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Lübeck Zur Arbeit? Nicht ohne meinen Hund!
Lokales Lübeck Zur Arbeit? Nicht ohne meinen Hund!
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10:09 05.09.2013
Ein Hundesitter kommt für Andree Klick nicht in Frage, er nimmt Hündin Wilma mit ins Büro. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck/Düsseldorf

Düsseldorf: Die Personalleiterin flüchtete in den Aufzug, dem Geschäftsführer war der Weg zum Meeting versperrt. Jahrelang soll die dreibeinige Hündin „Kaya“ in einer Düsseldorfer Werbeagentur Angst und Schrecken verbreitet haben. Mitarbeiter wagten sich nicht mehr in die dritte Etage, denn das war „Kayas“ Revier.

Doch Frauchen Claudia van de Wauw (47), Assistentin der Geschäftsführung, sah das alles nicht dramatisch. Motto: „Der bellt doch nur, aber der tut doch nichts.“ Jetzt setzte das Düsseldorfer Arbeitsgericht dem Treiben ein Ende und entschied: Der Hund muss in Zukunft zu Hause bleiben und darf nicht mehr mit ins Büro gebracht werden.
Mal seien es die falschen Schuhe der Kollegin gewesen, mal der falsche Gang: Wenn sich Kollegen über die knurrende „Kaya“ beschwerten, mussten sie sich sagen lassen, dass sie doch selbst schuld seien und der Hund doch nur sein Revier verteidige. Mehrere Gespräche habe es mit der Assistentin seitdem gegeben, sogar ein Tiertrainer wurde gerufen: „Ich sollte Leckerlis werfen, wenn jemand klopft. Aber das klappt halt nicht, wenn man telefoniert oder am Computer sitzt“, berichtet sie von den Versuchen. Als dem Unternehmen die Sache mit dem Hund zu bunt wurde, erhielt Husky-Mischling „Kaya“ Hausverbot.

Prompt zog ihre Besitzerin vor Gericht: Weil Kollegen ihre Tiere nach wie vor mitbringen dürfen, sieht ihr Anwalt den Gleichbehandlungs-Grundsatz mit Füßen getreten. Doch die anderen Tiere seien völlig friedlich, versicherten mehrere Zeugen vor Gericht. Im Gegensatz zu „Kaya“, von der sie sich unisono bedroht fühlten. Zähnefletschend sei der Hund auf sie zugekommen. Unterlagen würden inzwischen nur noch unter der Tür durchgeschoben, wenn der Hund dahinter wache.

„Er hat mich regelmäßig an die Wand gedrängt“, berichtete etwa ein Computertechniker der Agentur. Doch van de Wauw bestreitet das: Nie habe sie ihren Hund, den sie 2009 über eine Tierschutzorganisation aus Russland bekam, die Zähne fletschen sehen und er knurre auch nicht: „Er brummt.“ Die Vorsitzende Richterin Sabine Dauch hakt nach: „Ein Bär brummt, aber ein Hund?“ Später resümiert die Juristin: „Ein Schnurren war es nicht, da sind wir uns wenigstens einig.“

Im April hatte das Gericht „Kaya“ in Augenschein genommen: Lammfromm war das Tier in den Gerichtssaal gehumpelt und hatte mit treuem Blick die Herzen der Zuschauer erobert. Doch Richterin Dauch hielt fest: „Im Büro kann das natürlich ganz anders aussehen.“ Was Frauchen nicht bestritt: Dass ihr Liebling in der Mittagspause schon mal im Rhein badet – Kollegen hatten sich über den Geruch beklagt, den das nasse Tier verbreite.

Ob sie gegen das Urteil vor das Landesarbeitsgericht ziehe, will Hundebesitzerin van de Wauw nun prüfen. Momentan ist der Betriebsfrieden ohnehin nicht gefährdet: Die Klägerin, die fürchtet, aus der Firma gemobbt zu werden, ist seit mehreren Monaten krank geschrieben.  Frank Christiansen

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