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Abiputtel und Olympische Spiele

Grevesmühlen/Schönberg Abiputtel und Olympische Spiele

160 Schüler in Grevesmühlen und Schönberg feierten ihren letzten Schultag / Prüfungen beginnen Donnerstag.

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Am Gymnasium „Am Tannenberg“ ging es gestern märchenhaft zu. Zu sehen war auch das Schneewittchen.

Quelle: Fotos: Karl-Ernst Schmidt (4), Steffen Oldörp (3)

Grevesmühlen/Schönberg. Zwölf Jahre lang haben sie die Schulbank gedrückt, Gedichte auswendig gelernt, Matheklausuren geschrieben, Hausarbeiten erledigt — aber auch Freunde fürs Leben gefunden. Gestern haben rund 160 Schüler an den Gymnasien in Grevesmühlen und Schönberg ihren letzten Schultag gefeiert — bunt und lautstark, wie es Tradition ist.

LN-Bild

160 Schüler in Grevesmühlen und Schönberg feierten ihren letzten Schultag / Prüfungen beginnen Donnerstag.

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Unter dem Motto „Abiputtel: 12 Jahre geknechtet, jetzt geht‘s zum Ball“ haben die jungen Frauen und Männer auf dem Schulhof des Grevesmühlener Gymnasiums „Am Tannenberg“ klassische Märchen modern aufgeführt. Die 84 Schüler der Abschlussklassen ließen sich eine Menge einfallen, um ihrem Thema gerecht zu werden. So traten unter anderem ein Schneewittchen mit ihren sieben Zwergen auf und eine Tanzgruppe von wilden Fabelwesen. Der König und die Königin wurden standesgemäß in einem umfunktionierten Anhänger auf den Schulhof gezogen.

Hofnarr und Moderator der Abi-Show war Konstantin Koch. „Unser Ziel war es eigentlich nur, dass alle gemeinsam heute Spaß haben. Nach zwölf Jahren, die wir geknechtet wurden, wollen wir jetzt einfach feiern“, sagte der 19-Jährige verschmitzt. So wollen er und seine Mitschüler positiv und mit guter Stimmung in die Abi-Prüfungen starten.

Am frühen Vormittag war der Spaß für die Abiturklasse schon wieder vorbei — jedenfalls auf dem Schulhof. Die anderen rund 600 Schüler des Gymnasiums „Am Tannenberg“ kehrten wieder zurück in die Unterrichtsräume, während die Abi-Anwärter die Überbleibsel ihrer Feier zusammenfegten. Nach einem gemeinsamen Mittagessen genossen sie einen freien Tag. Denn ab Donnerstag wird es für die jungen Erwachsenen wieder ernst. „Dann beginnen unsere Prüfungen und die dauern dann etwa drei bis vier Wochen“, sagte Abiturientin Vivienne Vorlop.

Auch in Schönberg feierten die Abiturienten des Ernst-Barlach-Gymnasiums ihre bevorstehende Freiheit. Mehr als 500 Besucher kamen zur Freilichtbühne — so viele waren es schon lange nicht mehr. Die 80 Schüler der vier zwölften Klassen hatten sich für ihren letzten Schultag ebenfalls ein witziges Programm ausgedacht: Heilige olympische Spiele im Schönberger Stadtpark, fast wie zu Zeiten der Antike und passend zum Motto: „Abilymp — auch Götter müssen einmal gehen“. Doch bevor die Zwölftklässler am Donnerstag mit ihren Prüfungen beginnen und danach tatsächlich die Schule verlassen, wollten sie ihre Lehrer gegeneinander antreten lassen. In einem griechischem und einem römischen Team standen sie sich als Olympioniken gegenüber. Eine wahre Gaudi, wohl selten zuvor haben die Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums so über ihre Pauker gelacht.

Nachdem sich Kunstlehrerin Regina Ahnefeld und ihr Sohn Bernd, Referendar für Religion und Geschichte, ein Duell mit Pinsel und Farben an der Leinwand geliefert hatten, mussten andere Lehrer-Olympioniken des griechischen und des römischen Teams ihre geistigen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Ihre Aufgabe: Fragen aus den Fächern Geschichte und Geografie beantworten. Zum Beispiel:

Wie lange dauerte die Antike, wie hoch ist der Olymp und wie viele Kilometer liegen zwischen dem „geliebten Schönberg“ und Rom. Im Ergebnis war das griechische Team erfolgreicher, wie die Schüler feststellten, und hatten mehr „geistige Ergüsse“ als die Römer.

Reichlich zu lachen hatten die Schüler auch bei der anschließenden Disziplin. Mit verbundenen Augen musste Englisch- und Geschichtslehrer Florian Prisemuth zunächst in die olympischen Ringe springen und anschließend Hindernisse bewältigen — was nur mithilfe von Physiklehrer Ernst Jansen einigermaßen klappte. Den Schülern gefiel‘s, sie amüsierten sich köstlich über die lustigen Aktionen ihrer Lehrer. Und die Pauker: Die spielten auch bei den anderen Prüfungen bestens mit, nahmen alles mit Humor, lachten und klatschten und bereiteten den Zwölftklässlern somit einen unvergesslichen letzten Schultag.

Was nach den Abi-Prüfungen kommt, ist für viele noch offen. „Dadurch, dass wir ein Jahrgang mit nur zwölf Schuljahren waren, machen viele noch ein Praktikum, bevor es an die Universität oder in die Ausbildung geht“, weiß Tannenberg-Schüler Konstantin Koch. Einige würden nach der Schule auch ein Jahr im Ausland verbringen, um Sprachen zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln, bis der Ernst des Lebens beginnt.

Das Abitur in MV

3678 Schüler haben 2014 in Mecklenburg-Vorpommern die Hochschulreife erreicht. Im Jahr 2004 waren es noch 5677 Jungen und Mädchen.

2001 wurde das Schulsystem für Gymnasien in MV umgestellt und von zwölf auf 13 Jahre verlängert. In diesem Jahr machten nur 343 Schüler im ganzen Land ihr Abitur. 2008 ging man wieder zum alten System mit 12 Schuljahren über. Infolge dieser Umstellungen gab es 2008 zwei parallele Abiturjahrgänge: einen nach der 12. und einen nach der 13. Klasse. Damals erlangten 10969 Schüler die Hochschulreife.

84 Schüler treten ab Donnerstag in Grevesmühlen zur Abiturprüfung an. In Schönberg sind es noch einmal 80. Die Prüfungsphase dauert etwa drei bis fünf Wochen.

Die Abiturprüfung in Mecklenburg-Vorpommern umfasst vier schriftliche Prüfungen und eine mündliche Prüfung. Zwei der insgesamt fünf Prüfungsfächer, die aus den Hauptfächern zu wählen sind, werden doppelt gewichtet. Im Juli 2015 stellte Bildungsminister Matthias Brodkorb (SPD) in der Landeshauptstadt Schwerin zudem neue Rahmenpläne für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch vor.

Von Michaela Krohn und Steffen Oldörp

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