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Lübeck Zu Gast bei Grass und Brandt: „Ein Fest für Kinder mit Grips“
Lokales Lübeck Zu Gast bei Grass und Brandt: „Ein Fest für Kinder mit Grips“
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19:14 12.08.2016
Jörg-Philipp Thomsa mit dem Blechtrommel-Plakat zum ersten Kinderfest 2007. Es wurde – kostenlos – von Star-Architekt Andreas Heller gestaltet.

Als Jörg-Philipp Thomsa 2005 als Tourist das Grass-Haus erstmals besuchte, wurde er gemaßregelt, „weil ich einem Freund etwas zugerufen habe“. Schon damals habe er sich gedacht: „Hier muss Leben rein!“ Da konnte er noch nicht wissen, dass er zwei Jahre später ein wissenschaftliches Volontariat in eben jenen „heiligen Hallen“ absolvieren und weitere zwei Jahre später Leiter des Grass-Hauses werden würde. Doch gleich im ersten Jahr seines Volontariats regte er – allen Bedenkenträgern zum Trotz – ein Kinderfest an und fand in den beiden Stiftungsgebern Ina und Michael Haukohl engagierte Unterstützer. „Ich fand es damals schon außergewöhnlich, dass das Grass-Haus ein Kinderfest macht“, sagt Michael Haukohl. Ebenso ungewöhnlich sei es aber für ihn auch, „dass wir über zehn Jahre etwas fördern. Sonst ist meist nach spätestens fünf Jahren die Luft raus.“

Zum zehnten Mal richtet das Grass-Haus sein Kinderfest aus. Seit 2009 ist das Willy-Brandt-Haus mit von der Partie.

Doch das Kinderfest begeisterten ihn und seine Frau von Anfang an. Im ersten Jahr gab die Stiftung einen Zuschuss in Höhe von 800 Euro, inzwischen sind es mehr als 3000 Euro, die je zur Hälfte ans Grass- und ans Willy-Brandt-Haus gehen, denn seit 2009 feiern beide Einrichtungen gemeinsam. Durch die Gärten sind beide Häuser miteinander verbunden. „Irgendwann ,schwappten’ die Kinder vom Grass-Haus zu uns rüber“, erzählt Jürgen Lillteicher, Leiter des WillyBrandt-Hauses. Da habe man beschlossen, gleich gemeinsam zu feiern. Seitens der Kulturstiftung habe es Bedenken gegeben, mit einem „artfremden“ Museum das Kinderfest zu gestalten, erzählt Haukohl. Und bei der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung in Berlin, die das Haus in der Königstraße trägt, sei man einem Kinderfest gegenüber generell skeptisch gewesen.

Doch die beiden Museen haben sich durchgesetzt und dank der Unterstützung durch die Haukohl-Stiftung und den Kinderschutzbund erreicht, dass der Eintritt zum Fest frei ist. „Die soziale Komponente“, sagt Thomsa, „ist uns wichtig.“ Dadurch kämen viele Familien, die sonst in den Museen unterrepräsentiert seien, ins Grass- und ins Willy-Brandt-Haus. Mindestens ebenso wichtig ist Thomsa, „dass wir Qualität liefern und die Aktivitäten inhaltlich anbinden ans Haus.“ Und Lillteicher fügt hinzu: „Es geht nicht um Kinderbelustigung, sondern um ein Programm für Kinder mit Grips.“

Frauke Kleine Wächter, Museumspädagogin im Willy-Brandt- Haus, gehört seit Jahren zum Vorbereitungsteam. Sie weiß: „Es gilt, das Thema Museum und Bildung mit einem positiven Erlebnis zu verknüpfen.“

In den Vorjahren gab es beim Kinderfest immer einmal wieder prominenten Besuch – so kamen die Maus, Käpt’n Blaubär und Cornelia Poletto zum Fest. „Das war ein Riesen-Aufwand“, sagt Jörg-Philipp Thomsa, „den die Kinder inzwischen gar nicht mehr brauchen.“ Und kamen zum ersten Fest nur einige hundert Besucher, waren es zum Beispiel im vergangenen Jahr zwischen 2500 und 3000 an beiden Tagen in beiden Häusern zusammen.

Übrigens: Günter Grass, 18-facher Großvater, habe das Kinderfest super gefunden, erzählt Thomsa: „Er fand es gut, dass das Haus kein Heiligtum war.“ So soll es bleiben – sowohl in der Glockengießerstraße als auch in der Königstraße.

Feier bei freiem Eintritt

Das Fest geht heute und morgen von 10 bis 17 Uhr. Jeweils ab 14 Uhr ist im Garten eine Kinderolympiade mit alten Spielen aufgebaut. Im Grass-Haus können Kinder Spiele aus Kenia, Eritrea und Afghanistan basteln, sich verkleiden und fotografieren lassen. Im Willy-Brandt-Haus können Kinder ein Mühle- oder ein Zauberspiel basteln und sich schminken lassen. Sonntag um 12.30 und 15.30 Uhr bietet Hironimus eine bunte Show im Garten.

Sabine Risch

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