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Lübeck Wohnen im Kulturgut
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16:44 03.09.2017

Lübeck. Im Festsaal des Hauses steht ganz zentral ein großer Tisch. Er ist der Mittelpunkt des heutigen Lebens im ersten Stock des Herrenhauses von Gut Mori. Einst wurden hier große Gesellschaften empfangen und prachtvolle Feste ausgerichtet. Jetzt treffen sich am langen Tisch die Mitglieder einer Wohngemeinschaft zum Essen, zum Klönen – und natürlich auch, um Besuch zu empfangen.

Zwischen dem modernen Leben in der alten Gutsanlage und seiner Geschichte stehen Jahrhunderte, und das ist auch heute noch sehr gut zu sehen im einstigen Festsaal des Herrenhauses: An der Decke blicken leicht verblasste Frauenporträts auf das Treiben darunter. Die in gemalte Medaillons gefassten allegorischen Figuren sind Teil des historischen Deckengemäldes, das den Festsaal schmückt. Sie kamen erst zum Vorschein, als das Herrenhaus 2012/13 renoviert und umgebaut wurde, um das Gut Mori mit einem generationenübergreifenden Wohnprojekt neu zu beleben – ein Schatz aus Sicht der Denkmalpflege, die das Herrenhaus, das gegenüberliegende Torhaus, den alten Pferdestall und das Vorfahrtsrondell im Zentrum der Gutsanlage flugs unter Denkmalschutz stellte.

Ein Schatz aber auch für die heutigen Bewohner, die sehr gut wissen, dass sie ein Kulturgut von geschichtlicher Bedeutung bewohnen. Das zudem noch traumhaft gelegen ist im Stadtteil Groß Steinrade – stadt- und naturnah zugleich. „Mit dem Rad braucht man keine Viertelstunde bis zum Lübecker Bahnhof“, sagt Manfred Ferber (68), der zu den Miteigentümern des Wohnprojektes gehört, das die Gutsanlage vor fünf Jahren nach der Insolvenz des zuvor hier beheimateten Seniorenheimes für 980000 Euro erworben hat.

Gut Mori, das schon im 13. Jahrhundert als Sitz Lübecker Ritter und Ratsherren Erwähnung fand, liegt am Landgraben, einer mittelalterlichen Landwehr, mit der Lübeck wie andere Städte im Mittelalter sein städtisches Umland sicherte. Das 33600 Quadratmeter große Gutsgelände ist fast vollständig von Wasser umgeben und als historisches Ensemble mit seinem von Linden umstandenen Rondell zwischen Tor- und Herrenhaus in seiner ursprünglichen Anlage erhalten geblieben. „Nur die Linden mussten wir wegen eines Pilzbefalls fällen lassen und nachpflanzen“, sagt Manfred Ferber. „Es wird noch eine Weile dauern, bis sie die Zufahrt mit ihren Kronen wieder überschatten.“

Der ehemalige Lehrer bewohnt heute die Westseite des Torhauses mit einem modernen Anbau; in der linken Seite haben die Bewohner des Guts ein Café mit Gartenterrasse eingerichtet, das sonntags von 14 bis 17 Uhr auch für Gäste geöffnet ist. 60 Menschen leben hier – „wie eine kleine Dorfgemeinschaft“, sagt Ferber. Ins Erdgeschoss des 1637 errichteten Herrenhauses ist die Freie Dorfschule Groß

Steinrade gezogen, hier werden 24 Kinder jahrgangsübergreifend unterrichtet.

Die Klassenunterschiede und Hierarchien der feudalistischen Gesellschaft, von denen die Deckenmalereien im Herrenhaus, die frühere Aufteilung der Räume für Gutsbesitzer und Gesinde sowie die Geschichte des Gutes Mori zeugen, gibt es heute nicht mehr. Stattdessen die Idee einer nachbarschaftlichen Gemeinschaft, zu der jeder nach seinen Kräften und Fähigkeiten beiträgt – bei der Gartenpflege oder auch mit einer Gäste-Führung am Denkmaltag.

Regine Ley

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