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Nordwestmecklenburg 80-Jähriger hängt in Steilküste fest
Lokales Nordwestmecklenburg 80-Jähriger hängt in Steilküste fest
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20:39 31.07.2017
Blick auf die Steilküste bei Redewisch. Niemand sollte versuchen, an der Steilküste zu klettern, wird gewarnt. Quelle: Foto: Michael Prochnow

Lebensgefährliche Kletteraktion: Im Boltenhagener Ortsteil Redewisch musste ein 80-jähriger Mann aus der Steilküste gerettet werden. Der Urlauber aus dem nordrhein-westfälischen Ibbenbüren hatte versucht, vom Strand aus den knapp 34 Meter hohen Hang hinaufzuklettern. Er wollte auf den Rad- und Wanderweg oberhalb der Abbruchkante gelangen. Das waghalsige Unternehmen unterschätzte der Rentner offenbar und stoppte nach zwei Dritteln der Strecke. „Er konnte weder vor noch zurück gehen und legte sich in der Steilküste auf den Bauch, mit dem Blick nach oben gerichtet“, schildert Augenzeuge Johann Hoff den Vorfall.

Der Urlauber wollte in Redewisch den 34 Meter hohen Hang hinaufklettern.

Bis zu 37 Meter hoch

Die höchste Stelle der Steilküste

zwischen dem Boltenhagener

Ortsteil Redewisch und Groß Schwansee (Gemeinde Kalkhorst) liegt am Kleinklützhöved bei Warnkenhagen. Dort ist die Küste 37 Meter hoch.

Rund eine Stunde habe der Rentner verzweifelt nach Hilfe gerufen. Doch die Passanten bemerkten den in Not geratenen Mann nicht. Erst einige Gleitschirmflieger, die an der Nordost-Seite des Steilufers im Hangaufwind flogen, wurden auf die Rufe aufmerksam und landeten, um dem 80-Jährigen aus der Klemme zu helfen. Zu ihnen gehörte der Redewischer Johann Hoff. Zusammen mit Bohdan Niedzielski, Andreas Böttcher, Ahmad Hajer und Karsten Kapp startete er eine Rettungsaktion – mit der Gefahr, selbst abzustürzen. Das Quintett konnte den älteren Herren unversehrt befreien und in dessen Appartement im Ostseebad geleiten. „Jeder bringt sich mal in eine Situation, aus der man alleine nicht herauskommt. Das wird ihm nicht nochmal passieren. Er war dankbar und überglücklich, noch am Leben zu sein“, berichtet Hoff.

Weitere Einsatzkräfte waren nicht nach Redewisch gerufen worden. Für Mathias Hacker, Zugführer der Freiwilligen Feuerwehr Boltenhagen, sorgt die Kletteraktion für Kopfschütteln. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es einen derartigen Fall schon mal gab“, sagt der Brandschützer. Es habe in der Vergangenheit aber andere Einsätze am Hang in Redewisch gegeben. „Wir hatten es schon, dass Gleitschirmflieger sich verschätzt haben und gegen die Steilküste geflogen sind“, erzählt Hacker. In Erinnerung ist ihm auch ein Einsatz, bei dem ein Hund gerettet werden musste. Der Vierbeiner war an der Abbruchkante abgerutscht und beim Sturz von der Steilküste mit seinem Halsband an einem Baum hängen geblieben. Das Tier überlebte den Unfall. Dass Menschen nun waghalsige Klettertouren starten, sei für den Brandschützer ein Zeichen dafür, dass „die Leute immer unvernünftiger“ werden. „Es stehen Hinweisschilder, die auch beachtet werden sollten. Nutzen Sie nur ausgewiesene und ausgeschilderte Wege“, appelliert Hacker an die Spaziergänger.

In die gleiche Kerbe schlägt Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU). Er findet es „unglaublich“, dass jemand auf die Idee kommt, die Steilküste zu erklimmen. „Wir warnen immer wieder, auch über die Öffentlichkeit, vor den Gefahren an der Steilküste. Und wer nach den tödlichen Vorfällen auf der Insel Rügen noch solche waghalsigen Aktionen startet, der ist nicht mehr zu retten“, findet Schmiedeberg deutliche Worte. Nach seiner Ansicht seien es vor allem Urlauber, die die Gefahren häufig unterschätzen. Mahnende Worte hat das Gemeindeoberhaupt aber auch an die mutigen Retter: „Bei allem Respekt an die Gleitschirmflieger, in Zukunft muss in solchen Fällen die Feuerwehr gerufen werden. Wir können von Glück reden, dass das alle unverletzt überstanden haben.“

Daniel Heidmann

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