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Lübeck Zieht Sternwarte zum Grönauer Baum?
Lokales Lübeck Zieht Sternwarte zum Grönauer Baum?
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21:31 24.11.2016
Die Sternwarte muss die Räume in der ehemaligen Johannes-Kepler-Schule aufgeben. FOTOS: COSIMA KÜNZEL

Den Nachthimmel erklären die Mitglieder der Sternwarte Lübeck mühelos. Doch der Blick in die Zukunft ist für sie voller ungeklärter Fragen. Das Schicksal ihrer Sternwarte steht für sie in den Sternen. am heutigen Freitag ist die letzte Veranstaltung des Vereins in den Räumen der ehemaligen Johannes-Kepler- Schule. Ein neues Quartier gibt es nicht. Laut Stadt wird die Schule Grönauer Baum als neuer Standort derzeit geprüft.

Astronomisches Observatorium muss Standort Kepler-Schule räumen – Heute letzter Abendvortrag.

Am frühen Abend liegen die einstigen Schulgebäude im Dunkeln. Nur das Schild „Sternwarte“ und der frühere Musikraum sind beleuchtet. Hier bereiten der Vorsitzende Oliver Paulien (48) und Pressereferent Dr. Ulrich Bayer (72) den letzten Vortrag des Arbeitskreises Sternfreunde an diesem Standort vor. „Wir sind im Gespräch mit der Stadt, haben aber noch kein offizielles Statement, ob und wo es weitergeht“, betont Paulien zwischen Teleskopen, Modellen und Fotos aus den vergangenen Jahrzehnten. „Wir wünschen uns endlich ein feste Zusage über unsere Zukunft und auch für die rund 3000 Besucher im Jahr.“

Dass die Sternwarte Lübeck nicht in der Schule Am Ährenfeld bleiben kann, steht seit ein paar Jahren fest. Grund ist die Zusammenlegung der Schulen Johannes-Kepler und Anna-Siemsen zur Schule an der Wakenitz. Die letzten Schüler haben die Räume der Kepler-Schule Ostern verlassen, Anfang kommenden Jahres steht laut Stadt der Abriss des Gebäudes auf dem Plan. Ein neues Wohngebiet soll hier entstehen.

„Wir haben vor acht Monaten den Aufhebungsbescheid des Pachtvertrages unterschrieben und suchen seitdem einen neuen Standort.“ So sei man auf die Schule Grönauer Baum gestoßen, wo es Anfang November bereits ein Gespräch mit der Stadt gab. „Aber mehr nicht.“ Passend dazu hat der Vorsitzende den letzten Vortrag auch „Das unentdeckte Land“ genannt und sagt: „Nach nun 59 Jahren endet die Reise der Sternwarte Lübeck.“ Man habe über viele Jahrzehnte Tausenden Besuchern die Physik, Dynamik, Größe und Schönheit des Universums nähergebracht. „Doch nun geht eine großartige Ära zu Ende.“ Zum Abschied lädt der 48-Jährige die Gäste heute „auf eine bildgewaltige Reise ins Universum“ ein und zeigt, was der Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren hervorgebracht hat.

Angesichts der ungewissen Zukunft werden die Sternenfreunde am Morgen nach dem Abschlussabend mit dem Rückbau beginnen. „Den Großteil des astronomischen Equipments werden Mitglieder mit nach Hause nehmen, das Mobiliar wird eingelagert“, sagt Bayer bedrückt. „Wir machen das hier alles ehrenamtlich, und wenn eine Stadt der Wissenschaft so einen wichtigen außerschulischen Lernort möglicherweise einfach sterben lässt, tut das schon weh.“ Bayer betont, dass die Einrichtung nicht nur Bildungsangebote für jede Altersgruppe biete, sondern auch eine „Mitmachsternwarte“ sei. „Die Besucher können selbst per Computersteuerung das professionelle Instrumentarium nutzen und so Reisen durch das Universum unternehmen.“

Laut Rainer Schellenberger vom Bereich Gebäudemanagement gab es noch keinen offiziellen Bescheid an den Verein, weil die Stadt dabei sei, Lösungsansätze zu eruieren. „Im Zentrum steht die Idee einer Unterbringung der Sternwarte in der Schule Grönauer Baum“, sagt der stellvertretende Bereichsleiter. „Wir haben Architekten beauftragt, die entsprechenden Möglichkeiten im Zuge des Umbaus und der Erweiterung der Schule zu prüfen.“ Laut Schellenberger steht die Stadt dieser Idee positiv gegenüber und versucht, möglichst kostengünstige Lösungen für den Verein zu finden. Explizit festgestellt werden soll auch, ob die für Himmelsbeobachtungen zu öffnende Sternwartkuppel auf der Johannes-Kepler-Schule wieder Verwendung finden kann. Schellenberger betont, dass über all diese Themen bereits Anfang November mit Vertretern des Vereins gesprochen wurde.

Zunächst aber werden die Sternfreunde ihre Vorträge übergangsweise in der Volkshochschule Lübeck halten. Die E-Mail-Adresse

info@sternwarte-luebeck bleibt bestehen; ebenso die Homepage www.sternwarte-luebeck.de.

Das Ende in der Johannes-Kepler-Schule

120 Mitglieder gehören zum Verein Arbeitskreis Sternenfreunde. Die Gründung der Sternwarte geht auf das Engagement des baltischen Astronomen Dr. Peter von der Osten-Sacken zurück. Unter seiner Leitung wurde die Institution 1957 gegründet und in die Organisation der Volkshochschule eingegliedert. 1988 wurde der Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck ins Vereinsregister eingetragen, und 2007 übernahm er die Trägerschaft der Sternwarte Lübeck in der Kepler-Schule.

Der letzte Vortrag in der Sternwarte Lübeck, Am Ährenfeld 2, findet heute Abend statt. Oliver Paulien zeigt „Das unentdeckte Land“. Einlass ist um 19.30 Uhr, Beginn um 20 Uhr.

Eintritt: 2,50 Euro für Kinder, vier Euro für Erwachsene.

 Cosima Künzel

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