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Lübeck Zweisprachiger Unterricht auf der Kippe?
Lokales Lübeck Zweisprachiger Unterricht auf der Kippe?
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21:20 08.03.2016

Der Chef eines Weltkonzerns, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer und der Bürgermeister waren gestern Mittag auf dem Weg zur Grundschule Roter Hahn in Kücknitz. Um 13 Uhr wollten sie zusammen mit der Bildungssenatorin und dem Lübecker Schulrat eine Erklärung unterzeichnen, die den Startschuss für die bilinguale Erziehung in Lübeck geben sollte. Doch dazu sollte es nicht kommen.

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Der Chef eines Weltkonzerns, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer und der Bürgermeister waren gestern Mittag auf dem Weg zur Grundschule Roter Hahn in Kücknitz.

„Eine Dreiviertelstunde vor dem Termin hat mich das Kieler Bildungsministerium angerufen“, berichtet Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos). Die Ministerin persönlich wolle diese Vereinbarung unterzeichnen, hätte aber so kurzfristig keine Zeit. Obwohl die Hansestadt seit Monaten an dieser Erklärung bastelt, hat Kiel das offenkundig nicht mitbekommen. „Da hat es wohl Kommunikationsprobleme gegeben“, sagt Weiher auf LN-Anfrage.

Sie informierte umgehend die anderen Unterzeichner. Stefan Dräger, Vorstandsvorsitzender des weltweit operierenden Medizingeräteherstellers, erfuhr im Auto davon und entschied sich nach kurzem Überlegen, trotzdem in die Kücknitzer Grundschule zu fahren. Dräger: „Mir ist die Begründung für die Absage rätselhaft.“ Die offizielle Version des Bildungsministeriums lautete, dass es noch Beratungsbedarf gebe. „Wir finden die Idee toll“, bekennt Ministeriumssprecher Thomas Schunck. Da in den bilingualen Grundschulen aber „native speaker“ (Muttersprachler) für den Unterricht eingesetzt werden sollen, müsse deren Einsatz geklärt werden. Denn, so Schunck: „Unterrichten dürfen nur Lehrer.“ Diese Erklärung empfindet nicht nur der Dräger-Vorstandsvorsitzende als dünn. „Ich finde es ungehörig, dass keine weiteren Hintergründe genannt werden.“

Auch IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning und sein Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung, Ulrich Hoffmeister, saßen bereits im Auto nach Kücknitz, als die Absage kam. Dräger bat Schöning und Hoffmeister, den Kindern zuliebe trotzdem in die Grundschule zu kommen.

Die bilingualen Klassen 1a und 2a dankten es mit einer kleinen, einstudierten Aufführung. Es wurde ein Lied gesungen, auf den Tischen standen selbstgemalte deutsch-britische Fähnchen. Einige Kinder waren so aufgeregt vor ihrem großen Auftritt, dass sie zwei Nächte nicht geschlafen hatten. „Bei dieser Vorführung ging einem das Herz auf“, berichtet Ulrich Hoffmeister. „Das war jetzt eine Art Generalprobe“, sagt Nicole Völschow, Leiterin der Schule Roter Hahn. Dort läuft Unterricht in Englisch schon seit Sommer 2014. Die festliche Unterzeichnung sei nur aufgeschoben, nicht aufgehoben, versichert Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Auch Stefan Dräger und Lars Schöning betonen: „Die Wirtschaft steht zu ihrem Wort.“ Große Unternehmen der Region wollen den bilingualen Schulen bei der Finanzierung von Lehrbüchern, dem Einsatz von Muttersprachlern und der Weiterbildung der Lehrer helfen. Bildungssenatorin Weiher persönlich wird sich um den Termin kümmern.

Bilinguale Klassen

An drei Grundschulen sollen bilinguale Klassen eingerichtet werden. Neben der Schule Roter Hahn ist die Stadt mit der Luther-Schule und der Stadtparkschule im Gespräch. Außerdem haben nach Angaben des Bereichs Schule und Sport die Schule Tremser Teich und die Trave-Gemeinschaftsschule Interesse angemeldet. Wirtschaft und Stadt wollen zweisprachige Erziehung auch in weiterführenden Schulen und Kitas verankern.

Von Kai Dordowsky

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