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Nordwestmecklenburg 150 Jahre: Lübecks älteste Partei feiert Jubiläum
Lokales Nordwestmecklenburg 150 Jahre: Lübecks älteste Partei feiert Jubiläum
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22:18 21.01.2016

Die Anfänge der ältesten Partei Lübecks sind nicht mehr eindeutig zu ermitteln. Die meisten Unterlagen sind verloren. Der Hamburger Schneidergeselle Albert Leinhos soll 1866 eine Gemeinde des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins in Lübeck gegründet haben. Hans Müller, früherer Landtagsabgeordneter, und der amtierende Schatzmeister Pito Bernet, die eine Arbeitsgruppe zum 150-jährigen Partei-Jubiläum leiten, halten die Geschichte für wahrscheinlich. Das Gründungsjahr bestätigt der Historiker Franz Osterroth in seiner „Chronik der Lübecker Sozialdemokratie 1866- 1972“. Danach sei es dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein 1866 gelungen, „in der Lübecker Arbeiterschaft Fuß zu fassen“.

Sozialdemokraten — auch in Lübeck — wurden im Laufe der 150-jährigen Geschichte oft drangsaliert, unterdrückt und verhaftet. Am bekanntesten ist das Schicksal von Julius Leber, der Mitglied der Bürgerschaft und Reichstagsabgeordneter für die SPD war. „In der Nacht nach Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler wurde Dr. Julius Leber von Nazischlägern überfallen“, schreibt Osterroth in seiner Chronik. Reichsbannerleute eilten ihm zur Hilfe. Osterroth: „Einer der Angreifer wurde getötet. Leber, dem man das Nasenbein zerschnitten hatte, wurde auf Druck der NSDAP in Haft genommen.“ In den Tagen und Wochen darauf kam es zu Streiks und Massendemonstrationen. Am 19. Februar 1933 wurde Leber auf Kaution entlassen. Auf dem Burgfeld feierten 15000 Menschen die Freilassung.

Osterroth: „Leber, mit verbundenem Auge, grüßte, da er nicht sprechen konnte, die Massen mit dem Freiheitsgruß.“ Leber wurde von den Nazis am 5. Januar 1945 hingerichtet. Noch heute erinnern die Sozialdemokraten jedes Jahr daran.

Anfang des 20. Jahrhunderts erzielten SPD-Politiker bei Wahlen zwar glänzende Ergebnisse, wurden aber durch das Wahlrecht behindert. Vor 111 Jahren zogen SPD-Politiker überhaupt zum ersten Mal in die Bürgerschaft ein. Bei der Wahl 1913 erhielt die SPD 4499 Stimmen und vier Sitze, die bürgerlichen Konkurrenten bekamen 3451 Stimmen und 33 Mandate. Der „Lübecker Volksbote“ rief in seiner Ausgabe vom 12. November 1905 dazu auf, die bürgerlichen Parteien nicht zu wählen. Bürgerschaft und Senat würden ausschließlich die Interessen der „reichen Travemünder Villenbesitzer und Badegäste“ im Blick haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg drehte sich der Wind. Über Jahrzehnte dominierte die SPD fortan die Lübecker Politik. Die Genossen gewannen 13 von 18 Bundestagswahlen seit 1949, sie triumphierten bei 15 von 18 Landtagswahlen seit 1947 und bei 14 von 18 Kommunalwahlen seit 1946. Die SPD stellte fünf von acht Bürgermeister seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Den größten Triumph fuhr Björn Engholm 1988 als Spitzenkandidat der Landes-SPD ein. In Lübeck holte seine Partei 60,1 Prozent — ein nie wieder erreichtes Wahlergebnis.

Die Zeiten, in denen Lübecker SPD-Politiker Spitzenämter in Bund und Land besetzten, sind vorbei. Und die Zeiten, in denen die SPD Massen mobilisieren konnte, auch. Das zeigt ein Blick auf die Mitgliederentwicklung. 1919 zählte die SPD in der Hansestadt 11102 Mitglieder, heute noch knapp 1100. Damit bilden die Sozialdemokraten aber immer noch die größte Partei in Lübeck.

dor

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