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Lübeck Wohnen in einer Miniaturwelt
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18:15 13.04.2017

Wer in einem von Lübecks Ganghäusern wohnt, der braucht Humor. „Manchmal, wenn wir im Sommer die Tür offen gelassen haben, standen plötzlich Touristen bei uns im Flur“, erzählt Sebastian Krause, Lübecks vierter Welterbe-Botschafter. Sein Lieblingsort auf der Altstadtinsel ist sein ehemaliges Zuhause. Das Haus Nummer 12 im Sievers Torweg. Es steht in einem von rund 90 Gängen, die es heute noch in Lübeck gibt. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts waren es noch 190 – also fast doppelt so viele. Das Haus Nummer 12 wurde im 17.

Jahrhundert gebaut, so wie viele der steinernen Ganghäuschen, die ab dem 16. Jahrhundert die mittelalterlichen hölzernen Buden ersetzten. In ihnen lebten Tagelöhner, Matrosen, später aber auch Soldaten oder alleinstehende Frauen und Witwen.

Heute haften den Gängen kaum mehr Spuren von Armut an. Betritt man sie, kommt es einem vor, als würde alles ein wenig zusammenschrumpfen. Und betritt man eines der Häuschen, wird alles noch ein wenig kleiner. So ist es auch in der 12. Das gerade einmal 65 Quadratmeter große Häuschen ist seit 1907 in Besitz von Krauses Familie mütterlicherseits. „Meine Großeltern haben es 1961 von meinen Urgroßeltern übernommen“, erzählt Krause. In seiner Kindheit war der jetzt 30-jährige Lübecker dort oft zu Besuch. Vor allem in den Ferien. „Mein Bruder und ich haben in einem winzigen Zimmer im Erdgeschoss geschlafen, das früher auch eines von zwei Kinderzimmern für meine Mutter und meine zwei Tanten war“, erzählt Krause. Später, nachdem Krauses Mutter das Haus geerbt hatte, lebte er selbst einige Jahre mit seiner Freundin Jessica Blöss (28) darin. Zuvor hatte die Familie aufwendig renoviert. „Wir haben die Dielen abgeschliffen, eine neue Treppe einbauen lassen, Wände rausgenommen“, erzählt Krause. Pro Geschoss gibt es jetzt ein Zimmer. Eigentlich hat das Haus zwei Geschosse, hinzu kommt aber noch ein ausgebauter Dachboden im Miniaturformat. „Und die Küche, in der meine Großmutter früher zu Weihnachten Grünkohl zubereitete, haben wir aus dem ersten Stock ins Erdgeschoss verlegt.“ Darunter gibt es sogar noch einen Keller. „Dort stand früher der Holzofen, mit dem mein Opa das Haus beheizt hat“, erzählt Krause. Die Bodenklappe zu diesem Keller befindet sich direkt hinter der Eingangstür. „Im aufgeklappten Zustand ein wunderbarer Schutz vor Einbrechern“, scherzt der junge Mann.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich das Ganghaus also als wahres Raumwunder. Doch für ein Kind, das das junge Paar jetzt erwartet, ist es heutzutage dann doch nicht mehr geeignet. Deswegen wohnen jetzt Freunde im Sievers Torweg 12. Sebastian Krause bleiben die schönen Erinnerungen an das verwinkelte Haus, an die neugierigen Touristen und lauschigen, versteckten Ecken der Altstadt. Eben an das, was das Welterbe Lübeck im Herzen des 30-Jährigen ausmacht.

Luisa Jacobsen

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