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Lübeck Wohnungsbau statt Flüchtlingsunterkunft
Lokales Lübeck Wohnungsbau statt Flüchtlingsunterkunft
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12:30 01.10.2016
Erstaufnahme oder Wohnungen im Süden der Stadt? Das Land hat das Areal gekauft. Quelle: Christian Wese

Zum Jahreswechsel war die Landesregierung auf Einkaufstour im Lübecker Süden. Von Privatleuten erwarb sie an der Kronsforder Landstraße drei Grundstücke mit zusammen fast 50000 Quadratmetern für insgesamt rund 3,5 Millionen Euro. Geplant war auf dem Gelände eine Erstaufnahme für 2000 Flüchtlinge. Bürger gingen auf die Barrikaden, weil hier eigentlich ein neues Wohngebiet entstehen sollte – mit Ein- und Zweifamilienhäusern. Aktuell braucht das Land die Flächen nicht. Jetzt will die Stadt die Grundstücke nutzen, um den ursprünglich geplanten Wohnungsbau umzusetzen.

 

„Die Flächen haben den unschätzbaren Vorteil, dass bereits Baurecht besteht.“Bürgermeister Bernd Saxe (SPD)

„Das Land verfolgt die Absicht, eine Erstaufnahme dort zu errichten, nicht weiter“, bestätigt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), „ich habe mich darum an das Finanzministerium und das Innenministerium des Landes gewandt und gebeten, die Fläche umgehend dem Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen.“ Auch Sozialsenator Sven Schindler (SPD) hat bei Innenminister Stefan Studt (SPD) vorgesprochen. Die Hansestadt brauche in den nächsten Jahren 5000 zusätzliche Wohnungen – nicht zuletzt, um Flüchtlinge unterzubringen, die aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen. „Die Flächen an der Kronsforder Landstraße haben den unschätzbaren Vorteil, dass bereits Baurecht besteht“, erklärt Saxe. Die Genehmigung für Wohnungen habe schon vorgelegen, bevor das Land die Grundstücke kaufte.

Anwohner der Kronsforder Landstraße demonstrierten im Dezember - von der Politik enttäuscht. Foto: Maxwitat

Schindler sieht gerade im Lübecker Süden stark steigenden Bedarf an neuen Heimen. Denn die Stadt hat ein großes Grundstück an der nicht weit entfernten Baltischen Allee an SLM Solutions verkauft. Das aufstrebende Unternehmen will dort eine neue Produktion aufbauen. Außerdem hofft die Stadt, dass sich die Schwartauer Werke südlich der A 20 niederlassen. Sollte das Land die Grundstücke an Lübeck geben und erneut eine starke Zuwanderung einsetzen, würde die Kronsforder Landstraße nicht mehr für eine Erstaufnahme zur Verfügung stehen, sagt Schindler. „Dann müsste eine andere Fläche gesucht werden.“

Der Bürgermeister habe dem Land auch den Kauf der Flächen angeboten, berichtet SPD-Fraktionsvorsitzender Jan Lindenau. Die Bürgerschaft hat am Donnerstag auf Antrag von CDU sowie Freie Wählern & Die Linke einen Antrag beschlossen, der Saxe Rückendeckung für seine Gespräche geben soll. Die CDU sieht in dem Beschluss eine Kurskorrektur sowohl des Landes als auch von Teilen der Bürgerschaft. „Ich freue mich, dass die Bürgerschaft endlich auch mit den Stimmen der SPD eingesehen hat, dass die Konzepte der Landesregierung nicht auf die Zustimmung der Bürger vor Ort getroffen sind“, sagt Fraktionschef Andreas Zander. Die CDU und andere Fraktionen hatten sich stets gegen große Erstaufnahmeeinrichtungen ausgesprochen. Zander: „Das muss nun endlich auch die SPD-Landesregierung begreifen und die von ihr erworbenen Grundstücke für den vorgesehenen Wohnbebauung freigeben.“

Mitte Juli hatte das Innenministerium bekanntgegeben, dass nur Neumünster, Glückstadt, Rendsburg und Boostedt als sogenannte Qualifizierte Erstaufnahmeeinrichtungen weitergeführt werden. Sie haben eine Gesamtkapazität von 6500 Plätzen. Bis Ende September kamen 8300 Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein, im vergangenen Jahr waren es über 35 000. Auf LN-Anfrage sagte ein Sprecher des Innenministeriums: „Die Forderung Lübecks ist bekannt, entschieden ist nichts. Wir prüfen die Perspektive des Standorts und sind interessiert, gemeinsam mit Lübeck eine gute Lösung zu finden.“

 Kai Dordowsky

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