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Lübeck Wortakrobatik im Theater
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20:30 30.06.2017
Konkurrenzdenken kennen die Poetry Slammer nicht, im Lübecker Theater traten sie als große Gemeinschaft auf. Auch die Musikerinnen von Poems for Jamiro und die Gastgeber feierten kräftig mit. Quelle: Fotos: Maike Wegner

Sie sind Minimalisten. Eine Bühne, ein Mikrofon, ein kleiner Zettel: Das ist alles, was die Poetry Slammer brauchen. Und genau dieser Minimalismus ist es offenbar, den die Fans lieben. Fünf Wortakrobaten traten jetzt bei der großen Allstar Poetry Slam Gala Show im Theater auf. Die Reihen waren voll, die Stimmung von der ersten Sekunde an auf dem Höhepunkt. Die drei Stunden, sie vergingen für das überwiegend junge Publikum wie im Fluge. „Poetry Slam ist authentisch. Dabei zeigt sich mal wieder, dass weniger manchmal mehr ist“, sagte Lina Zysow, die mit ihren Freundinnen die Beiträge der Slammer verfolgte.

Fünf Poetry Slammer begeistern die Besucher – Fabian Navarro holt den Pokal.

Schon die Gastgeber Tilo Strauß und Daniel Groß sorgten für beste Stimmung, als sie mit Prittstift und kleinen Zetteln die Starterliste bastelten. Übertragen mittels einer kleinen Kamera, die über der Schulter von Tilo Strauß prangt und das Geschehen auf die große Leinwand überträgt. Wer jetzt noch nicht in Stimmung ist, ist es spätestens nach dem Auftritt von Julian Heun. Er tritt außerhalb der Konkurrenz auf und erzählt von seiner Oma, von der er viel gelernt hat. Zum Beispiel, dass „ein Raum erst wirklich voll ist, wenn man auf alles noch ein Deckchen gelegt hat“. Und dass der Schlager „Komm mein Schatz, wir trinken ein Likörchen“ vielleicht doch nicht so bekannt ist, wie seine Oma damals immer vorgab.

Dann folgt Volker Strübing, der als erster seine elf Minuten nutzt, um das Publikum zu überzeugen. Sieben Zuschauer bekommen stellvertretend die Punktekarten und bewerten die Auftritte. Strübing nimmt seine Zuhörer mit in die Welt der Softwareupdates und berichtet über seine Freundin, die Whatsapp-Nachrichten aus dem Nebenzimmer schickt, und Foto- Ordner, die automatisch bei Facebook hochgeladen werden. Überhaupt sei es fragwürdig, dass man sich gegen Updates nicht wehren könne. „Stell dir vor, du kaufst dir ein schönes Buch, in Leder gebunden. Und kaum hast du zehn Seiten gelesen, stürmt ein Überfallkommando des Verlags dein Wohnzimmer, reißt dir Kafka aus der Hand und behauptet, ihre Entwicklungsabteilung hätte das Produkt ,Buch‘ deutlich verbessert. Und dann drücken sie dir eine quietschbunte Comicversion von ,Fifty Shades of Grey‘ in die Hand“, sagt er. Doch am Ende seines Vortrags bleibt eigentlich nur eine Frage offen: „Warum gibt es eigentlich keine Softwareupdates für Männer?“ Das Publikum johlt. Trotzdem: Fürs Finale reicht es für Volker Strübing nicht. Ebenso wenig wie für Monika Mertens, die mit ihrem Text an die Liebe appelliert.

Jan Philipp Zymny, zweifacher Deutscher Meister, zieht mit seinem Dialog einer Taxifahrt an den beiden vorbei. Er versetzt sich in drei verschiedene Rollen und begeistert nicht nur mit dem Text selbst, sondern vor allem mit seiner humorvollen Vortragsart. Auch Fabian Navarro schafft es mit der Höchstpunktzahl des Abends ins Finale. Sein Text „Die Chroniken von Naja“ treffen den Nerv der Zeit. Er handelt von „einer Welt, in der das Wasser der Zweifelsfälle zögerlich rauscht, in der ein Weißnichtkopfseeadler sein Federkleid bauscht“. Es geht um Ängste, Vorurteile und Unsicherheiten.

„Und Unsicherheit hat auch eine viel rohere Seite. Sie macht ängstliche Menschen auch mal boshaft und feige. Denn ist beim Schwimmen im trüben Wasser der Grund nicht zu sehen, tritt man instinktiv nach unten, um nicht unterzugehen“, sagt Navarro, bevor das Publikum in tosenden Applaus ausbricht.

Im Finale wird dann nicht mehr nach Punkten bewertet. Der Siegerpokal geht an denjenigen, bei dem das Publikum lauter klatscht, stampft und jubelt. Das ist am Ende Fabian Navarro, der mit seinem Text „Banalité“ unangefochten den ersten Platz holt. In dem Gedicht amüsiert er sich wortwitzig über das Publikum einer französischen Kunstausstellung.

Neben den Poetry Slams gab es auch Musik zu hören. Das Duo Poems for Jamiro spielte Indie-Pop.

Weitere Poetry Slams

Alle drei Monate findet am zweiten Sonnabend des Monats ein Poetry Slam im Filmhaus, Königstraße 38-40, statt. Jeder Künstler hat fünf bis sechs Minuten Zeit für seinen Vortrag. Das Publikum entscheidet, wer gewinnt.

Am Freitag, 7. Juli, finden die U20-Landesmeisterschaften im Poetry Slam um 19.30 Uhr im Café Ulrich’s, Schüsselbuden 6, statt. Die Karten kosten sechs Euro, erhältlich sind sie in der Buchhandlung Makulatur, Hüxstraße 87.

Maike Wegner

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