Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Abenteuer mit der MS „Seebär“
Lokales Nordwestmecklenburg Abenteuer mit der MS „Seebär“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:12 25.05.2016
Kapitän Weiße passt auf, dass auch beim Absteigen vom Schiff alles glatt geht. Fotos (3): Annett Meinke

20 Jungen und Mädchen aus der Damshagener Kita „Kleine Strolche“ stehen vor der Gangway des Motorschiffes „Seebär“. Gleich werden sie in See stechen – und wenn sie Glück haben, werden sie ein paar Seehunde sehen, vielleicht auch eine Kegelrobbe. Begleitet werden sie von drei Erzieherinnen, sechs Muttis und einem Vati.

Infos MS „Seebär“

Adresse: Tarnewitz (Weiße Wiek), Steg D, 23946 Ostseebad Boltenhagen, ☎ 01 71 / 28 06 31 7

Fahrtzeiten (Ein-Stunden-Törn):

Montag: 13.30 und 15 Uhr; Dienstag, Donnerstag, Sonnabend: 11 und 16.30 Uhr; Mittwoch, Freitag, Sonntag: 11, 13 und 15 Uhr; Fahrpreise: 12 Euro (Erw.), 6 Euro (Kinder 3 bis 12 Jahre)

Seit Ostern ist die „Seebär“ wieder auf der Ostsee vor Boltenhagen unterwegs – Richtung der kleinen Sandbank, die zwischen Tarnewitz und der Insel Poel liegt. Bis Oktober wird das Schiff ausfahren, bis zu drei Fahrten pro Tag. Der Anlegeplatz befindet sich im Hafen an der Weißen Wiek, gleich hinter dem „Dorfhotel in Boltenhagen“.

Marco Weiße, Kapitän des Motorschiffes, und Decksmann René Siebert passen auf, während die Kleinen aus Damshagen an Bord kommen. Damit keines daneben tritt und womöglich im Wasser landet. Einmal ist so etwas schon passiert, erzählt Kapitän Weiße. Er und sein Decksmann brauchten deutlich länger als das Kind und dessen Großeltern, um den Schreck zu verdauen.

Die Großeltern wollten mit ihren Enkeln auf Seehundschau gehen und hatten die Kinder vor der Gangway aus dem Blick verloren. Plötzlich war der dreijährige Enkel weg. „Wir haben nur so ein seltsames Geräusch gehört und sofort nachgeschaut“, erzählt Marco Weiße. „Der Lütte war gerade dabei unterzugehen.“ Gefährlich war an diesem Tag zusätzlich, dass ein kräftiger Wind das Schiff gegen die Kaimauer drückte. Doch alles ging gut. Weiße war sofort ins Wasser gesprungen und hatte den Kleinen zu fassen bekommen. Der kam mit ein bisschen Unterkühlung und dem Schrecken davon. „Schon drei Stunden später“, so der 44-jährige Kapitän „spielte er wieder fröhlich am Strand.“ Seit diesem Tagen haben sie immer ein zusätzliches Auge auf Kinder, die an Bord kommen. Auch wenn das in erster Linie eigentlich die Aufgabe der begleitenden Erwachsenen ist.

Mit den Kindergartenkindern läuft es an diesem Tag erwartungsgemäß problemlos. Zwei Sprösslinge pro Betreuer, die Sicherheit ist gewährleistet. Touren, wie die mit den Kita-Kindern aus Damshagen, macht der Kapitän gern. „Es ist für die Kleinen ein Erlebnis. Man kann ihnen die einheimische Natur nahebringen, ihr Interesse dafür wecken.“ Für die Kita-Kinder ist der einstündige Schiffsausflug an diesem Tag kostenlos. Marco Weiße freut sich, dass der Eigner des Bootes, Joachim Dunkelmann, sofort zugestimmt hat. „Man muss doch ab und an etwas an die Gesellschaft zurückgeben“, meint der Kapitän. „Und wo lohnt sich das mehr als bei den Kindern?“Nur die Busfahrt nach Boltenhagen musste organisiert werden. Dank Nahbus war auch das kein kostenaufwändiges Unterfangen. Die meisten der Kleinen zahlen auch hier nichts.

Die „Kleinen Strolche“ aus Damshagen haben Glück auf diesem Ausflug. Erst hört der Regen auf, dann bricht die Sonne durch die Wolken. Die See ist ruhig und dann – tatsächlich – liegt da etwas auf der Sandbank. Aufgeregt schauen die Kinder durch kleine und große Ferngläser. „So riesig ist die Robbe“, wundern sich einige. Der Kapitän erklärt mit dem Mikrofon für alle: „Das ist eine Kegelrobbe, deshalb ist sie so groß.“ Er bittet die Kinder ganz leise zu sein. „Damit die Robbe nicht im Wasser verschwindet. Das geht ganz schnell. Lärm mögen Seehunde und Kegelrobben gar nicht.“

Still sein – eine echte Übung für die muntere Schar. Doch es klappt – zumindest halbwegs. Einmal verschwindet die Kegelrobbe kurz im Wasser, doch dann kehrt sie zurück auf die Sandbank. Und macht sogar noch eine schöne Figur: Sie reißt den Kopf, die Flossen und die Arme gleichzeitig hoch. „Wie Papa“, meint eines der Kinder, „der macht auch immer so im Wasser.“

Das Schiff nähert sich der Sandbank lediglich auf maximal 500 Meter. „Wir arbeiten eng mit dem Naturschutzbund zusammen“, erklärt Kapitän Weiße. „Es gibt bisher keine gesetzlichen Vorschriften in diesem Gebiet, doch wenn die Kormorane von der Sandbank abheben, ist man definitiv zu dicht dran.“ Sportbootbesitzer, sagt Weiße, halten oft nicht genug Abstand. „Manche legen auch an und laufen auf der Sandbank herum.“ Letztlich, ist er überzeugt, werden sie damit nur eines bewirken – dass es irgendwann einmal strenge Vorschriften für das Fahren in diesem Seeabschnitt gibt.

Weiße und sein Decksmann führen Buch über die Tiere, die sie auf ihren Ausfahrten sehen. „Wir liefern Informationen, unter anderem auch für den Meeresbiologen Michael Däne vom Deutschen Meermuseum Stralsund.“ Im Jahr 2015, liest Weiße aus seinem Beobachtungsbuch vor, waren bis zu 60 Tiere auf der Sandbank zu sehen. In diesem Jahr zählt er bis jetzt 21 Seehunde mit sieben Heulern und sieben Kegelrobben mit Nachwuchs.

Annett Meinke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kinderschutzbund spricht von Skandal / Grevesmühlen kein Einzelfall / Linke fordert zusätzliche Stellen.

25.05.2016

Landrätin soll neues Konzept erarbeiten / Meinungen der Fraktionen unterschiedlich.

25.05.2016

Ein außergewöhnliches Konzerterlebnis erwartet die Gäste eines musikalisch-literarischen Abends, der am Sonnabend ab 17 Uhr in der St.-Laurentius-Kirche in Kalkhorst stattfindet.

25.05.2016
Anzeige