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Lübeck Zwangsprostitution: Staatsanwältin fordert neun Jahre
Lokales Lübeck Zwangsprostitution: Staatsanwältin fordert neun Jahre
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20:10 14.02.2018
St. Lorenz Nord

Ein Dreivierteljahr lang vermittelte G. seine Freundin an Männer für Gruppensex und Pornodrehs und kassierte das Geld, um seinen Kokainkonsum zu finanzieren (die LN berichteten). Er hat sie dazu gezwungen, sie verletzt und vergewaltigt. Das war die verstörende Geschichte, die nach der Beweisaufnahme am frühen Mittwochnachmittag im Raum stand. Von den Plädoyers wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Das diente dem Schutz von Jana S., der das Gericht erlaubt hatte, ohne Öffentlichkeit auszusagen.

Staatsanwältin Magdalena Salska forderte für den Angeklagten wegen Zuhälterei, Zwangsprostitution, gefährlicher Körperverletzung und zwei Vergewaltigungen neun Jahre und zwei Monate Haft. Das teilte die Staatsanwaltschaft nach der Verhandlung auf Anfrage mit. Die Nebenklage schloss sich der Forderung an. Der Verteidiger Frank-Eckhard Brand forderte kein bestimmtes Strafmaß, plädierte aber für eine Freiheitsstrafe „weit unterhalb“ der Forderung der Staatsanwaltschaft, wie er gegenüber den LN angab. Er bestritt das Geschehen nicht, gab aber zu bedenken, dass Jana S. „keine der Möglichkeiten genutzt“ habe, sich aus der Zwangslage zu befreien.

Diese Lesart schien die Aussage von Johannes G.s Vater zu bestätigen, der spontan als Zeuge aufgerufen wurde. Er berichtete, dass Jana S. sich an seinen Sohn „geklammert“ habe, der sich von ihr habe trennen wollen. Die Kälte, mit der Johannes G. seine Freundin behandelte, wurde in den Whatsapp- Nachrichten spürbar, die die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz vorlas: „So viele haben Kopfschmerzen mit ihren Frauen – das will ich nicht haben“, schrieb Johannes G.: „Nächste Woche: Will Einsatz sehen!“ Sie: „Kann ich mich jetzt hinlegen und einfach chillen?“ Er: „Nein, kommt noch einer um 21.30 Uhr.“ Er: „Deinen Arsch bewegst du nach Haus, und wenn nicht, bekommst du Besuch!“ Immer wieder drängte G. Jana S., Geld heranzuschaffen.

Der psychiatrische Gutachter Wolfgang Schreiber ließ wenig Aussicht auf ein milderes Urteil für den Angeklagten wegen verminderter Schuldfähigkeit. Trotz Johannes G.s Drogenkonsum erkannte Schreiber keinen Kontrollverlust: Der Angeklagte habe Situationen differenziert einschätzen und komplexe Handlungen planen können. Das Urteil ist für Freitag, 23. Februar, angekündigt. kab

LN

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