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Nordwestmecklenburg Alkoholpanscher: Türkei muss Opfer-Familien entschädigen
Lokales Nordwestmecklenburg Alkoholpanscher: Türkei muss Opfer-Familien entschädigen
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21:17 18.09.2013

Das türkische Landwirtschaftsministerium und die Aufsichtsbehörde für Tabak und Alkohol müssen Entschädigungen an die Hinterbliebenen der Alkoholpanscher-Opfer zahlen. Das hat das Kassationsgericht in Ankara jetzt entschieden. Die Behörden tragen eine Mitschuld, da sie den Schwarzbrennern eine offizielle Genehmigung für den Alkoholverkauf erteilt hatten. Vor vier Jahren kamen drei junge Männer bei einer Klassenfahrt des Bildungszentrums Mortzfeld im türkische Kemer ums Leben. Sie tranken gepanschten Wodka und starben an einer Methanolvergiftung. Vier Mitschüler wurden damals schwer verletzt.

Lars Neca, Vater des getöteten Rafael, spricht von einem „überraschenden Urteil“. Es ist das erste Mal, dass eine türkische Behörde wegen Alkoholpanscherei zu einer Entschädigungszahlung verurteilt wurde. Neca: „Es ist ein Präzedenzfall.“ Da das Urteil in letzter Instanz erteilt wurde, ist es rechtskräftig. Die Höhe der Zahlung ist allerdings noch offen, nach Angaben von Necas türkischer Anwältin Deniz Yildirim müsse über die Summe nun verhandelt werden. In erster Instanz hatte das Gericht in Antalya der Familie ein Schmerzensgeld von 50 000 türkischen Lira (etwa 18 300 Euro) zugesprochen, Kläger und Behörden lehnten ab.

„Ich danke Deniz Yildirim außerordentlich“, sagt Rafaels Vater. „Sie hat einen sehr großen Anteil an dem jüngsten Erfolg.“ Der jetzige Entscheid bezieht sich zwar nur auf den Tod von Rafael Neca, aber er werde Signalwirkung haben für die laufenden Prozesse der übrigen Kläger, meint Lars Necas Lübecker Anwalt Frank-Eckhard Brand.

Dennoch ist bei Lars Neca trotz aller Freude über das Urteil vor allem Trauer geblieben. „Auch diese Entscheidung bringt mir meinen toten Sohn nicht wieder“, sagt er. „Keine Geldsumme kann das.“ Es sei Lars Neca aber ums Prinzip gegangen. Das Urteil könne dazu beitragen, künftig Alkoholpanschern das Handwerk zu erschweren. „Es kann für mehr Sicherheit sorgen“, sagt Neca. „Bisher machte mehr oder weniger jeder das, was er wollte.“ Die Behörden seien nun angehalten, selbst besser zu gucken bei der Genehmigungsvergabe.

Am Bildungszentrum Mortzfeld ist man erleichtert über das Urteil aus Ankara. „Ein langer Kampf geht zu Ende, und wir empfinden Genugtuung“, sagt der stellvertretende Schulleiter Rüdiger Knoll.

„Allerdings kann auch das das Geschehene nicht wieder gutmachen.“ Knoll hofft ebenso wie Neca, dass sich das Urteil positiv auf die Zukunft auswirkt.

Doch für Familie Neca ist der Kampf noch nicht abgeschlossen. Zum einen wird der Prozess gegen die Alkoholpanscher und Hotelbetreiber seit Oktober 2012 neu aufgerollt. Gleichzeitig klagt Lars Neca gegen die Versicherung der Schule wegen der Bestattungskosten. Die Unfallkasse Nord lehnte den Antrag ab, weil es bei Klassenfahrten keinen Rund-um-die-Uhr-Versicherungsschutz gebe — Mahlzeiten, Körperpflege und private Freizeit fielen nicht darunter. „Wieso versichert man sich dann überhaupt?“, fragt Neca. „Das gleicht russischem Roulette.“

Peer Hellerling

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