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15:47 31.01.2019
8727 Schul- und Kita-Kinder wurden 2017 aus dem Lübecker Bildungsfonds unterstützt, es waren auch schon über 9000. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Manuela Schwesig (SPD), heute Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, schwärmte 2011 bei einem Besuch in Lübeck von einem „passgenauen Angebot“ und einem „Modell für Deutschland“. Aus allen Ecken der Republik kamen Verwaltungsmitarbeiter und Politiker nach Lübeck, um sich über das Angebot zu informieren. Sogar aus dem chinesischen Hangzhou rückte eine 20-köpfige Delegation an. Der Bildungsfonds werde zum Exportschlager, titelten die LN damals. Jetzt feiert der Fonds Jubiläum: Seit zehn Jahren werden Kinder in Kitas und Schulen finanziell unterstützt.

Dieter Butzin, Leiter der Heinrich-Mann-Schule in Moisling: „Der Bildungsfonds ist ein großer Segen.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Der offizielle Startschuss fiel am 20. Januar 2009. Die Stadtverwaltung hat eine Bilanz zum Jubiläum vorgelegt. Danach lag die Zahl der geförderten Kinder im Jahr 2009 bei 3441 und erreichte 2014 den vorläufigen Höhepunkt mit 9100 Kindern. Im Jahr 2017 waren es 8727. Über vier Millionen Euro stehen jedes Jahr zur Verfügung, um Mittagessen, Klassenfahrten, Ausflüge, Nachmittagsbetreuung, Musik- und Sportangebote und Arbeitsmaterialien von bedürftigen Kindern zu finanzieren. „Der Bildungsfonds ist ein großer Segen für uns“, sagt Dieter Butzin, Leiter der Heinrich-Mann-Schule in Moisling, „60 Prozent unserer Schüler haben Anspruch auf den Bildungsfonds.“

Dörte Eitel, Leiterind er Gemeindediakonie, die das Kitawerk betreibt: „Das Verfahren ist weiterhin unbürokratisch und unproblematisch für die Kitas, wenn die Genehmigung vorliegt.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

„In der Tat spielt der Bildungsfond in unseren Einrichtungen eine Rolle, weil er eine gute Entlastung für die Eltern ist“, sagt Diakoniepastorin Dörte Eitel, „das Geld kommt direkt den Kindern zugute.“ 2000 Kinder betreut das Kitawerk, für 525 wurden 2018 Anträge an den Bildungsfonds gestellt. 36 von 37 Kitas würden den Fonds nutzen, sagt Eitel.

49 Prozent der Mittel werden für Mittagessen ausgegeben, 32 Prozent für die Betreuung, 13 Prozent für Klassenfahrten, vier Prozent für Ausflüge und zwei Prozent für Stadtteilarbeit. „Wir können dank des Bildungsfonds auch Kinder fördern, deren Eltern geringfügig über den Einkommensgrenzen für staatliche Transferleistungen liegen“, erklärt Jörg Haltermann, Leiter der Schule Tremser Teich, „das Verfahren ist unkompliziert.“ Der Bildungsfonds finanziere eben auch mal die Busfahrkarte zum Schülerpraktikum oder die Fahrt eines Kindes zu einem Sportwettbewerb, sagt Bürgermeister Jan Lindenau: „Kerngedanke ist, dass die, die täglich mit den Kindern zu tun haben, über das Geld entscheiden.“

„Das war die zündende Idee.“

Lindenau war Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, als er vor mehr als zehn Jahren zusammen mit Gerd Rischau und Prof. Hans Arnold das bisherige Fördersystem infrage stellte und nach einem neuen Weg suchte. Bereits 2006 hatte die Armutskonferenz, eine Veranstaltung von Sozialverbänden, auf das drängende Problem der Kinderarmut aufmerksam gemacht. 2008 setzten sich zahlreiche Fachleute aus den verschiedensten Disziplinen zusammen und beschlossen den Bildungsfonds. Die Idee: Alle möglichen Fördertöpfe werden zusammengeführt und bedürftige Eltern müssen nur noch einen Antrag in Kita oder Schule stellen. Detlev Wulff vom Paritätischen Wohlfahrtsverband: „Das war die zündende Idee.“

Das Ganze kam aber nur in die Gänge, weil finanzstarke Stiftungen den Löwenanteil der Kosten stemmten – anfangs waren es vier, mittlerweile sind es acht. Das Besondere: Stiftungen binden sich selten dauerhaft an ein Projekt. Hier ist es so. Frank Schumacher von der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung: „Wenn von Chancengerechtigkeit im Bildungswesen die Rede ist, ist der Bildungsfonds für uns nicht wegzudenken.“ Noch immer hänge der Lernerfolg eines Schülers oftmals davon ab, aus welchem Elternhaus er stamme.

Michael Haukohl von der Haukohl-Stiftung: „Der Bildungsfonds ist so weit wie möglich von bürokratischen Auflagen befreit.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

„Uns war von Anfang an klar, dass unser Engagement nicht in wenigen Jahren beendet ist“, erklärt Michael Haukohl von der gleichnamigen Stiftung, „für uns ist wichtig, dass Entscheidungen über die Förderung von Kindern bei Kita-und Schulleitern liegen.“

Bildungs- und Teilhabepaket wurde integriert

2012 führte der Bund das Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder von Hartz-IV-Empfängern ein. Zwei Instrumente, die das Gleiche wollen, nebeneinander – das hätte ein Bürokratiemonster werden können. Die Stiftungen wandten sich an die Bundesregierung, am Ende wurden die Gelder des Jobcenters in den Bildungsfonds integriert. Es blieb bei einem Formular, die Eltern weisen in der Schule oder Kita ihre Bedürftigkeit einmal pro Jahr nach. Prof. Hans Arnold vom Förderverein Lübecker Kinder: „Den Benachteiligten wird auf vielen Feldern eine Teilhabe ermöglicht, die ihnen sonst versagt bliebe. Der Bildungsfonds trägt nicht unwesentlich zur Milderung sozialer Spannungen in Lübeck bei.“

Kai Dordowsky

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