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15:59 01.12.2018
Pastor Robert Pfeifer und Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) Seite an Seite in der Bürgermeisterkapelle von St. Marien. Quelle: Felix König
Lübeck

An den Anblick hat man sich eigentlich schon gewöhnt; die Westtürme an St. Marien sind ohne Gerüst kaum mehr vorstellbar. „Vor sechs Jahren mussten zur Verkehrssicherung Teilbereiche der Fassade des Nordturms eingerüstet werden, 2014 dann noch am Südturm“, rekapituliert Christian Rosehr. Der Architekt ist Vorsitzender des Kirchengemeinderates und hat das 62-seitige, detaillierte Gutachten ausgedruckt vor sich. Es trägt den Titel „Sanierung Turmschaftmauerwerk Nord- und Südturm“ und ist Ausdruck dessen, was in den vergangenen Jahren von Fachleuten am Bauwerk untersucht und herausgefunden worden ist.

„Wir haben das Ergebnis der aufwendigen Voruntersuchungen jetzt in der Hand“, sagt Rosehr, „also etwas, was die Domgemeinde noch vor sich hat, und damit haben wir einen roten Faden, wie es weitergeht.“ Eine gute Nachricht vorab: Während die Sanierungskosten der Dom-Türme sehr grob auf vier bis fünf Millionen Euro geschätzt werden, könnte die bauliche Maßnahme bei St. Marien wahrscheinlich schon mit einer Million Euro gedeckt sein. „Allerdings muss man dabei auch berücksichtigen, dass sich die Vorlaufkosten schon auf etwa 500 000 Euro belaufen“, bilanziert Rosehr, „denn allein so ein großes Gerüst schlägt schon mit 70 000 bis 80 000 Euro Miete pro Jahr zu Buche.“

Risse mit einer Gesamtlänge von 125 Metern

Bevor also der Dom fit für die Zukunft gemacht werden kann, sollen erst mal die 124 Meter hohen Marientürme in Angriff genommen werden. Es haben sich Risse mit einer Gesamtlänge von 125 Metern gebildet. Hier kann Feuchtigkeit eindringen und weitere Schäden verursachen. Zur Ausbesserung muss das Mauerwerk zum Teil mit einer Tiefe von rund einem halben Meter geöffnet und neu aufgemauert werden. Zum Abschluss wird alles mit einem speziell angefertigten Hochbrandgipsmörtel wieder verfugt. Zudem müssen auf einer Fläche von ungefähr 200 Quadratmetern schadhafte Verfugungen ausgebessert sowie etwa 100 Granitquader neu verankert werden.

„Warum es zu den Schäden gekommen ist, haben wir nun schwarz auf weiß vorliegen“, erklärt der Vorsitzende des Kirchengemeinderates. Vor allem in den vergangenen 100 Jahren seien so viele einzelne Sanierungsmaßnahmen an der Kirche vollzogen worden, dass unterschiedlichste Baumaterialien verwendet worden seien, die sich eigentlich gar nicht vertragen. „Mauermörtel und Verpressmörtel passen eigentlich gar nicht zusammen“, nennt er ein Beispiel. Und um in Zukunft Prozesse, die tief im Mauerwerk vonstattengehen, an besonders gefährdeten Stellen besser beobachten zu können, wollen die Fachleute Bewegungsfugen anbringen. „Wie sich diese dann im Jahresverlauf verändern werden, können wir als Monitoring regelmäßig mit einer Drohne kontrollieren“, erläutert der Experte das ausgeklügelte Konzept.

Im Frühjahr soll die Sanierung starten

Im April des kommenden Jahres – wenn die Tage frostfrei sind – soll das Team der Kirchenbauhütte anrücken. „Wir fangen mit dem Nordturm an, und die Arbeiten werden wohl bis in den Herbst 2020 dauern“, kündigt Marienpastor Robert Pfeifer an. Auf die eklatanten Risse in den Türmen aufmerksam geworden, sei er übrigens durch eine E-Mail. „Ein Besucher auf dem Petri-Turm hat mit dem Teleobjektiv St. Marien aufgenommen und zu Hause auf den Fotos dann die Schäden entdeckt und uns das dann mitgeteilt“, erzählt dankbar der Theologe.

Für ihn seien Baumaßnahmen seit dem Amtsantritt „sein täglich Brot“, was bei „80 000 Kubikmetern umbauter Raum“ ja auch kein Wunder sei. Zwar habe die Gemeinde durch den „Marientaler“ zur Bauerhaltung Einnahmen von jährlich rund 300 000 Euro – „aber das reicht natürlich für eine Turmsanierung nicht aus“. Deshalb freue er sich, so viele Unterstützer an seiner Seite zu haben. Einer der prominentesten wohnt vis à vis – Bürgermeister Jan Lindenau, der am Sonnabend von 12 bis 14 Uhr mit Spendendose durch die Breite Straße laufen wird.

Es gibt immer was zu tun

„Ich bin hier in Lübeck mit den sieben Türmen aufgewachsen; ich bin in den St. Marien-Kindergarten gegangen, in St. Marien konfirmiert und getraut worden“, berichtet er. Wenn es also eine direkte persönliche Beziehung zu einer Kirche in seinem Leben gebe, dann sei es in erster Linie St. Marien. „Trotzdem ist die Gesamtsilhouette unserer Hansestadt natürlich das Entscheidende, so dass mir die Erhaltung aller sieben Türme ein Herzensanliegen ist“, formuliert Lindenau. Neben der Sammelaktion findet noch übermorgen, am ersten Adventsonntag, nach dem Adventskonzert um 16 Uhr eine Info-Veranstaltung statt. Experten aus der Bauabteilung des Kirchenkreises werden ab 17 Uhr die Sanierungsschritte erläutern.

Michael Hollinde

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