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Nordwestmecklenburg Abschied von den Thunderbirds
Lokales Nordwestmecklenburg Abschied von den Thunderbirds
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18:25 21.10.2017

Das schwarze Hemd mit dem Elvis-Konterfei bleibt auf seinem Bügel, doch die weiß-schwarze Leoparden-Jacke streift Günter Weinberg zumindest fürs Foto noch einmal schnell über. Der 64-jährige Meisterkoch und langjährige Lehrer der Gewerbeschule, der vor wenigen Wochen in Pension gegangen ist, hat fast vier Jahrzehnte lang für die Thunderbirds gesungen und in früheren Zeiten auch am Schlagzeug gesessen. „Unser erstes Konzert war 1978“, sagt Weinberg. Das war damals, im einstigen Bunker an der Untertrave, im „Dr. Jazz“.

Die eigentliche Band ist seit 30 Jahren unterwegs zwischen Flensburg und Kassel. Immer wieder haben The Thunderbirds, spezialisiert auf Rock’n’Roll-Cover, beim Rock an der Kirche in Carlow gespielt, tolle Erinnerungen verbinden sie auch mit Friedrichstadt, wo sie bis 2008 immer wieder auftraten, oder beim Oldie-Festival im hessischen Wettenberg. Die Kieler Woche, die Travemünder Woche, der Fischmarkt in Hamburg oder der Lübecker Presseball 2009 mit Schauspieler Axel Prahl, der zu ihrer Musik abrockte: Spaß hatten die Bandmitglieder im Laufe der Jahre jede Menge.

Und nach und nach fallen ihnen kleine Anekdoten ein wie die mit Boxweltmeister Henry Maske, der auf die Bühne wollte, aber nicht als Promi erkannt wurde, oder das Zusammentreffen mit den Klitschko-Brüdern im Maritim Hotel. „Westerland 2006 war genial“, ruft Bassist Burghard Schaper (67) plötzlich, „an der Promenade war jeder Balkon besetzt, alles vibrierte zu unserer Musik mit!“

Doch jetzt, so haben die Musiker gemeinsam beschlossen, ist Schluss. „Man soll in glücklicher Zeit aufhören“, sagt Schaper, „irgendwie ist die Zeit vorbei, seit es keine Stadtfeste mehr gibt.“ Man müsse aufhören, „wenn’s am schönsten ist“, findet Gitarrist André Freitag, auch bekannt unter dem Künstlernamen Obi Vaughan. Und wenn die Thunderbirds ganz ehrlich sind, haben sie zwar noch ihre Fans, aber: „Konzept-Bands sind nicht mehr so gefragt“, sagt Weinberg.

Und ein Konzept haben die Thunderbirds: Sie spielen Rock’n’Roll, Ausflüge in andere Genres unternehmen sie nur gelegentlich. Und zu ihrem Auftritt gehört stets die passende Kleidung aus den schönen 1950er Jahren. Für Schlagzeuger Sunny Petersson (53), der eigentlich aus dem Punkrock kommt, ein kleines Problem: „Es hat mich immer viel Überwindung gekostet, die Klamotten anzuziehen – und es war nie hundertprozentig meine Musik.“ Doch ganz offensichtlich hatte er seinen Spaß mit den Jungs, sonst wäre er der Band wohl kaum über viele Jahre erhalten geblieben. Was der Fünfte im Bunde, Keyboarder und Saxofonist Klaus Bergmann davon hält, wissen wir nicht, denn er weilt gerade im Urlaub.

Auf alle Fälle ist er natürlich zum Abschiedskonzert in Lübeck dabei, ebenso wie der Fanclub aus Heide und alle ehemaligen Bandmitglieder. Geprobt wird vor dem Auftritt nicht. „Wer probt, fällt seinen Kollegen in den Rücken“, scherzt Weinberg. Und tatsächlich: In der Einladung zum Konzert ist von 800 Proben und 1200 Auftritten die Rede. Auftritte, die die Thunderbirds stets mit „I’m walking“ eröffnen und mit Eric Claptons „Wonderful Tonight“ beenden – mit einem der seltenen Ausflüge in eine andere Musikrichtung.

Von Sabine Risch

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