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Lübeck Zieht die Berufsbildungsstätte Priwall an einen anderen Standort?
Lokales Lübeck Zieht die Berufsbildungsstätte Priwall an einen anderen Standort?
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10:46 08.01.2018
Die Berufsbildungsstätte der Handwerkskammer auf dem Priwall soll umziehen, weil die Gebäude alt sind. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Alles an einem Fleck, alles modern, alles neu. Das ist die Idee hinter dem Ausbildungs-Campus der Handwerkskammer. Die Kosten sind immens: satte 95 Millionen Euro. „Das Geld ist für einen guten Zweck“, macht Andreas Katschke, Geschäftsführer der Lübecker Handwerkskammer, klar. Denn die Millionen sollen „in die Ausbildung fließen, um das Handwerk attraktiv zu halten“. Das hat die Vollversammlung beschlossen. Der Neubau eines Campus soll geplant und dafür der Standort auf dem Priwall aufgegeben werden.

 

„Das Geld fließt in die Ausbildung.“ Andreas Katschke, Handwerksammer

Finanziert werden muss das Ganze von Bund und Land – zum allergrößten Teil. In diesem Monat trifft sich Katschke mit den Geldgebern. „Wir sind gut vorbereitet auf diese Gespräche und gehen davon aus, dass sie erfolgreich sind“, ist Katschke zuversichtlich. Auf dem neuen Campus sollen die Berufsbildungsstätte und die sechs Landesberufsschulen vom Priwall untergebracht werden – sie wurden 1978 bis 1984 erbaut. Zudem soll das Fortbildungszentrum dorthin umziehen. Das ist an der Konstinstraße in drei Gebäuden aus den 1960er Jahren untergebracht.

Ein Gutachterbüro hat zwei Optionen untersucht. Das hatte der Bund gefordert. Variante eins: Eine Gesamtmodernisierung der Gebäude auf dem Priwall. Die ist zwar etwas billiger und kostet 87 Millionen Euro. Aber dort wären die Pläne nur mit Abstrichen realisierbar, weil das vier Hektar große Areal zu klein ist. Variante zwei: Der Neubau an einem anderen Standort. Der ist teurer und kostet 95 Millionen Euro. Dafür können alle Räume gebaut und das Fortbildungszentrum integriert werden.

Der Hintergrund: Seit 2013 hat der Bund seine Förderpolitik geändert. Es gibt nur noch Geld für Gebäude, wenn diese komplett saniert werden – und kein Geld mehr für Einzelprojekte. Seither hat die Kammer 1,5 Millionen Euro in die Häuser auf den Priwall gesteckt – für Dach, Heizung, Rohre. Daher war die Kammer im Zugzwang.

Die neuen Pläne reichen bis weit in die Zukunft: Sollten die Geldgeber ihr Okay geben, müsste die Kammer bis Ende 2022 den Campus planen – und ein Areal finden und kaufen. Die Bauzeit eines so großen Projektes dauert gut drei Jahre. Damit wäre es Ende 2025 fertig – frühstens. Erst 2026 könnte die Berufsbildungsstätte den Priwall verlassen. Was mit dem Gelände dort wird, ist noch völlig unklar.

Das Areal auf dem Priwall samt Gebäuden gehört der Kammer. Pro Tag sind dort bis zu 700 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 20 Jahren. Bis zu 400 von ihnen können auch auf dem Priwall nächtigen. Die Kammer hat dort ein Gästehaus, weil viele der jungen Leute nicht aus Lübeck kommen und nur für den Unterricht anreisen.

Das Gelände teilt sich in zwei Hälften. Nummer eins: die Berufsbildungsstätte der Handwerkskammer. Dort besuchen Azubis Lehrgänge und werden von 110 Fachleuten unterrichtet.

An dem Standort sind 27 Werkstätten mit 324 Arbeitsplätzen für zehn Berufe untergebracht – vom Bäcker über Metallbauer bis Mechatroniker. Jedes Jahr werden auf dem Priwall 700 Lehrgänge angeboten mit insgesamt 6700 Teilnehmern; viele von ihnen sind öfter im Jahr vor Ort.

Nummer zwei: sechs Landesberufsschulen. Bootsbauer, Segelmacher, Glaser, Orthopäden, Kfz-Leute, Augenoptiker. Insgesamt besuchen 1000 junge Leute diese Schulen und kommen für mehrere Wochen im Jahr dorthin. Das Land stellt die Lehrer, die Handwerkskammer ist indes Träger dieser Schulen und für die Ausstattung und die Gebäude verantwortlich. Die Handwerkskammer Lübeck ist bundesweit die einzige Kammer, die alleiniger Träger von Landesberufsschulen ist.

Die Handwerkskammer

40 Millionen Euro beträgt der Verwaltungshaushalt der Handwerkskammer Lübeck. Zehn Millionen Euro groß ist die Investitionsrücklage. Die Berufsbildungsstätte wird durch Zuschüsse von Bund und Land finanziert – sowie über die Betriebe, die ihre Azubis dorthin schicken. Die Landesberufsschule wird durch Schulkostenbeiträge finanziert, die die Kommunen zahlen, wenn ein Schüler aus ihrem Gebiet kommt, sowie vom Land.

25 Prozent für Ausstattung und die Gebäude muss die Handwerkskammer bezahlen, der Rest kommt von Bund und Land.

 Josephine von Zastrow

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