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Lübeck Zu nah am Gleis: Wanderweg gesperrt
Lokales Lübeck Zu nah am Gleis: Wanderweg gesperrt
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09:59 21.04.2016
Seit Jahrzehnten nutzen die Lübecker den Pfad direkt neben dem Gleis nach Herrnburg. Nun haben die Behörden interveniert. Quelle: Fotos: Peer Hellerling

Mitten in Eichholz haben Züge der Bahn in den vergangenen Monaten mehrfach Vollbremsungen hinlegen müssen. Der Grund: Personen waren zu dicht an den Gleisen der Strecke Lübeck— Herrnburg. Es waren im Herbst 2015 sogar so viele Störungen, dass die Bahn die Bundespolizei einschaltete. „Die Lokführer haben sich massiv erschrocken“, sagt Gerhard Stelke von der zuständigen Inspektion in Kiel. Viele Spaziergänger, Radfahrer und sogar Reiter nutzen den kleinen Weg, der nur einen Meter neben den Schienen verläuft. An einer Stelle sei zudem das Schotterbett „stark beschädigt, weil es die Pferde als Abkürzung nutzen“, so Stelke. Da es sich offiziell um Bahngelände handelt, müsste eine Strafe von 25 Euro für das illegale Betreten folgen.

Eigentlich. Denn die Beamten fanden heraus: Die vermeintlichen Sünder trifft keine Schuld. Bundespolizist Stelke: „Der Weg ist seitens der Hansestadt Lübeck ganz offiziell als Wander- und Radweg ausgewiesen gewesen.“ Und tatsächlich: In der dritten Ausgabe der Broschüre „Lübeck natürlich!“ von 2008 listet die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Lübeck und Umgebung eine Wandertour auf, die genau entlang der Bahngleise nach Herrnburg führt.

Die Bundespolizei wies die Stadt schließlich Ende 2015 auf den Missstand hin. „Selbstverständlich haben wir sofort reagiert, nachdem die Gefährdung und Problematik bekannt war“, bestätigt Stadtsprecherin Nicole Dorel auf LN-Anfrage. Auf der Internetseite von „Lübeck natürlich!“ steht inzwischen der Hinweis, dass der Bahndamm zwischen Eichholz und Herrnburg „aus Sicherheitsgründen nicht betreten oder mit dem Fahrrad befahren werden“ darf. Die herunterladbare Version der Broschüre wurde ebenfalls mit einer entsprechenden Warnung versehen. Darüber hinaus hat die Bahn an der Trasse sechs Hinweisschilder aufgestellt.

Allerdings halten sich auch jetzt noch immer nicht alle an das strikte Verbot. „Ich gehe hier regelmäßig mit meinen Hunden spazieren“, sagt eine Fußgängerin, die anonym bleiben möchte. Sie berichtet zudem davon, dass viele Sportler den Weg zum Laufen nutzen oder Anwohner als Abkürzung zum Bahnhof Herrnburg. Die Lübeckerin kann die Verbotsgründe aber nachvollziehen, weil der Abstand zwischen Weg und Gleisen wirklich sehr gering sei. „Wenn die Bahn kommt, gehe ich einen Schritt zur Seite.“ Alle 30 Minuten rauscht hier ein Zug durch.

Die große Frage ist jedoch, wie der Pfad überhaupt seinen Weg in einen offiziellen Wanderführer fand. Stadtsprecherin Dorel: „Wahrscheinlich wurde der Weg über die Jahre einfach seitens der Bevölkerung aus Gewohnheit genutzt.“ Irgendwann sei es eine vermeintlich legale Route geworden. Das vermutet auch die Bahn. Der Weg sei einst ein weiteres Gleis gewesen, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt wurde. „Vermutlich sieht alles mittlerweile wie ein normaler Wanderweg aus“, sagt Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst.

Bundespolizist Stelke warnt vor den Gefahren: „Moderne Züge sind sehr leise, außerdem verkehren auf der Strecke auch Güterzüge außerhalb des Fahrplans“, sagt er, „die genauen Zeiten kennt keiner.“ Eisenbahnen haben einen extrem langen Bremsweg, so dicht am Gleisbett entstehen zudem starke Sogwirkungen. Bahnsprecherin Brunkhorst gibt auch zu bedenken, wie manche Situation auf die Lokführer wirken könnte: „Sie sind da sehr sensibel.“ Seit aber die neuen Hinweisschilder aufgehängt wurden und die Bundespolizei gezielt kontrolliert, „hat sich die Zahl der Meldungen reduziert“.

Aufklärungsarbeit

12 Klassen der Grundschule Herrnburg werden heute von der Bundespolizei in Sachen Verkehrssicherheit an Bahngleisen aufgeklärt. Grund dafür ist vor allem der kleine Pfad zwischen Eichholz und Herrnburg, der seit Jahrzehnten als Wanderweg genutzt wird — obwohl er eigentlich zum Bahngelände gehört und das Betreten damit verboten ist.

Der Verkehrssicherheitstag „Sicher drüber“ findet von 9 bis 13 Uhr am Bahnhof Herrnburg statt, vor Ort sind vier Bundespolizisten aus Lübeck und Rostock. Die Beamten haben unter anderem ein Autowrack von einem Bahnunfall dabei. Erwachsene sind nicht direkt eingeladen, sie dürfen sich laut Bundespolizei aber dennoch gern dazugesellen.

Von Peer Hellerling

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