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Lübeck „Gegen die Lüge und das Schweigen“
Lokales Lübeck „Gegen die Lüge und das Schweigen“
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11:39 03.11.2018
Lutherkirche mit leuchtenden Stelen Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Die Ausstellung ein Stück weit nach draußen holen, vor die Tür, um darauf hinzuweisen, dass sich hinter dem Kirchenportal ein kleiner „Erinnerungsschatz“ verbirgt, ein Schatz, der zum Nachdenken anregen soll – „und der uns etwas mitgibt für die Zeit, in der wir leben“, sagt Dr. Karen Meyer-Rebentisch. Erfreut blickt die Leiterin der Märtyrer-Gedenkstätte auf die vier erleuchteten Stelen, die nun in der Moislinger Allee vor der Lutherkirche stehen. Sie zeigen überlebensgroß Pastor Karl Friedrich Stellbrink und die drei katholischen Geistlichen Hermann Lange, Johannes Prassek und Eduard Müller.

Neben den Fotografien werden kurze biografische Informationen aus dem Leben der vier Lübecker Theologen geboten; Zitate flankieren die Texte. Darunter auch dieses: „Johannes Prassek liebte das Leben, die Menschen und auch die unbequeme Wahrheit. Darauf und auf die Gefahr angesprochen, entgegnete er: ,Aber einer muss doch die Wahrheit sagen’. Glauben also auch wir nicht der Hetze selbst ernannter Heilsbringer, sondern bauen in unserem Umfeld an einer gerechten Welt, die allen Menschen, gleich welcher Herkunft, ein Leben in Frieden und Würde ermöglicht.“

Lutherkirche mit leuchtenden Stelen Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Gesagt hat es Stefan Kürle; der Lübecker Kaufmann ist Sohn eines der damals mitgefangenen Laien und engagiert sich seit Jahren im Solizentrum für Flüchtlinge. „Wie würden sich die vier Lübecker Märtyrer heute verhalten, angesichts von Rechtspopulismus und Fake News?“, fragt Karen Meyer-Rebentisch. „Für mich sind die Märtyrer Vorbilder in ihrer Haltung und in ihrem Gottvertrauen – Leuchttürme, an denen ich mich zu orientieren versuche“, sagt Pröpstin Petra Kallies.

Um auch Kindern und Jugendlichen das Wirken der Geistlichen, die am 10. November 1943 von den Nazis hingerichtet worden sind, näher zu bringen, hat das Erzbistum Hamburg sowie die Erzbischöfliche Stiftung Lübecker Märtyrer ein Filmprojekt initiiert. Der erste von insgesamt vier geplanten Kurzfilmen, die später auch im Videokanal „youtube“ zu sehen sein sollen, wird am Sonntag im Anschluss an den feierlichen Abendmahlsgottesdienst in der Lutherkirche präsentiert. Dieser erste Film beschäftigt sich mit dem Wandel von Pastor Stellbrink vom glühenden Nazi-Anhänger zum Gegner des Regimes, erzählt aus der Sicht seiner Tochter. Das Video entstand, wie die anderen Kurzfilme auch, zusammen mit Lübecker Schulklassen.

Lutherkirche mit leuchtenden Stelen Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

„Sie wurden hingerichtet, weil sie Zeugnis für die Wahrheit ablegten. Gewaltfrei wandten sich die vier Geistlichen gegen zwei Stützpfeiler des Systems: Gegen die Lüge und gegen das Schweigen. Ihre klare Haltung spornt uns an zu Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe, zum Einsatz gegen Rechtsextremismus und für die Demokratie“, sagt Bischöfin Kirsten Fehrs, die am Sonntag, 4. November, predigen wird.

Die Gedenkstätte in der Lutherkirche hat übrigens ihre regulären Öffnungszeiten verlängert: Noch bis Sonnabend, 10. November, ist täglich (außer sonntags) von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Das Märtyrer-Gedenken

Mit dem
Evangelischen Gottesdienst beginnt das Gedenken am heutigen Sonntag um 11 Uhr in der Lutherkirche, Moislinger Allee 96. Bischöfin Kirsten Fehrs hält die Predigt. Am Ende, gegen 12.45 Uhr, wird der erste Kurzfilm des Märtyrer-Filmprojektes zu sehen sein.

Das
katholische Pontifikalamt in der Propsteikirche Herz Jesu in der Parade findet am Todestag der vier Geistlichen statt, am Sonnabend, 10. November, um 18 Uhr. Für Liturgie und Predigt ist Erzbischof Dr. Stefan Heße verantwortlich; es singt der Propsteichor Herz Jesu.

Weitere Gedenkveranstaltungen:Podiumsgespräch „GlaubeNSbekenntnisse – Die christlichen Kirchen im Nationalsozialismus“ am Montag, 5. November, 19.30 Uhr im Hansemuseum; Andacht in der Marienkirche mit anschließender Kranzniederlegung unter den Rathausarkaden am Freitag, 9. November, 12 Uhr; Andacht am Zeughaus, Parade, mit Kranzniederlegung am Sonnabend, 10. November, 17 Uhr; Lesung aus Band 1 der Schriftenreihe Lübecker Märtyrer „Der Briefwechsel zwischen Johannes Prassek und Familie Gunkel/Thoemmes“ am Freitag, 16. November, 19.30 Uhr, Gedenkstätte an der Propsteikirche Herz Jesu.

Michael Hollinde

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