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Nordwestmecklenburg 130 000 Euro für Wismars Tapetenzimmer
Lokales Nordwestmecklenburg 130 000 Euro für Wismars Tapetenzimmer
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20:51 19.09.2013
So wird das historische Tapetenzimmer nach der Restaurierung aussehen: Statt eines Kachelofens temperiert ein Klimagerät den Raum, damit die wertvolle Bildertapete keinen Schaden nimmt. Computeranimation/Zeichnung: gaudlarchitekten

Noch ist das Tapetenzimmer eine Baustelle wie das gesamte Doppelgiebelhaus in der Lübschen Straße 23. Die Wände sind grau, das Fachwerk ist sichtbar, das umlaufende Holzpaneel noch nicht restauriert, die beiden großen Fenster zur Hofseite und die Flügeltüren sind ebenfalls noch zu erneuern. Bereits in acht Monaten soll dieser einst festliche Saal wieder in altem Glanz erstrahlen. Er wird die Attraktion im zukünftigen Welterbe-Besucherzentrum sein.

Dazu trägt die Ostdeutsche Sparkassenstiftung bei. Sie unterstützt die Restaurierung des historischen Tapetenzimmers mit 130 000 Euro. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest übergab gestern den Förderbescheid an Bürgermeister Thomas Beyer (SPD). „Wir haben uns für diese Förderung eingesetzt, zwanzig Prozent des Betrages steuert unser Haus dazu bei“, sagt Horst-Dieter Hoffmann. Das sind 26 000 Euro. Beyer sieht in der Förderung eine Anerkennung dessen, was die Stadt geplant hat. Er zeigt sich sehr dankbar für diesen wichtigen Finanzierungsbeitrag. Ohne ihn hätte das Tapetenzimmer nicht in dieser Form saniert werden können, wie es jetzt geschieht, ergänzt der Welterbe-Beauftragte der Stadt, Norbert Huschner.

Wertvolles Schmuckstück des rund 43 Quadratmeter großen Raumes wird die Panoramatapete sein. Sie wird zurzeit im brandenburgischen Heiliggrabe restauriert. Die Papiertapete auf Leinwand wurde 1823 in Paris hergestellt. Die Vorlage stammt von dem Künstler Xavier Mader. Er schuf sie zwischen 1815 und 1820 nach der mythologischen Geschichte „Reisen des Telemach auf die Insel Calypso“.

Für die Tapete mussten 2087 Druckstöcke geschnitten und 87 Farben angerieben werden — ein aufwendiges und kostspieliges Verfahren. „Gedruckte“ Raumausstattungen waren zu Beginn des 19.

Jahrhunderts in Mode gekommen. Der damalige Wismarer Bürgermeister Gabriel Lembke, der das Haus umfassend umgestalten ließ, gab den Druck der Tapete in Auftrag. Er richtete etwa um 1820 im Nordzimmer des ersten Obergeschosses einen festlichen Tapetensaal ein. 25 Bahnen mit einer Breite von je 53 Zentimetern wurden zu fünf fast quadratischen Bildtafeln zusammengefügt. Alle Felder sind durch gedruckte Bordüren gerahmt. Die Tapete stößt auf ein umlaufendes Holzpaneel.

Daraus ragen derzeit Leinwandfetzen heraus. Denn Unbekannte hatten die Tapete im November 1995 dilettantisch aus der Wand herausgeschnitten und geraubt. Aufgrund des großen Medienechos wurde sie bereits wenige Wochen später wiedergefunden.

Für Kunsthistoriker ist die Tapete eine Seltenheit, sie unterstreicht die Bedeutung und finanzielle Kraft des Wismarer Bürgertums. Fragmente der Bildertapete des gleichen Zyklus‘ finden sich sogar im Archiv des „Museum of Modern Art“ (MoMA) in New York.

In Norddeutschland gibt es nur noch zwei Tapetenzimmer: in Wismar und in seiner Welterbe-Schwesternstadt Stralsund. „Dort wird es wegen des Intarsienfußbodens nur alle vier Wochen geöffnet. Unser Tapetenzimmer ist ein Ausstellungsgegenstand im sanierten Giebelhaus und wird zu den Öffnungszeiten des Besucherzentrums zugänglich sein“, erklärt Norbert Huschner. Um den Raumeindruck nicht zu stören, soll laut Ausstellungskonzept nur eine Sitzbank mit Hörstation in der Mitte stehen. Ein literarisches Hörstück „Tagebuch einer Tapete“ erläutert den Besuchern in deutscher und englischer Sprache die Besonderheiten des Saales.

Darüber hinaus ist der Raum für besondere Veranstaltungen der Stadt reserviert und soll auch für private Festlichkeiten angemietet werden können.

Verschiedene Nutzer
Bürgermeister Gabriel Lembke ließ das Giebelhaus mit Kemladen zu Beginn des 19. Jahrhunderts völlig umgestalten und richtete im ersten Obergeschoss den Tapetensaal ein.

1828 am 20. August wurde die wertvolle Panoramatapete laut einer Bleistift-Inschrift auf dem Fachwerkständer eingebracht.

1923 erwarb die KaufmannsCompagnie das Gebäudeensemble und nutzte den Tapetensaal für repräsentative Zwecke.

Der Kulturbund der DDR veranstaltete im Saal Lesungen, Konzerte, Liederabende. Besonders in diesen Jahrzehnten wird er den Wismarern bekannt.

Haike Werfel

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