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Lübeck Zwischen Mode und Müßiggang
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19:31 21.01.2017
Hendrik Samm (27) sitzt auf dem Sofa und mag die Hose zum Relaxen.
Lübeck

Wenn es nach Karl Lagerfeld geht, dann haben am heutigen Tag diverse Menschen ihr Dasein nicht mehr im Griff. Der Modeschöpfer meint: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Ob da etwas Wahres dran ist, sei dahingestellt. Fest steht: Heute ist der Internationale Jogginghosentag, und Lübecker zeigen ihre Lieblingsstücke.

Zum Tag der Jogginghose offenbaren Lübecker ihre Beziehung zum umstrittenen Kleidungsstück.

Für Iris Beneke vom Modehaus Heick & Schmaltz ist die Jogginghose auf jeden Fall ein Trend des Frühjahrs. „Eigentlich war das schon zur Herbst/Winter-Saison so, aber es braucht immer Zeit vom Laufsteg bis auf die Straße.“ Wesentlich ist, dass die Modelle, von denen die Geschäftsleiterin spricht, nichts mit der Sofakuschelhose gemein haben. „Die Joggingpants sind zwar bequem, aber immer auch businesslike und schick.“ So ließen sie sich fürs Büro mit Seidenweberei und Blazer kombinieren. Oder zum Ausgehen mit High Heels, Pailletten-Oberteil und Bikerjacke, sagt sie.

Wie wichtig das Styling ist, zeigt Riccarda Hartwig (23), die zur „Pant“ mit weißem Streifen, eine Seidenbluse und Silberschuhe trägt. „Bevor ich angefangen habe, in der Modebranche zu arbeiten, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, das so zu kombinieren“, sagt sie. „Jetzt finde ich die Mischung aus schick und bequem super.“ Allerdings ist das Ensemble nicht ihr Wahl-Outfit fürs Sofa. „Dafür ist es wiederum zu schade.“

Es scheint, als habe das einst verpönte Kleidungsstück einen Imagewechsel hinter sich und darf nun überall getragen werden. Im Netz gibt es sogar eine Homepage für den Internationalen Jogginghosentag. „An diesem Tag darf sich die Jogginghose überall zeigen“, heißt es dort, „in Paris auf den Champs-Élysées, auf der New Yorker 5th Avenue und überall dort, wo sonst die Haute Couture getragen wird.“ In der Lübecker Innenstadt braucht Muhammet Zahit Demir (25) kein Modestatement, um sein Lieblingsstück zu tragen. „Ich gehe damit nicht nur zum Boxen, sondern auch zum Ordnungsamt oder zum Einkaufen“, sagt er.

Hendrik Samm (27) hingegen trägt das vielleicht bequemste Kleidungsstück der Welt in der Regel nur auf dem Sofa oder beim Sport. „Maximal auch beim Gang zum Bäcker“, verrät der Lübecker, der von dem kuriosen Feiertag zuvor noch nie gehört hat. Den gibt es auch erst seit 2009. Vier Gymnasiasten aus Österreich beschlossen damals, am 21. Januar, in Jogginghosen zur Schule zu kommen, g emeinsam mit ihrer ganzen Klasse. Die Idee kam so gut an, dass sie ein Jahr später einen Internationalen Tag für das Beinkleid ins Leben riefen. Die Geschichte der Hose reicht aber weiter zurück. 1920 brachte erstmals Émile Camuset, Gründer der französischen Sportmarke Le Coq Sportif, eine einfache, gestrickte Jerseyhose auf den Markt. Mit ihr sollten Athleten auch im Winter bequem trainieren können.

Nun muss man sagen, dass zwischen der Ursprungshose, der Joggingpant und den Schlabbermodellen optisch und auch preislich Welten liegen. Dehnbar also nicht nur das Material, sondern auch die Charakteristik. Zwar spricht der Duden von einer „besonders beim Joggen getragenen Hose“. Aber längst hat knallenge Funktionskleidung den weiten Baumwolllook von den Laufstrecken verdrängt. Auf dem Laufsteg von Karl Lagerfeld hat sich das Kleidungsstück übrigens doch irgendwie einen Platz gesichert. „Karl Travel Sweat Pant“ heißt das Designer-Modell mit Eiffelturm-Motiv darauf, das einer Jogginghose zum Verwechseln ähnlich sieht. Gedacht ist es „für die Reise oder das Relax-Wochenende“. Ach so. Bleibt nur eine Frage: Wie war das noch mit dem Kontrollverlust?

Cosima Künzel

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