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Nordwestmecklenburg 300 Kilometer Leitplanke sind Schrott
Lokales Nordwestmecklenburg 300 Kilometer Leitplanke sind Schrott
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20:43 22.09.2017
Die Wanderbaustelle befindet sich derzeit zwischen Schönberg und Grevesmühlen in Richtung Rostock. Quelle: Foto: Michael Prochnow
Grevesmühlen/Upahl

Die Wanderbaustelle auf der A 20 zwischen Lübeck und Schönberg nervt die Autofahrer, seit dem vergangenen Jahr werden von der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein aus in Richtung Osten die Mittelleitplanken ausgewechselt. Zwei Fragen stellen sich die Autofahrer, die dort regelmäßig im Stau stehen: Warum ausgerechnet jetzt? Und warum werden Leitplanken ausgetauscht, die nicht einmal 20 Jahre alt sind?

Auf der Autobahn 20 müssen die Leitplanken aus Sicherheitsgründen getauscht werden.

Die Antwort: Weil sie den Sicherheitsanforderungen nicht mehr entsprechen. Das teilte Ronald Normann, zuständig für die Autobahnen beim Landesamt für Straßenbau in Güstrow, auf Anfrage mit. Der Grund seien neue Richtlinien, die erhöhte Anforderungen an die Bauwerke stellen. So würden die vorhandenen Leitplanken nicht gewährleisten, dass ein Lastwagen auf die Gegenfahrbahn geraten könne. Da reibt sich der Autofahrer verwundert die Augen. Denn die A 20 ist noch keine 20 Jahre alt, 1997 wurde das erste Stück zwischen Wismar und Grevesmühlen eingeweiht, die übrigen rund 300 Kilometer kamen erst später dazu.

Und dennoch werden die Leitplanken jetzt Stück für Stück geschreddert und ersetzt. Und zwar auf der gesamten Strecke zwischen Lübeck (Anschlussstelle zur A 1) und dem Kreuz Uckermark (Anschlussstelle nach Stettin).

Das, so heißt es weiter aus dem Landesamt, werde einige Jahre dauern. Wie viele genau, das lässt sich derzeit nicht sagen. Nur so viel: Die Maßnahme kostet Geld – und zwar ziemlich viel Geld. Im vergangenen Jahr habe der Austausch 2,7 Millionen Euro gekostet, so Ronald Normann. In diesem Jahr würden rund vier Millionen Euro ausgegeben. Und für die kommenden Jahre sind ähnliche Größenordnungen wie 2017 eingeplant. Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Aktuell kostet der Austausch der Leitplanken laut der Behörde auf einer Strecke von rund 20 Kilometern etwa drei Millionen Euro.

Die spannende Frage ist: Sind das die letzten Reparaturarbeiten an der Pannenautobahn? Denn die vergangenen 20 Jahre waren vor allem durch eines geprägt: Negativschlagzeilen. Denn kaum war die Autobahn im Jahr 2000 zu weiten Teilen geöffnet, da klingelte es nicht nur bei den Verantwortlichen in Berlin in den Ohren. Die Fahrbahnoberfläche war zu laut. Und zwar um einiges. Hintergrund war, dass auf dem Beton Querrillen verwendet worden waren. Dadurch sollte das Regenwasser besser ablaufen. Ob das in der Praxis wirklich funktioniert hätte, ist nicht ganz klar. Denn nach kurzer Aufregung ließ der Bund als Bauherr der Ostseeautobahn einen Bitumenbelag über den Beton walzen.

Das brachte zwar Ruhe in die Fahrbahn, aber auch nur kurzzeitig. Zum einen gab es zu Beginn der Deckensanierung zwischen Grevesmühlen und Schönberg eine Megapanne, als der Belag bei Regen aufgebracht wurde und etliche Autofahrer anschließend den frischen Teer auf ihren Fahrzeugen hatten. Zahlreiche Autobesitzer mussten anschließend ihre fahrbaren Untersätze in die Werkstatt bringen.

Nach dem Regen kam die Sonne. Und brachte neue Probleme. Denn zwischen dem neuen Fahrbahnbelag und der alten Betondecke hatte sich Flüssigkeit angesammelt. Sobald die Temperaturen eine bestimmte Marke überschritten, war die Fahrbahn mit zahllosen Blasen übersät.

Die Lösung dieses Problems war ziemlich simpel, sie wurden jeden Sommer mit Bohrmaschinen aufgebohrt.

Nicht viel besser sah es links und rechts der Autobahn aus. Einige der Hänge neben der Fahrbahn waren so schlecht befestigt, dass sie bei Starkregen ins Rutschen kamen und teilweise die Fahrbahn blockierten.

Die A 20

1992 begannen die

Arbeiten für den Bau der Autobahn 20 an

der Anschlussstelle

Wismar Mitte.

Das erste, 18 Kilometer lange Teilstück wurde 1997 zwischen

Grevesmühlen und

Wismar eröffnet,

ein weiterer Abschnitt zwischen Schönberg und Grevesmühlen

im Mai 2000.

Seit Ende 2000 war die A 20 bis Rostock zu

befahren. Seit Ende 2005 ist die Trasse auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns

komplett fertig.

Michael Prochnow

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