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Lübeck Zwangspause in der Mongolei
Lokales Lübeck Zwangspause in der Mongolei
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22:42 15.08.2017
In Ulan Bator hat Luisa Rische ihr Fahrrad „Anton“ wieder zusammengebaut. Für die Fahrt im Nachtzug musste das Rennrad in Einzelteile zerlegt werden. Quelle: Fotos: Luisa Rische
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Ulan Bator

Als ich in Ulan Bator ankomme, habe ich keinen Plan. Erst einmal muss ich wissen, ob mein Fahrrad wieder fährt, bevor ich mir um Übernachtungen, Route und Visum Gedanken machen kann. Auf dem Bahnhof der Millionenstadt mache ich das Paket auf, packe die Einzelteile Antons aus und fange an. Lenker, Sattel, Gepäckträger, Rad. Eins nach dem anderen wird aus Dutzenden Einzelteilen wieder ein Ganzes. Ein mongolischer Taxifahrer, der auf Reisende wartet, hilft mir beim Aufbau und bringt mich zu einem Hostel, als Anton wieder fahrbereit ist.

Mit Fieber und Schüttelfrost kommt Weltradlerin Luisa Rische in Ulan Bator an. Dann wird auch noch ihr Handy geklaut.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Bevor ich die Stadt mit dem Fahrrad verlasse und das Land erkunde, muss ich mich um das Visum für China kümmern. Zwei Tage lang erkunde ich die im 17. Jahrhundert gegründete Stadt, deren Straßenverkehr von Dreistigkeit und Hupen regiert wird. Am Mittwochmorgen dann gehe ich zur Botschaft und höre mich erst einmal um. Erleichterung. Obwohl es in Internet-Foren und Chat-Gruppen heißt, es gebe seit August 2016 keine Visa mehr für China in Ulan Bator, ist es mittlerweile doch wieder möglich, ein Touristenvisum zu erhalten. Ich nehme einen Antrag mit und besorge am kommenden Tag alle Unterlagen: Flugreservierung, Hostelbuchung, Kopie des Reisepasses, Bankunterlagen.

Eigentlich will ich am Freitag das Visum beantragen, doch am Donnerstag geht auf einmal nichts mehr. Ich weiß nicht, ob es der Brite in meinem Schlafsaal ist, der die Tage mit Magenproblemen im Bett fristet, das Leitungswasser, das ich abgekocht für meinen Tee nutze oder das mongolische Fleisch – bis zum Nachmittag liege ich flach, mit Schüttelfrost, Fieber, Gliederschmerzen und Übelkeit ans Bett gefesselt. Erst am Sonntag bekomme ich wieder etwas herunter: Apfelmus und Brei. Deutsche Exportprodukte. Zuhause ist doch am schönsten, findet mein Magen.

Einen Tag später stehe ich in der Botschaft der Volksrepublik China – und werde wieder weggeschickt. Meine Hostelbuchung für zehn Tage reicht nicht aus, sie wollen eine Buchung für jede Nacht, die ich in China bleiben will. Gesagt, getan. Am Mittwoch stehe ich wieder in der Botschaft. Dieses Mal mit Erfolg. Mein Visum für 30 Tage, das ich bei Bedarf verlängern kann, soll ich fünf Tage später abholen. Die Buchungen storniere ich alle wieder.

Am Nachmittag bringe ich noch meine Postkarten zur Post, weil ich Ulan Bator am nächsten Tag verlassen will – und dann passiert es. Auf dem Rückweg schnappt sich ein Dieb mein Handy. Ich merke es, doch ein Mann kommt von vorne und einer von hinten. Ich kann nicht sagen, welcher von beiden es ist und weiß nicht, wen ich verfolgen soll. Verzweiflung. Fotos, Videos, GPS, Musik, meine Verbindung nach Hause, mein Leben in fremden Händen.

Mit meinem Tablet logge ich mich im nächsten Café ins Internet ein, gebe mein Handy als verloren an, schicke dem Dieb noch eine Nachricht und schreibe meiner Mutter, die die SIM-Karte sofort sperren lässt. Der Ärger ist riesig, weil ich schon längst aus Ulan Bator raus sein wollte. Aber jetzt ist es zu spät, da hilft auch kein hätte, wenn und aber mehr. Höchste Zeit, dass ich diese Stadt verlasse und endlich wieder in die Pedalen trete.

Luisa Rische

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