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Lübeck Zukunftspakt gescheitert: Keine Einigung im Hafen
Lokales Lübeck Zukunftspakt gescheitert: Keine Einigung im Hafen
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21:52 22.02.2016
Unter anderem im Papierhandel musste der Lübecker Hafen Einbußen hinnehmen. Quelle: Maxwitat

Alle schweigen, niemand will vom Scheitern sprechen. Der Zukunftspakt Hafen ist ein heikles Thema, bei dem mehr gemauert wird als üblich. Denn die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) braucht dringend eine Antwort auf die Frage, wie sie sich gegen die Konkurrenz der Häfen in Kiel und Rostock behaupten kann. Doch die gibt es bisher nicht. Denn das ausgehandelte Papier des Zukunftspaktes ist nicht unterschrieben worden. Dabei sollte vor zehn Tagen der Tag der Unterzeichnung sein.

Seit Sommer 2015 hat es acht, neun Gesprächsrunden gegeben. Am Tisch: die Gesellschafter Stadt und Deutsche Asset, die Geschäftsführer der LHG sowie Vertreter der Gewerkschaft Ver.di und des LHG-Betriebsrates. Moderiert wurde die Runde von einem Wirtschaftswissenschaftler, der von den Arbeitnehmern vorgeschlagen wurde. Das Thema der Runde: Wie kann die LHG wieder fit werden? Oder besser:

Auf wie viel Geld verzichten die Hafenarbeiter? Dem Vernehmen nach geht es um jährlich drei Millionen Euro. Die Hafenarbeiter sollten weniger Gehalt bekommen, aber vor allem flexiblere Arbeitszeiten.

Im Gegenzug sollte die Stadt unter anderem auf Pacht für die Hafenflächen verzichten.

Doch: „Es hat keine Einigung gegeben“, gibt Christian Manke zu, Ver.di-Fachbereichsleiter Verkehr. Die Verhandlungen zum Zukunftspakt Hafen seien beendet. Der Knackpunkt für den Gewerkschafter: der Verlust von 75 bis 85 Jobs. „Mit der Größenordnung haben wir massive Probleme“, so Manke.

Denn bei der LHG wurden bereits 84 Jobs abgebaut — von insgesamt 810 Arbeitsplätzen bei LHG, Tochtergesellschaften und Hafenbetriebsverein.

Der Grund: Der finnische Papierhersteller UPM hat den Nordlandkai verlassen und ist nach Rostock abgewandert. In diesem Sommer verabschieden sich zwei weitere langjährige Kunden von den lübschen Kaikanten — das schwedische Unternehmen SCA sowie Iggesund verlagern ihr Geschäft nach Kiel. Das kostet erneut Jobs im Hafen.

Der Weggang dieser Traditionsunternehmen war der Anlass für den Zukunftspakt Hafen, den Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) ins Leben gerufen hat. Jetzt soll das ausgehandelte Papier „in verschiedenen Gesprächskreisen weiter beraten werden, um zu Entscheidungen zu kommen“, erklärt Saxe auf Anfrage. Auch Ver.di-Mann Manke bestätigt, man hoffe sich in den anstehenden Tarif-Gesprächen mit den LHG-Chefs noch zu einigen. Ein Termin dafür steht aber noch nicht fest. „Wir befinden uns in intensiven laufenden Gesprächen“, erklärt LHG-Chef Sebastian Jürgens. Er sei „aber unverändert zuversichtlich, dass allen Seiten an einer einvernehmlichen, konstruktiven Lösung gelegen ist“.

Der Aufsichtsrat der LHG war an den Gesprächen zum Zukunftspakt Hafen nicht beteiligt. Über das magere Ergebnis sind die Mitglieder nicht erfreut. „Das ist kein gutes Signal“, sagt Thorsten Fürter (Grüne). Zudem sei es eine „empfindliche politische Niederlage“ für Saxe, der mit dem Zukunftspakt Hafen die Situation für die LHG verbessern wollte. „Dann muss es ohne Pakt für die LHG weitergehen“,macht Raimund Mildner (BfL) klar. Das müsse man mit der Geschäftsführung besprechen.

Im Vergleich

25,2 Millionen Tonnen wurden an den lübschen Kaikanten 2015 umgeschlagen. Das sind 4,4 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Der meiste Umschlag davon geht auf das Konto der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG). Die mehrheitlich städtische Gesellschaft ist der größte Hafenbetreiber in Lübeck. In Rostock wurden fast ebenso viel Tonnen umgeschlagen, knapp 25,1 Millionen. Das ist ein Plus von vier Prozent. Im Gegensatz zu Lübeck zeigt der Trend nach oben. Denn die Rostocker haben Lübeck einen großen Kunden abgeworben. Das finnische Unternehmen UPM hat 2015 die Häfen gewechselt.

Der Kieler Seehafen verzeichnete 6,2 Millionen Tonnen Güterumschlag, ein Rückgang gegenüber 2014 von vier Prozent. Doch die Kieler erwarten für dieses Jahr einen kräftigen Impuls — denn sie haben mit SCA und Iggesund zwei Kunden an Land gezogen, die Lübeck im Sommer den Rücken kehren.

Josephine von Zastrow

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