren.

Der Bauverein
7300 Mitglieder zählt die 1892 gegründete Genossenschaft, die alles in allem rund 8000 Objekte in ihrem Bestand hat. 5400 Wohnungen unterhält der Bauverein allein in Lübeck. Gut die Hälfte des Bestandes ist nach Angaben des Genossenschaftsvorstandes mit öffentlichen Zuschüssen finanziert worden. Die größte, nicht die teuerste Baumaßnahme war die Erneuerung des Quartiers zwischen Friedrichstraße, Robert- Koch-Straße und Helmholtzstraße, wo rund 300 überalterte Wohnungen durch 400 neue ersetzt wurden.

Kai Dordowsky

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