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90 Wildschweine zur Strecke gebracht

Everstorf 90 Wildschweine zur Strecke gebracht

Sehr erfolgreiche Jagd: Mitarbeiter des Forstamtes Grevesmühlen haben am Wochenende zusammen mit einem Jagdnachbarn rund 90 Wildschweine im Everstorfer Forst geschossen.

Insgesamt waren 35 Jäger, zwölf Treiber und fünf Hunde zwischen Neu Degtow und Barendorf unterwegs.

Quelle: Karl-Ernst Schmidt

Everstorf.  „Das könnte die höchste Strecke seit der Wende sein“, meint Peter Rabe, Leiter des Forstamtes. Insgesamt waren 35 Jäger, zwölf Treiber und fünf Hunde auf einem 500 Hektar großen Gebiet zwischen Neu Degtow und Barendorf unterwegs. „Es war eine gut organisierte Jagd. Nur so ist eine solche Strecke überhaupt möglich“, betont Rabe.

Das Landesforstamt bejagt mindestens einmal im Jahr nach und nach alle Jagdbezirke. Die Monate November und Dezember stellen dabei die Hauptjagdsaison dar. „Wir hatten nach der Haupterntezeit einen starken Zulauf vor allem von Schwarzwild“, erklärt Rabe. Das Forstamt Grevesmühlen setzte deshalb die sogenannte „Drückjagd“ an. Es geht dabei darum, die Wilddichte für Land- und Forstwirtschaft auf einem erträglichen Niveau zu halten.„Wir wollen die Dichte damit soweit absenken, dass die Schäden durch die Tiere im vertretbaren Rahmen bleiben“, meint Rabe. Heißt im Klartext: Es müssen mehr Wildschweine geschossen werden.

Er betont gleichzeitig, dass das Schwarzwild zweifellos zum Naturraum gehöre. „Doch das Wild hat keine natürlichen Feinde mehr. Die Population lässt sich nur über die Jagd begrenzen. Ansonsten haben wir die Tiere bald in unseren Hausgärten stehen“, sagt der 47-Jährige. Außerdem steige das Risiko von Krankheiten und Seuchen deutlich an. Und auch der Wald könne nur eine bestimmte Menge an Wild tragen. „Der Wald soll sich natürlich verjüngen, möglichst ohne Zäune. Das ist bei zu viel an Rehen, Damwild und Rotwild durch deren Verbissschäden an den Jungbäumen gefährdet“, schildert der Forstamtsleiter. Zudem gehe von einem großen Bestand an Schwarzkitteln auch eine Gefahr für den Straßenverkehr aus. Das wurde erst vor einigen Wochen durch die Probleme mit Wildschweinen an der A20 Wismar-Mitte verdeutlicht.

Die Drückjagd im Everstorfer Forst sollte eigentlich schon einige Tage früher stattfinden. Doch der enorme Schneefall zwang das Forstamt zur Verschiebung. Nun waren unter den Teilnehmern auch viele Bürger und „Freunde des Waldes“, wie Rabe sagte, die die Jäger unterstützten. Auf der Pirsch sorgten die Treiber zusammen mit den Hunden dafür, das Schwarzwild aus ihren Verstecken im Dickicht und Unterholz zu scheuchen und auf die Läufe zu bringen. 35 Jäger sorgten für den Abschuss. Nach knapp drei Stunden war „Hahn in Ruh“ – die Jagd beendet. Die erlegte Strecke wurde im Wald ausgelegt und verblasen. „Das ist traditionell so etwas wie die letzte Ehre für das Wild“, erklärt Rabe, der als Jagdleiter fungierte.

Am Donnerstag folgt bereits die nächste Jagd: Im benachbarten Jameler Forst werden 25 Jäger losziehen. „Danach sollten wir im Großraum von Neu Degtow bis Gressow genug gejagt haben“, meint Rabe.

Nach zwei bis drei Wochen wolle man sich dann einen Überblick über die Schäden auf den Feldern machen. Sollte es die Situation notwendig machen, werden weitere Einzeljagden folgen. Denn die Wildschweine würden auf ihrer Suche nach Futter auch die Wintersaat der Landwirte gefährden.

Die etwa 90 Wildschweine, die im Everstorfer Forst zur Strecke gebracht wurden, lagern aktuell in einer vier Grad Celsius kalten Kühlzelle. Denn die Tiere werden als Braten auf Tellern in der Region landen. „Wildbrett ist ein hochwertiges Lebensmittel“, betont Rabe. Das Forstamt verkauft die Tiere im ganzen Stück für etwa drei Euro pro Kilogramm. Was nicht bei Gaststätten und in privaten Kochtöpfen in der Region Verwendung findet, wird an den Wildhändler abgegeben.

 Daniel Heidmann

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