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Lübeck Zur Notkonfirmation nach Mölln
Lokales Lübeck Zur Notkonfirmation nach Mölln
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21:15 05.04.2017
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Lübeck

Einmal im Jahr hat Pastor Matthias Lage eine besondere Besucherin in seinem Gottesdienst in der Möllner Kirche St. Nicolai. „Sie ist weit über 90 und kommt immer extra aus Lübeck, um sich an ihre Konfirmation zu erinnern“, sagt Lage. Diese Einsegnung am 20. März 1937 – dem Vorabend des Palmsonntags – ist als Möllner Notkonfirmation in die Geschichte eingegangen. Mit einem Sonderzug kamen damals 169 Jugendliche und ihre Familien in die Stadt, um sich von einem Pastor der regimekritischen Bekennenden Kirche konfirmieren zu lassen.

Bischöfin Kirsten Fehrs erinnert am Sonntag im Lübecker Dom an die Möllner Notkonfirmation. Quelle: Foto: Riedel
In einem Sonderzug fuhren die Lübecker nach Mölln, um sich in St. Nicolai konfirmieren zu lassen. Quelle: Foto: Dpa

Am Palmsonntag, 9. April (10.40 Uhr), wird die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs im Gottesdienst im Lübecker Dom an den 80. Jahrestag der Möllner Notkonfirmation erinnern. Es sei ein Akt zivilen Ungehorsams gegen die NS-nahe Lübecker Kirchenleitung vor 80 Jahren gewesen, betonte Fehrs in der Einladung zum Gottesdienst. Außerdem soll bei dem Gedenken an die Zerstörung Lübecks durch den alliierten Bombenangriff auf Lübeck in der Nacht zu Palmsonntag 1942 erinnert werden.

„Die Möllner Notkonfirmation war der sichtbare Höhepunkt eines Kirchenkampfes, der seit 1934 in Lübeck tobte“, sagt der Kirchenhistoriker Hansjörg Buss, der sich intensiv mit dem Ereignis beschäftigt hat. Der seit 1934 in Lübeck amtierende Bischof Erwin Balzer wollte in Lübeck eine Musterkirche nationalsozialistischer Prägung schaffen. Anfang 1937 stellte er neun Pastoren unter Hausarrest, die der regimekritischen Bekennenden Kirche angehörten. Sie wurden durch linientreue Geistliche ersetzt, die aber von den Bekenntnis- Gemeinden nicht akzeptiert wurden.

Deshalb organisierte die Bekennende Kirche den Konfirmationsgottesdienst in der Möllner Nicolaikirche, die in der damaligen Provinz Schleswig-Holstein und damit außerhalb des Einflussbereichs von Bischof Balzer lag. Für die An- und Abreise der Konfirmandenfamilien und Gäste – insgesamt fast 1000 Menschen – stellte die private Lübeck-Büchener Eisenbahn einen Sonderzug zur Verfügung. Der Vater eines Konfirmanden war Direktor der Bahngesellschaft.

„Alle warteten sehr angespannt auf die Abfahrt um 19.23 Uhr; denn es hätte ja die Gestapo den Zug noch stoppen können; aber es ging ruhig und erwartungsvoll los“, heißt es in einem Bericht von Gisela Potschkat, die 1937 zusammen mit ihrem Bruder in Mölln konfirmiert wurde. „(...) Es lässt sich schwer beschreiben, wie feierlich mir im Innern zumute war, vorn neben meinem Bruder zu knien, durch Handauflegen vom Flensburger Pastor Mohr eingesegnet zu werden (...)“, beschreibt sie weiter in ihren Erinnerungen, die in einer 2014 erschienenen Materialsammlung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg abgedruckt sind.

„Die Geschichte der Notkonfirmation ist bei uns in der Gemeinde noch immer präsent, auch wenn natürlich kaum noch Zeitzeugen leben“, sagt Lage. Seit einigen Jahren erinnert eine Bronzetafel an der Fassade von St. Nicolai an die ungewöhnliche und auch dramatische Feier.

Nach Einschätzung des Studienleiters für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit der Evangelischen Akademie der Nordkirche, Stephan Linck, ist die Möllner Notkonfirmation ein absolutes Unikum. „Die Sondersituation Lübecks, die Möglichkeit des Ausweichens nach Mölln und die Kontakte zur Bahngesellschaft sind eine spezielle Kombination, die es so kein zweites mal gegeben hat“, sagt er.

LN

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