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Nordwestmecklenburg 24 Jahre Erfahrung für Grevesmühlens Kinder
Lokales Nordwestmecklenburg 24 Jahre Erfahrung für Grevesmühlens Kinder
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20:39 26.10.2017
Die Praxis des MVZ in der August- Bebel-Straße. Quelle: Foto: J. Franke
Grevesmühlen

Aufatmen in Grevesmühlen und Umgebung: Eltern müssen mit ihren Kindern ab kommender Woche keine langen Reisen mehr zum Arzt auf sich nehmen. Ab dem 1.

Dr. Thuong Ho-Buu (51) übernimmt ab Mittwoch die Kinderarztpraxis. Quelle: Foto: Daniel Heidmann
Ich bin heilfroh, dass das ganze Theater vorbei ist. Nach Grevesmühlen gehört ein Kinderarzt.Friedel Helms-Ferlemann Geschäftsführer Medizinisches Versorgungszentrum Quelle: Foto: Jana Franke

November wird die Arztpraxis für Kinder- und Jugendmedizin in der August-Bebel-Straße wieder besetzt. Das Medizinische Versorgungszentrums (MVZ) des Hanse Klinikums Wismar hat als Betreiber einen Antrag auf Sonderbedarf gestellt, dem vom Schweriner Zulassungsausschuss stattgegeben wurde. Dr. Thuong Ho-Buu wird sich künftig um die Behandlung der Kinder und Jugendlichen in Grevesmühlen kümmern. „Ich freue mich sehr auf die Arbeit. Ich kenne die Räumlichkeiten bereits und weiß, dass ich in ein Gebiet komme, in dem ich gebraucht werde“, sagt die 51-jährige Medizinerin. Die Praxis war seit Januar nicht besetzt.

Thuong Ho-Buu bringt die ärztliche Erfahrung von 24 Jahren mit. Die gebürtige Vietnamesin promovierte 1993 an der Uni Saarbrücken. In ihrer Doktorarbeit beschäftigte sie sich mit dem Thema Mukoviszidose. Danach folgten sechs Jahre Approbation in Großbritannien und die englische Facharztprüfung. 2001 absolvierte sie diese auch in Deutschland. Ein Jahr später machte sie sich mit einer eigenen Kinderarztpraxis im Westerwald selbstständig. Ab 2014 war Ho-Buu als Fachärztin in Hamburg tätig. „Dort war ich unter anderem im schulärztlichen Dienst im Einsatz“, ergänzt sie. Nebenbei hat sie in der Hansestadt im zentralen Erstaufnahmelager geholfen. Seit dem 1. Juli ist sie im Hanse Klinikum in Wismar beschäftigt.

Dass Thuong Ho-Buu Kinderärztin geworden ist, hat auch mit ihrem eigenen Schicksal zu tun. Geboren in Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt), erkrankte sie als Kind während des Vietnamkrieges an Kinderlähmung. „Die Organisation Friedensdorf hat mich 1971 dann nach Deutschland gebracht.“ Mit fünf Jahren kam sie ins Ruhrgebiet – nach Oberhausen. Doch die schwere Erkrankung als junges Mädchen hinterließ trotz Behandlung ihre Spuren: Ihr linkes Bein blieb gelähmt. Seitdem benötigt Thuong Ho-Buu eine Orthese. „Meine Geschichte hat mich schon dazu bewogen, den Weg zur Kindermedizin einzuschlagen“, sagt die Ärztin, die ihren Lebensmittelpunkt in Hamburg hat. Was die Erkrankung bei ihr angerichtet hat, sei auch ein mahnendes Beispiel für Eltern: „Das zeigt, wie wichtig Impfungen sind.“

Ganz unbekannt dürften ihr die Patienten ab dem 1. November nicht sein. Denn wegen der nicht besetzten Grevesmühlener Praxis betreute sie bereits zahlreiche Eltern mit ihren Kindern, die gezwungen waren, ins Wismarer Hanse Klinikum auszuweichen. In der August-Bebel-Straße wird es künftig montags bis donnerstags (8- 12 Uhr und 14-18 Uhr, mittwochs 8-12 Uhr) und zudem nach Vereinbarung Sprechzeiten geben. Nicht wundern sollten sich Eltern darüber, dass die Medizinerin dann keinen weißen Kittel tragen wird. „In meiner Zeit in Großbritannien habe ich gelernt, dass sich Kinder vor weißen Kitteln erschrecken.“

MVZ-Geschäftsführer Friedel Helms-Ferlemann ist erleichtert, endlich eine Nachfolgerin für die Grevesmühlener Praxis gefunden zu haben. „Ich bin heilfroh, dass das ganze Theater vorbei ist.

Mir liegt die ärztliche Versorgung im ländlichen Bereich am Herzen. Und nach Grevesmühlen gehört ein Kinderarzt. Schön, dass wir die Praxis wieder in Betrieb nehmen, bevor ich zum Ende des Jahres in den Ruhestand gehe“, betont er. Daran habe auch Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler seinen Anteil. „Er war eine große Unterstützung und ist der kassenärztlichen Vereinigung auf den Nerv gegangen“, so Helms-Ferlemann.

Praxis seit Januar unbesetzt

Die Arztpraxis für Kinder-

und Jugendmedizin in der

August-Bebel-Straße in Grevesmühlen ist seit Januar 2017 nicht besetzt. Kurt Wolfgang Schulze, der beim Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) angestellt war, hatte zum 30. Juni 2016

gekündigt. Danach musste MVZ-Geschäftsführer Friedel Helms-Ferlemann aus der Not heraus mit Vertretungsärzten

arbeiten. Der Zulassungsausschuss erteilte dafür bis zum 31. Dezember 2016 – sechs Monate sind im Kassenarztrecht verankert – eine Genehmigung, verlängerte diese trotz Widerspruchs des MVZ-Geschäftsführers nicht. Bei der Suche nach einem Nachfolger war eine Anwärterin, die zuvor in der Schweiz tätig war, nach Zusage doch noch kurzfristig abgesprungen. Zudem hatte eine Nachfolgerin noch

keine Facharzt-Anerkennung.

Etwa 1000 Patienten lassen sich im Quartal in der Grevesmühlener Praxis behandeln.

50 Prozent davon sind unter

vier Jahre alt. Sie ist die einzige Niederlassung in der näheren Umgebung. Weitere Praxen

gibt es in Schönberg,

Gadebusch und Wismar.

Daniel Heidmann

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