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Nordwestmecklenburg Abwasser-Rebell bleibt standhaft
Lokales Nordwestmecklenburg Abwasser-Rebell bleibt standhaft
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21:40 10.08.2016
Günther Würtz (79) steht mit einer Anerkennungsurkunde des Schweriner Landtags von 2002 vor seiner neuen Informationstafel. Quelle: Jürgen Lenz

Am Haus des Schönbergers Günther Würtz hängt jetzt eine zwei Meter hohe und 1,60 Meter breite Informationstafel. Mit den Worten „Naturgesetze im Landbau“

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Günther Würtz hat eine neue Info-Tafel aufgehängt / Er hält an seinen Methoden fest / Von der Politik ist er enttäuscht.

Wenn man Gesetze nicht hinterfragen darf, dann sind wir kein Rechtsstaat.“Günther Würtz

ist der erste Absatz des Textes überschrieben, mit „Fruchtbarer Boden oder blutige Kriege“ der zweite. Günther Würtz sagt: „Fruchtbarer Boden oder blutige Kriege: Da ist ein Zusammenhang.“ Seit 23

Jahren hat der Schönberger sein Leben der Abwassernutzung durch Baumkulturen verschrieben und sich bis heute trotz Androhung von Ordnungsgeldern und Zwangsvollstreckung niemandem gebeugt. Das sieht er als seine moralische Pflicht an. Er weiß, dass seine Methode nicht allen gesetzlichen Bestimmung entspricht, erklärt aber: „Wenn man Gesetze nicht hinterfragen darf, dann sind wir kein Rechtsstaat.“

Den Zweckverbänden für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung gibt Günther Würtz keine Schuld. Er betont: „Es ist die Politik.“ Von ihr ist der 79-Jährige enttäuscht. Er sagt: „Keine Partei nimmt sich der Sache an.“ Zur Wahl geht er nicht mehr.

Warum hat er eine weitere Informationstafel an sein Haus montiert? Günther Würtz antwortet: „Damit die Wahrheit zugänglich ist und damit Schlussfolgerungen gezogen werden.“ Den Text, den seine Tafel wiedergibt, schrieb der Chemiker und Universitätsprofessor Justus von Liebig bereits vor über 100 Jahren: „Der, welcher an dem Tische der Gesellschaft keinen Platz mehr findet, gibt sich nicht ohne Weiteres dem Verhungern hin; im Kleinen wird er zum Diebe und Mörder oder er wandert in Massen aus oder wird zum Eroberer.“ Jedes „Blatt der Weltgeschichte“ zeige „schauderhafte Wirkung dieses furchtbaren Gesetzes in den Strömen von Blut, womit der Mensch die Erde tränken musste, welche er nicht fruchtbar zu erhalten verstand“. Günther Würtz erlebte in seiner Kindheit Krieg, Hunger und Not. In seiner Methode der Abwassernutzung sieht er Chancen den Boden zu verbessern. Er sagt: „Auch Mecklenburg ist geeignet für solche Sachen.“ Das Grundwasser werde nicht geschädigt. Bäumen bekomme die Abwassernutzung. „Sie erleiden keinen Trockenstress und wachsen gut – Weiden bis zehn Mal so schnell“, erklärt Günther Würtz nach 23 Jahren Erfahrung.

Der 79-Jährige erläutert, er glaube an die Schöpfung. Dann sagt er: „Die Natur zu begreifen, ist Gottes Willen nachzugehen.“ Auf seiner Informationstafel zitiert Günther Würtz Justus von Liebig: „Der allgütige Schöpfer hat die Vorschriften, welche der Mensch befolgen müsse, in ein großes Buch, welches die Natur ist, geschrieben, und er hat ihm in der Vernunft einen Teil von ihm selbst und durch sie die Fähigkeit verliehen, sein Buch zu lesen und seine göttliche Weltordnung zu begreifen; er hat damit den Menschen zum Herren seiner Geschicke gemacht und sein Gedeihen und Fortbestehen in seine Hand gelegt.“ Beten allein genüge nicht, sagt Günther Würtz. „Man muss auch etwas tun.“

 Jürgen Lenz

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