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Lübeck Zugeparkt: Ärger um blockierte Elektro-Tankstellen
Lokales Lübeck Zugeparkt: Ärger um blockierte Elektro-Tankstellen
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22:20 01.11.2016
Regelmäßig sind die beiden Elektroauto-Parkplätze an der Willy-Brandt-Allee von Wagen mit normalen Verbrennungsmotoren verstellt. Quelle: Privat

Von wegen Elektro-Offensive: In der Hansestadt scheitert das Projekt mit den umweltfreundlicheren Autos schon auf den Parkplätzen. Eine Million E-Autos will Kanzlerin Angela Merkel bis 2020 auf deutsche Straßen bringen, in Lübeck fahren derzeit gerade mal 65. Um die Menschen für einen Umstieg zu begeistern, sollen Elektro-Autos eigentlich gefördert werden. Doch regelmäßig stehen Wagen mit üblichen Verbrennungsmotoren auf den wenigen Stellplätzen – und hindern die Fahrer der Elektro-Autos am Aufladen. Mehr als zehn Wagen wurden seit Anfang Oktober bereits abgeschleppt. Lübecks Autofahrer bemängeln die unzureichende Beschilderung.

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Seit Anfang Oktober wurden bereits zehn Wagen abgeschleppt – Autofahrer bemängeln Parkplätze als unzureichend markiert – Stadt denkt über Verbesserungen nach.

Als Marc Kudling mit dem gemieteten Stattauto auf den Parkplatz an der Willy-Brandt-Allee einbiegt, stehen bereits zwei Wagen auf den vorgesehenen Stellplätzen neben der kleinen Elektro-Tanksäule. Es sind allerdings keine Elektro-Wagen. „Es passiert leider häufig, dass Autos mit normalen Verbrennungsmotoren auf den E-Parkplätzen stehen“, sagt Kudling. Er schreibt seine Handynummer auf einen Zettel und stellt sich quer vor die beiden Falschparker – anders kommt er nicht an die Tankstelle heran. Auf zwei Stellplätzen können die Wagen hier zwei Stunden kostenlos stehen und geladen werden.

Wenn man denn einen freien Platz erwischt. „Man will ja keinen großen Wirbel machen, aber ich möchte selbst auch kein Knöllchen haben“, sagt Kudling. Kurzerhand meldet er sich bei der Polizei und bittet um Hilfe. „Ich wollte niemanden abschleppen lassen, und 45 Minuten reichen für kleinere Autos zum Aufladen; bei einem Tesla wäre das anders“, so der 35-Jährige.

Die Polizeibeamten schreiben schließlich eine Mitteilung an den Falschparker. Weil er eine Ordnungswidrigkeit begangen habe, würde in einigen Tagen ein Bescheid folgen. „Ich habe gar nicht gesehen, dass das kein normaler Parkplatz ist“, erzählt Dietmar Grammers, als er gerade mit seinem Twingo neben der E-Tankstelle hält. Grammers hat nur auf das Parkplatzschild geachtet und den Zusatz „Elektrofahrzeuge“ schlicht übersehen. „Ein Parkverbotsschild wäre doch auffälliger“, findet der 65-Jährige. Auch den Asphalt farbig zu markieren, hält der Rentner für eine gute Lösung.

Zehn Euro kostet das Falschparken an den E-Säulen. „Das Bußgeld ist einfach zu gering“, sagt Hannah Finke, die schon öfter an der Ladestation behindert wurde. „Auch am Luv-Center stehen oft normale Autos an den E-Tankstellen.“ Kontrolliert werden die Parkplätze an der MuK und auch in der Musterbahn am Mühlenteich von Mitarbeitern der Stadt. „Sollten sich dort unrechtmäßig abgestellte Fahrzeuge befinden, kann abgeschleppt werden“, erklärt Torben Prüß von der Stadtverwaltung. Außerdem würde man überlegen, die Plätze deutlicher zu kennzeichnen. Eine Erhöhung der Bußgelder ist dagegen nicht geplant.

Die Stadtwerke-Tochter Netz Lübeck hat die E-Tankstelle an der Willy-Brandt-Allee im August aufgestellt. Im Februar dieses Jahres erklärte Kathrin Ostertag, die den 2014 ins Leben gerufenen Arbeitskreis „Klima pro Lübeck“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) leitet, dass die Stadtwerke ein Netz von Ladestationen schaffen wollen. „Wir müssen Anreize für mehr E-Autos schaffen“, sagte CDU-Fraktionschef Andreas Zander damals. Die CDU habe Sorge, dass die Hansestadt den Elektro-Trend verschlafe.

Laden in Lübeck

Netz Lübeck betreibt bereits fünf Ladesäulen in Lübeck. Sie stehen bei den Stadtwerken, an der MuK, bei der IHK, am Museum für Natur und Umwelt und in der Trelleborgallee.

Eine sechste ist an der Kanalstraße geplant. In der Hansestadt gibt es noch einzelne Ladestationen auf dem Gelände von Geschäften und beim Luv-Center.

Eine E-Tanksäule bringt 22 Kilowatt Leistung, eine normale Steckdose nur zwischen drei und vier Kilowatt. Sie lässt sich mit einer EC-Karte oder dem neuen Personalausweis bedienen.

 Tomma Petersen

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