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Lübeck Zwischen Wohnungssuche und Regierungsbildung
Lokales Lübeck Zwischen Wohnungssuche und Regierungsbildung
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21:16 25.10.2013
Gabriele Hiller-Ohm (r., SPD) und Alexandra Dinges-Dierig (CDU) haben die Arbeit im Bundestag aufgenommen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

631 Abgeordnete kamen am Dienstag im Berliner Reichstag zur konstituierenden Sitzung zusammen. Viereinhalb Stunden Reden und erste Wahlen standen an. Ein Drittel der Parlamentarier ist neu dabei. Zu ihnen zählt die Lübecker CDU-Politikerin Alexandra Dinges-Dierig. „Es war ein aufregender und emotionaler Tag“, bilanziert die 60-Jährige ihre ersten Schritte auf dem Berliner Parkett. In der St. Hedwigskathedrale gab es einen „sehr schönen, ökumenischen Gottesdienst“, berichtet Dinges-Dierig: „Danach ging es mit großen Bussen zum Reichstag.“

Alte und neue Abgeordnete wollten den Moment festhalten, ließen sich von Kollegen fotografieren. Dinges-Dierig gewann keine Geringere als die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) als Fotografin. „Ich habe in den 90er Jahren bei ihr gearbeitet, sie war meine Chefin“, erzählt die Lübeckerin, „später waren wir Kolleginnen als Kultusministerinnen.“

Mit Politik hat die frühere Hamburger Bildungssenatorin erstmal wenig zu tun. Fraktion und Landesgruppe treffen sich zwar regelmäßig, aber alle warten jetzt auf die Regierungsbildung. Die ehemalige Bildungssenatorin will sich in den Gremien für Bildung, Gesundheit und Sport engagieren. Sie würde gerne die Rolle der bildungspolitischen Sprecherin übernehmen. Aber, so Dinges-Dierig: „Die ist fest in den Händen der CSU.“

Als einer von über 200 Neulingen muss sie erst einmal ihren Alltag organisieren. „Ich habe vorübergehend ein Büro zugeteilt bekommen“, erzählt die Abgeordnete, „18 Quadratmeter, ein Telefon, zwei Laptops und drei Schreibtische stehen darin.“ Bis zum Frühjahr soll sie einen festen Platz erhalten. Dinges-Dierig: „Zuvor muss die FDP vollständig ausgezogen sein.“ Drei Mitarbeiter sollen sie unterstützen. Die 60-Jährige hat sich die Beschäftigten selbst ausgesucht. „Die Chemie muss stimmen“, sagt die CDU-Politikerin. Aus den Reihen der FDP-Leute hat sie eine Mitarbeiterin übernommen. In Lübeck muss sie sich ein zweites Team zusammenstellen — für ihr Wahlkreisbüro. Und auch das Büro will erst noch gefunden sein. Im November bezieht Dinges-Dierig eine Wohnung in Berlin, bislang schlüpft sie bei Freunden unter. Personal einstellen, Wohnung suchen — das müssen Abgeordnete selbst machen.

Für Gabriele Hiller-Ohm hat bereits die vierte Wahlperiode begonnen. Seit 2002 sitzt sie im Bundestag. Wohnung, Büro, Mitarbeiter — das ist alles geregelt. „Es ist ein tolles Gefühl, wieder dabei zu sein, und konstituierende Sitzungen sind immer aufregend“, erzählt die SPD-Politikerin. Die größte Herausforderung sei momentan, die neuen Abgeordneten den richtigen Fraktionen zuzuordnen. Auch bei der SPD ist die Verteilung von Ausschusssitzungen noch unklar, weil die Regierungsbildung noch nicht steht. Die 60-jährige Sozialdemokratin hat sich für ihre Schwerpunktthemen Arbeit und Soziales sowie Tourismus angemeldet.

Die beiden Lübecker Abgeordneten gehören nicht zu den Stars des Parlaments, sitzen in der Regel nicht auf den vorderen Abgeordnetenbänken. „Es gibt keine feste Sitzordnung“, erklärt Hiller-Ohm, „aber wer eine Rede hält, sitzt mit ganz vorne.“ Die SPD-Politikerin saß in der letzten Wahlperiode häufig vorne. 61 Reden hielt sie von 2009 bis 2013 im Bundestag — zu Arbeitsmarkt, Kinderarmut, Hartz IV, Leistungen für Asylbewerber und zum Thema gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Hiller-Ohm: „Ich habe mehr Reden gehalten als jedes Kabinettsmitglied.“ Wie für ihre CDU-Kollegin steht auch für Hiller-Ohm jetzt die Arbeit im Wahlkreis im Fokus. Sie muss vor allem ihren Runden Tisch gegen Politikverdrossenheit (LN berichteten) vorbereiten.

Sollte es zu einer Großen Koalition in Berlin kommen, sitzen die Lübecker Doppelnamen-Frauen in einem Boot. Dinges-Dierig kann mit der Großen Koalition gut leben, während Hiller-Ohm damit enorme Schwierigkeiten hat. Die SPD-Politikerin: „Ein Parlament braucht eine starke Opposition.“

„Es ist gar nicht so einfach, die Neuen zuzuordnen.“
Gabriele Hiller-Ohm
„Ich würde auch die Schriftführerin machen.“
Alexandra Dinges-Dierig

Kai Dordowsky

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