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Lübeck Zwei Findelkinder in der Sturmnacht
Lokales Lübeck Zwei Findelkinder in der Sturmnacht
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20:52 30.10.2017
Friederike Garbe ging am Sonntag mit ihrer Erstausstattungstasche gleich zweimal zum Wärmebett „Moses“ an der Innenseite der Klappe. Quelle: Sabine Risch
Innenstadt

„Wir waren ein wenig geschüttelt“, sagt Friederike Garbe: „Um 2.45 Uhr wurde ich von der Klingel wach – als ich zur Klappe ging, kam unser Hausmeister Stephan Pieper-Teschendorff mir schon mit einem kleinen Bündel im Arm entgegen“. Sie habe das Kind ihrem pflegebedürftigen Mann in den Arm gelegt und dann nachgesehen, dass es sich um ein Mädchen handelt. „Es hatte eine Windel um und war in eine Decke gewickelt“, sagt die 72-Jährige. Die Kleine habe ganz verklebte Haare gehabt, „die Nabelschnur war einfach nur durchtrennt.“ Der Hausmeister und seine Frau Steffi brachten das neugeborene Mädchen in die Uniklinik.

Aufgeregt und der Nachtruhe beraubt, warteten Garbes auf die Rückkehr der beiden. Das zog sich ein wenig hin. „Wir hatten gerade kurz miteinander gesprochen, als um 5.30 Uhr erneut die Klingel der Babyklappe ging.“ Zuerst habe man an einen Streich gedacht, doch tatsächlich lag ein weiteres Mädchen im Wärmebettchen. „Es war deutlich zarter als das erste Findelkind der Nacht und trug keine Windel.“ Außerdem sei auch beim zweiten Mädchen die Nabelschnur einfach nur durchtrennt gewesen. Es wurde in der Uniklinik beatmet.

„Ich kann nur mutmaßen, dass es sich um Zwillinge handelt und dass die Mutter vielleicht gar nicht wusste, dass sie zwei Kinder erwartet.“ Durch einen Bluttest wird das in der Klinik zwar zweifelsfrei festgestellt, doch Garbes werden es nicht erfahren.

Den doppelten Kindersegen in einer Nacht nennt Friederike Garbe, die zweifache Mutter und sechsfache Großmutter ist, „einen freudigen Schreck“. Zuletzt war im Juli 2016 die kleine „Heidrun“ – das achte Mädchen seit 2000 – gefunden worden. Es erhielt den achten Buchstaben des Alphabets als Anfangsbuchstaben seines Namens. Das neunte Mädchen, das in der Sturmnacht zuerst in der Mengstraße abgegeben wurde, nannte Garbe Iris, das zweite Mädchen Jane.

Die Mutter nahm den im Wärmebettchen ausgelegten Brief mit. Sie kann sich nun acht Wochen lang überlegen, ob sie ihr Kind oder ihre Kinder zurückhaben oder zur Adoption freigeben möchte. Die kleinen Mädchen kommen zu Pflegeeltern, die ihre potenziellen späteren Adoptiveltern sind. Übrigens lagen erstmals Ende 2011 Geschwister in der Babyklappe: zwei eineinviertel Jahre und drei Monate alte Jungen.

 sr

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