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Wolf reißt Schaf im Lübecker Stadtgebiet

Lübeck/Kiel/Berlin Wolf reißt Schaf im Lübecker Stadtgebiet

Bundesweit nimmt der Wolfsbestand zu. Erstmals hat nun ein Wolf auch im Lübecker Stadtgebiet zugeschlagen und ein Schaf gerissen. Das tote Tier wurde auf einer Weide in Lübeck-Eichholz entdeckt. 

In Schleswig-Holstein gibt es bisher keinen fest etablierten Wolfsbestand.

Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Lübeck/Kiel/Berlin. „Es wies den für Wölfe typischen Kehlbiss auf“, sagte der Halter am Dienstag den LN. Das gerissene Schaf war am 12. Oktober gefunden worden. „Genetische Analysen zeigen, dass der Wolf eindeutig der Verursacher war“, teilt Martin Schmidt, Sprecher des Landesamtes für Umwelt mit.

Der Fund ist nicht der einzige: Auch im Lehrrevier Moorgarten der Kreisjägerschaft Lübeck wurden zwei vom Wolf getötete Rehe registriert. „Man sieht es an den Riss-Spuren“, meint Revierleiter Ernst Pnischak. Amtlich überprüft wurde dieser Befund nicht.

Es sei davon auszugehen, dass es sich bei dem Lübecker Wolf um ein einzelnes, durchziehendes Tier gehandelt habe, vermutet Wolfsbetreuer Jens Matzen. „Es gibt keine Hinweise, dass dieser Wolf oder ein anderer derzeit noch im Stadtgebiet unterwegs ist.“

Auszuschließen ist das aber auch nicht. Seit 2007 gab es nach Angaben des Landesamtes 50 bestätigte Nachweise für die Anwesenheit von Wölfen im Land. Einige der Tiere wurden von Wildkameras aufgenommen, andere anhand ihrer Beutetiere identifiziert. Immer wieder kämen Jungwölfe nach Schleswig-Holstein, die vor allem aus den Wolfsterritorien in Mecklenburg stammen, ist beim Landesamt zu erfahren. Dort leben bei Kaliß und Lübtheen im Kreis Ludwigslust-Parchim zwei Rudel. Der benachbarte Kreis Herzogtum Lauenburg gilt daher als „Wolfserwartungsgebiet“. Schafhalter sind dort verpflichtet, ihre Herden wolfssicher einzuzäunen.

„Junge Wölfe im Alter von zwei bis drei Jahren suchen sich neue Territorien“, erläutert Schmidt. „Dabei legen sie bis zu 70 Kilometer am Tag zurück.“ Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich auch in Schleswig-Holstein das erste Rudel etabliere, vermuten Experten.

Wolfsrisse in Lübeck

Wolfsrisse in Lübeck

Die meisten Wölfe leben in Sachsen und Niedersachsen – deutschlandweit sind es nach Kenntnis des Naturschutzbundes Nabu derzeit 61 Rudel und neun Paare. Heute will das Bundesamt für Naturschutz aktuelle Bestandzahlen präsentieren.

„Die Zahl der Rudel hat bundesweit zugenommen“, sagte die Sprecherin des Bundesamtes, Ruth Schedlbauer gestern vorab. Während Naturschützer sich freuen, fordern Jäger und Schafzüchter im Norden eine Begrenzung des Bestandes. „Am liebsten wäre uns, wenn es hier gar keine Wölfe gäbe“, meint Janine Bruser, Geschäftsführerin des Landesverbandes Schleswig-Holsteiner Schaf- und Ziegenzüchter. „Problemwölfe, die öfter Schafe reißen, müssen entnommen werden.“

Auch Marcus Börner, Sprecher des Landesjagdverbandes, sieht die „unkontrollierte, relativ schnelle Ausbreitung des Wolfes“ kritisch. Gerade Jungwölfe seien häufig neugierig und würden sich Siedlungen und Personen nähern. „Wenn sie nicht weglaufen, soll man sich groß machen und in die Hände klatschen.“

Streng geschützt

Wölfe stehen nach europäischem Recht unter Artenschutz und dürfen nicht bejagt werden. Das gilt auch für Sachsen, das einzige Bundesland, das Wölfe ins Jagdrecht aufgenommen hat. Dort leben 14 Rudel, in Niedersachsen zehn.

In Schleswig-Holstein gibt es bisher keinen fest etablierten Wolfsbestand. Im Land werden demgegenüber 344 000 Schafe und 5300 Ziegen gehalten.

Von Marcus Stöcklin

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