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Lübeck Yorckstraße: Protest gegen Neubau
Lokales Lübeck Yorckstraße: Protest gegen Neubau
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22:55 13.02.2018
Geballter Protest im Viertel: Die Nachbarn sind gegen die Bebauung an der Yorckstraße 23 bis 25. Sie ist ihnen viel zu massiv. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
St. Jürgen

So nicht. Zu groß, zu viel, zu massiv. Das ist klar für die Lübecker in der Yorckstraße. „Das Vorhaben ist nicht genehmigungsfähig“, sagt Robert Gücker, der um die Ecke in der Seydlitzstraße wohnt.

Aufruhr im Gründerzeit-Viertel: Ein geplanter Neubau erhitzt die Gemüter in der Yorckstraße. Es wird geklagt, und es wird protestiert. Nachbarn haben die Denkmalpflege eingeschaltet, sie fordern die Hilfe des Gestaltungsbeirats. Die Stadtplanung sucht nach einer Lösung.

Nur eine Minute Fußweg entfernt von dem Areal, das das Viertel in Unruhe versetzt. Es liegt an der Yorckstraße 23 bis 25 – am Ende der Straße, die Wakenitz nur einen Steinwurf entfernt. Auf dem etwa 2600 Quadratmeter großen Grundstück steht eine alte Eishalle aus dem 19. Jahrhundert sowie ein Garagenhof. Beides soll abgerissen werden.

Vorgesehen ist ein Neubau, der an die vorhandene Häuserreihe anschließt und entlang der Straße bis zu deren Ende verläuft. Er soll fünf Geschosse inklusive Dach haben. Das wäre möglicherweise noch akzeptabel für die Nachbarn. Was sie aber in Rage versetzt: Es soll ein Querriegel entstehen, parallel zur Wakenitz. „Das zerstört den Charakter des Viertels“, sagt Gücker. Denn so etwas gibt es bisher nicht in dem Wohnquartier. Es besteht aus Häuserreihen aus der Gründerzeit – die schließen die Innenhöfe in einer U-Form ein mit der offenen Seite zum Wasser.

„Wenn das dort genehmigt wird, ist das ein Präzedenzfall“, befürchtet Gücker. Den Nachbarn wird mit dem Querriegel der Blick aufs Wasser verbaut – und der sonnige Garten ist plötzlich dunkel. Geplant sind dort drei Geschosse plus Staffelgeschoss. In den beiden Neubauten sollen 32 Wohnungen entstehen. Unter den Gebäuden ist eine Tiefgarage vorgesehen. Die Zufahrt erfolgt von hinten. Damit würden die Autos direkt an den Gärten der Nachbarn entlang fahren.

Der aktuelle Stand: Die Stadtplanung hat die Bauvoranfrage für die Neubauten nach Paragraf 34 Baugesetzbuch genehmigt – nach der sogenannten Lückenbebauung. Dagegen klagen zwei Nachbarn.

Bei der Lückenbebauung müssen sich die Gebäude in die „Eigenart der Umgebung einfügen“. Diese Formulierung bietet immer Spielraum. Aber: „Die Dachform, die Gestaltung und die Architektur sind kein Kriterium“, macht Chef-Stadtplaner Karsten Schröder klar. Zu den Protesten sagt er: „Wir finden eine Lösung, die auf weniger Widerstand stößt.“ Er sei in Gesprächen mit dem Investor.

Doch die Lübecker in dem Quartier sind nicht zufrieden. „Die Schließung des Hofes passt nicht zu dem Viertel“, sagt Architekt Jörn Karstens. Außerdem: „Die Eishalle ist historisch erhaltenswert.“

Dort wurde früher das Eis der zugefrorenen Wakenitz gelagert und an die Lübecker verteilt, damit sie ihre Speisen kühlen konnten. „In Genin steht ein Eishaus unter Denkmalschutz“, sagt Architektin Anna-Lena Steensbeck. Deshalb haben die beiden die Denkmalpflege der Stadt benachrichtigt und fordern, dass die Eishalle in der Yorckstraße unter Schutz gestellt wird.

„Die Struktur der Anwohner wird zerstört“, befürchtet Angela Lübbing. Das Grundstück werde maximal ausgelastet. „Das können sich nur Hamburger leisten.“ Lübbing: „Es muss darüber nachgedacht werden, wie Städte sich entwickeln, wenn es nur noch um Geld geht.“ Außerdem sorgen sich die Nachbarn, dass die Bäume an der Wakenitz weichen müssen. „Und die 50 Meter Abstand zum Wasser werden durch den Neubau auf gar keinen Fall eingehalten“, meint Jürgen Leicher vom Landesvorstand BUND. „Baumfreiheit vor Baufreiheit“, fordert Christa Fischer von der Arbeitsgemeinschaft der Umweltverbände. Sorge haben die Nachbarn auch, dass während der Bauzeit die Straße durch die Bagger zerstört wird und dass das Grundwasser dadurch absinkt und die Häuser absacken.

Akzeptieren könnten die Nachbarn 20 Wohnungen und eine Architektur, die sich in die Gründerzeit-Häuser einfügt. „Wir wollen, dass die Stadt einen Bebauungsplan für das Areal aufstellt“, fasst Gücker zusammen. Und: „Wir wollen, dass sich der Gestaltungsbeirat das anschaut.“ Denn: „Das Viertel ist ein besonders schönes Beispiel der Lübecker Vorstadt“, erklärt Gücker. Da sollte die Qualität der Bebauung gesichert werden. Doch es besteht keine große Hoffnung, dass die Anwohner eine Einschätzung durch den Gestaltungsbeirat bekommen. Chef-Stadtplaner Schröder: „Wir können nicht jedes Vorhaben in den Gestaltungsbeirat bringen, bei dem es einen lokalen Zwist gibt.“

 Von Josephine von Zastrow

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