Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Albanienhelfer bringen Möbel und Verbandsmaterial
Lokales Nordwestmecklenburg Albanienhelfer bringen Möbel und Verbandsmaterial
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:17 02.04.2016
Familien der Explosionsopfer von Dardhas warten auf Unterstützung, die der Christliche Hilfsverein aus Wismar bringt. Quelle: Fotos: Christlicher Hilfsverein

Die Albanienhelfer sind zurück. Knapp zwei Wochen waren Tom Brüggert und Frieder Weinhold mit Unterstützern des Christlichen Hilfsvereins Wismar (CHW) für den ersten größeren Einsatz des Jahres auf Tour. Neben den üblichen Hilfeleistungen hatte die mehr als 2200 Kilometer lange Reise drei Schwerpunkte. Frieder Weinhold, Vorsitzender des CHW und Gründer der Albanienhilfe Wismar, zählt auf: „Hilfspakete und Verbandsmaterial zu den 37 zum Teil schwer verletzten Opfern einer Gasexplosion nach Dardhas, einem Ortsteil von Pogradec, zu bringen, dann die Ratifizierung der ,Wismarer Erklärung‘ in den Städten Ohrid, Pogradec und Struga und schließlich der geplante Internatsneubau in Bishnica.“

Der Christliche Hilfsverein Wismar unterstützt Opfer einer Gasexplosion / Weitere Schwerpunkte: die Ratifizierung der „Wismarer Erklärung“ und Internatsneubau.

Als die Helfer nach vier Tagen Fahrt in Pogradec ankamen, trafen sie sich zunächst mit Bürgermeister Eduart Kapri und seinen Mitarbeitern. Gemeinsam mit der Diakonia Albania besprachen sie anschließend, wie die gespendeten Hilfsgüter am besten zu verteilen seien. Als die Details geklärt waren, ging es nach Dardhas. „Dort warteten bereits viele Menschen auf die Hilfsgüter“, berichtet Frieder Weinhold (62). Meist seien es Familienangehörige der Explosionsopfer gewesen. Die Behörden von Pogradec hatten Vorarbeit geleistet und eine Liste mit Namen zusammengestellt. „Der Bürgermeister rief die Namen nacheinander auf und die Helfer des CHW sowie Jugendliche aus Pogradec haben die Hilfsgüter direkt aus dem Auto und dem Anhänger verteilt.“ Verbandsmaterial, beispielsweise Binden, Pflaster, Wund- und Heilsalben, wurden im Haus der Verwaltung zentral gelagert und nach Bedarf verteilt.

Der politisch wohl wichtigste Punkt war die Ratifizierung der „Wismarer Erklärung“. Sie ist das Ergebnis eines Seminars im Februar in Wismar. Im Anschluss hatten das albanische Pogradec und die mazedonischen Städte Struga und Ohrid — alle drei Städte liegen am Weltnaturerbe Ohridsee — ihren Willen zu engerer Zusammenarbeit bekundet. „Damit das Memorandum auch offiziell bestätigt wird, wurden Treffen mit den jeweiligen Bürgermeistern organisiert und das Thema erneut intensiv besprochen“, sagt Weinhold, der bereits 1992 den ersten Transport für das südosteuropäische Land organisiert hatte.

Nacheinander hätten die Bürgermeister die Erklärung unterzeichnet. Damit könne sie offiziell als ratifiziert angesehen werden. „Nun liegt es an den Akteuren vor Ort, die Entwicklung der Region gemeinsam voranzubringen“, betont Frieder Weinhold. Der CHW und weitere Interessenten aus Wismar würden den Prozess weiterhin begleiten.

Der dritte große Baustein der Reise war der Internatsneubau in Bishnica. „Weil das bestehende Internat an seine Kapazitätgrenze stößt, ist der Neubau dringend nötig“, erklärt der Initiator der Hilfstransporte. Bis die Bauarbeiter und Handwerker loslegen können, müssten aber viele Dinge besprochen werden, zum Beispiel mit dem Architekten und der Stadtverwaltung.

„Ein passendes Grundstück ist mittlerweile gefunden, haben wir bei einer Besichtigung vor Ort festgestellt.“ Jetzt könnten die Planungen intensiviert werden. Der Neubau soll nach CHW-Angaben in drei Abschnitten erfolgen. Als Erstes soll noch dieses Jahr eine Mensa mit Großküche gebaut werden. „Die ersten Teile des gespendeten Inventars wurden schon nach Albanien gebracht“, sagt Frieder Weinhold.

Sie sind erst einmal in einem Lager in Pogradec untergestellt.

Unterstützung erhoffen sich Helfer aus Mecklenburg auch durch die deutsche Botschaft in Albaniens Hauptstadt Tirana. „Wir hatten dort einen Termin, um Partner für die Finanzierung des Neubaus zu finden“, so der 62-Jährige, der nach dem Treffen recht zuversichtlich ist. Bereits in den vergangenen Jahren habe durch die Zusammenarbeit mit der Botschaft einiges umgesetzt werden können.

Das Fazit von Frieder Weinhold: „Die acht Tage des Einsatzes vor Ort wurden intensiv genutzt und haben wieder einmal gezeigt, dass die Hilfe vor Ort für die Menschen das Beste ist.“ Jetzt würde die Arbeit weiterlaufen, in Albanien und von Wismar aus.

Aus der Geschichte

1987 erfährt Frieder Weinhold durch einen Freund von der prekären Situation in Albanien. Nach der politischen Wende ist Hilfe möglich, die „Albanienhilfe Wismar “ läuft an.

1992 rollt der erste Hilfstransport von Wismar durch sieben Staaten nach Albanien. Zwei weitere folgen im gleichen Jahr.

1995 wird der „Christliche Hilfsverein Wismar“ (CHW) aus der Initiativgruppe „Albanienhilfe Wismar“ gegründet.

1997 der Christliche Hilfsverein Wismar baut im Bergdorf Bishnica eine Hilfsstation, die bis heute betrieben wird.

Der Verein hat vier Mitarbeiter in Deutschland und sieben in Albanien. Insgesamt stehen mehr als 1000 ehrenamtliche Helfer hinter den Projekten.

Spendenkonto Christlicher Hilfsverein Wismar: IBAN: DE51 1405 1000 1200 0141 00 bei Sparkasse Mecklenburg-Nordwest; BIC: NOLA DE 21 WIS

• Informationen unter: www.chwev.de oder unter der Telefonnummer 038 41/22530.

Von Sylvia Kartheuser

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Herbst war ein heftiger Streit in der Schönberger Schützenzunft entbrannt und es traten Mitglieder aus / Inzwischen gab es wieder Neuanmeldungen.

02.04.2016

Die Ausstellung „ das muss sich doch mal ändern.“ von Renate U. Schürmeyer, Künstlerin aus Jeese bei Bernstorf, wird am Freitag, 15. April, um 19.30 Uhr im Baumhaus am Alten Hafen in Wismar eröffnet.

02.04.2016

Nach ihrem Gründungstreffen im März lädt die Selbsthilfegruppe „Trans*Wis“ zu ihrem zweiten Treffen ein.

02.04.2016
Anzeige