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Lübeck Zeit für Wunder, Zeit zum Träumen
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20:20 04.11.2017
John Leverkus zeigt der kleinen Svenja die Zauberblume – und lässt schließlich die Siebenjährige selbst zaubern. Quelle: Fotos: Felix König
Innenstadt

Statt in der Stadt zu shoppen, strömten ältere Menschen, aber auch viele Familien gestern Nachmittag in den plüschig-gemütlichen Saal des Volkstheaters von Tommy Geisler. Und auch wenn sie zunächst verhalten auf die kleinen Scherze von Moderator Christian Brandes reagierten, nach und nach tauten die Besucher immer mehr auf.

Der Sonnabendnachmittag gehörte den Magiern – und den Spaßmachern. Groß und Klein versuchten im Volkstheater Geisler, den Tricks der Könner auf die Schliche zu kommen. Der magische Zirkel Lübeck hatte zur „Zeit für Wunder“ geladen – und die gab es reichlich.

„Ich bin sowas von geschockt und fasziniert zugleich“, sagt Edith Hoffmann (70) in der Pause, die sie nicht nutzt, um sich ein Getränk zu holen, sondern um sich von Franz Hieronimus Kartentricks zeigen zu lassen. Doch sie kommt ihm nicht auf die Schliche, gibt auf und sagt lachend: „Toll, was einem hier geboten wird.“ Hieronimus zaubert seit Jahrzehnten, war jahrelang Vorsitzender des magischen Zirkels. „Man sollte mit ihm nicht um Geld spielen“, hat Brandes noch in der Anmoderation gesagt, und damit hatte er wohl Recht: Hieronimus lässt Karten verschwinden und an anderer Stelle wieder auftauchen, er wirft Geld mit offenen Händen weg, nur um es wenig später wieder unbemerkt in seine Hand gezaubert zu haben.

Mit Schirm, Charme und Melone tritt Bernd Freimut alias Sir Henry auf die Bühne. Eine ältere Dame aus der ersten Zuschauerreihe sträubt sich zunächst, als der Magier sie auf die Bühne bittet, doch dann macht „Lady Anke“ mit. Sie nimmt in einem schicken Sessel Platz und wählt eines von drei Büchern aus. An einer beliebigen Stelle schlägt sie es auf, sucht sich ein Substantiv aus dem Text aus und behält es für sich. „Gedankenlesen – gibt es das?“ Eine Frage, die Freimut zuvor an sich selbst gestellt hat. Und er beweist, dass es geht. „Lady Anke“ soll sich den Gegenstand nur bildlich vorstellen, ihn nach einigen anderen Aktionen an Sir Henry überreichen. Der beobachtet nur die Reaktionen der Lady und sagt am Ende: „Es ist ein Spiegel.“ Die Dame im Sessel schüttelt nur ungläubig den Kopf. Als Dank für ihren Einsatz erhält sie vom Gentleman eine Packung „After Eight“. Als sie zurück auf ihren Platz in der ersten Reihe geht, sagt sie noch einmal: „Nicht zu glauben.“

Staunen, kleine und große Wunder, bestimmen den Nachmittag. Chris Brandes zeigt mit kleinen Zwischeneinlagen, „dass jeder zaubern kann“, Constantin Tietz mit seinen erst zwölf Jahren verblüfft mit einem imaginären Kartenspiel.

Die Zuschauer werden immer lockerer, lassen sich in der Pause mit Close-up-Zauberei verblüffen und sind so richtig entspannt, als nach der Pause John Leverkus die Bühne betritt.

Laut Chris Brandes ist Leverkus nicht nur Zauberer, „sondern auch Marktschreier“. Als er versucht, mit einem Hasen, der in einer Mütze wohnt, die Zuschauer zu veräppeln statt zu verzaubern, rufen etliche Kinder im Publikum: „Dreh den Hasen doch mal um!“ Sie haben ihn durchschaut, und gerade das macht verdammt viel Spaß. Und: Es geht nicht nur um Tricks und Technik. „Es geht auch ums Träumen und Denken“, sagt Bernd Freimut.

Constantin Tietz (12): Der Nachwuchs-Zauberer hat vor einigen Jahren eine Show in Scharbeutz gesehen – „ich fand’s einfach toll und habe mich danach informiert, Bücher gelesen und mich dem magischen Zirkel angeschlossen.“ Seit seinem achten Lebensjahr beschäftigt sich Constantin mit der Zauberei, gestern hatte er seinen ersten Auftritt vor großem Publikum.

Bei seiner Ansprache im ausverkauften Theatersaal war er noch etwas nervös, aber sein Trick mit zunächst unsichtbaren Karten klappte sehr gut. Constantins Credo: „Träumen schadet nicht. Im Gegenteil, es ist wichtig für die Entwicklung jedes Menschen.“ Sein Vorbild ist iPad-Magier Simon Pierro.

Hanna Ullerstam alias Niki the Popcorn Girl (43): Die Schwedin und Lebensgefährtin von Chris Brandes ist seit ihrem 25. Lebensjahr eigentlich Schauspielerin und hat ein eigenes Theater in Göteborg. Seit sie mit Chris zusammen ist, treten beide auch gemeinsam auf – und sie zaubert ein bisschen. „Drei Nummern mache ich“, sagt sie. Vor allem verzaubert Niki aber die Single-Herren im Publikum, denn sie ist auf der Suche nach einem Mann. Der muss ihr vertrauen, denn die Bewährungsprobe ist scheinbar Russisch Roulette. Damit der Bühnen-Mann fürs Leben nicht verletzt wird, muss sie sich beim Zaubern sehr konzentrieren. „Ich bin dann schon nervös, anders als bei der Schauspielerei.“

Bernd Freimut alias Sir Henry (46): Als Kind hatte Freimut schon mal einen Zauberkasten geschenkt bekommen, „aber es war der übliche Plastik-Kram“. Richtig gefunkt hat es bei dem Süddeutschen erst im Erwachsenen-Alter, „eigentlich durch ,Amazon‘“, das ihm Bücher und Zauberer-Zubehör anbot. Er belegte Kurse an der Volkshochschule, besuchte dann die Zauberschule in Heidelberg und trat von 2004 bis 2011 im süddeutschen Raum auf. Nach Lübeck kam er der Liebe wegen. Eigentlich macht er viele Kartenkunststücke, doch als Sir Henry betätigt er sich als Gedankenleser auf den Spuren von Sherlock Holmes. Sein großes Vorbild ist der spanische Magier Juan Tamariz.

Von Sabine Risch

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