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Nordwestmecklenburg Altes Manuskript wiedererweckt
Lokales Nordwestmecklenburg Altes Manuskript wiedererweckt
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20:52 30.10.2013
Feiert mit seiner Schmugglergeschichte ein kleines Jubiläum: 20 Bücher sind bisher von Detlef Schmidt (68) erschienen. Quelle: Ina Schwarz

Es ist einer Vielzahl von Zufällen zu verdanken, dass seit September ein Buch über „Klütz im Winkel“ zu kaufen ist, das bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert verfasst wurde. Martin Brüsehafer (1880 bis 1956) hat es geschrieben, mit der Hand. Älteren Klützern ist der Name des Mannes, der als Lehrer und Kantor ein Urgestein des kleinen Städtchens war, noch ein Begriff. „Er hat damals schon Geschichten über Klütz geschrieben, die in der Kirche und der Schule vorgelesen wurden. Die Leute waren begeistert“, weiß Carsten Schmoldt, der nicht nur als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger seiner großen Leidenschaft frönt: der Beschäftigung mit Regionalgeschichte. Der 38-jährige Tierarzt saugt alles auf, was mit Klützer Historie zu tun hat. Deshalb war er Feuer und Flamme, als er von dem Brüsehafer-Manuskript erfuhr, das jahrzehntelang in der Schublade schlummerte.

Genau genommen, bei Christel Bormann (Jahrgang 1939), der in Ahrensburg lebenden Enkelin Brüsehafers. Diese ist eine gute Freundin von Renate und Peter Ellenberg aus Grundshagen, die wiederum Nachbarn von Carsten Schmoldt sind. Der Klützer besitzt in Grundshagen ein Grundstück.

Nachdem er das Manuskript gelesen hatte, stand für ihn fest: die Daten, die Brüsehafer über 40 Jahre hinweg über Klütz und dessen Einwohner gesammelt hatte, gehörten „unbedingt erhalten“. Und vervielfältigt. „Es ist ein Buch für Klützer und Interessierte. Es erzählt keine Geschichte“, macht er deutlich. Zwar sei auch die ein oder andere Anekdote enthalten, doch es gebe „lesbare und weniger lesbare“ Abschnitte. Zu letzten zählt er beispielsweise die seitenlange Auflistung alter Klützer Familiennamen, die für deren Träger aber durchaus aufschlussreich sei. „Die Westphals werden zum Beispiel erstmals lesen, seit wann es ihren Namen in Klütz gibt“, nennt er als Beispiel.

Etwa anderthalb Jahre ist es nun her, dass Monika Mahlke, die als Sekretärin im Büro der Landrätin arbeitet, das Manuskript, das in der Vergangenheit immerhin einmal mit der Maschine abgetippt wurde, digitalisierte. Sprich: in einen Computer eintippte. Wie es der Zufall wollte, war Christel Bormann Lektorin und konnte den Text nun mit den handschriftlichen Aufzeichnungen und der maschinengetippten Fassung abgleichen. Ein weiterer Zufall war es, dass Peter Ellenberg eine Sammlung von historischen Postkarten mit Klützer Ansichten hatte, von denen etwa 70 einen Platz im Buch fanden. Carsten Schmoldt wiederum kannte Ulf-Peter Schwarz vom in Grevesmühlen ansässigen NWM-Verlag, der bereit war, das Werk zu verlegen. Nun sind 500 Exemplare auf dem Markt — und der Initiator ist erleichtert, dass alles vollbracht ist. „Man glaubt nicht, wie lange manche Sachen dauern. Aber jetzt ist alles erhalten, das ist das Entscheidende“, sagt er und fügt hinzu, die eigentliche Aufgabe eines Heimatforschers bestehe nicht im Zusammentragen, sondern im Vervielfältigen. „Nur dann macht diese Arbeit Sinn.“

Das Interesse an Brüsehafers „Klütz im Winkel“ ist groß. Die Buchpräsentation heute um 19.30 Uhr im Literaturhaus „Uwe Johnson“ war schnell ausgebucht. „Wir machen wahrscheinlich eine zweite Buchvorstellung“, kündigt Schmoldt an. Der Termin steht noch nicht fest. Ulrike Oehlers

Schmuggler auf Walfisch zum Jubiläum
„Die Schmuggler vom Walfisch“ ist das neueste Werk von Detlef Schmidt. Und ja — es ist anders als seine Vorgänger. Premiere und Jubiläum in einem. Erstmals hat sich der bekannte Wismarer Heimatforscher in seinem 20. Buch an eine Abenteuergeschichte gewagt, die er seinen beiden Enkelkindern Svea und Jonathan widmet. Eine Geschichte für Kinder: Leicht, unbefangen und abenteuerlich schwingt sie auf den Flügeln der Erinnerungen des Autors. „Nichts Politisches“, betont Schmidt. „Ich habe da mein ganzes Herzblut reingelegt.“
Dieses wärmende Blut der Ahnen und die Liebe zur Heimat werden tatsächlich in jedem Satz spürbar. Einer der Protagonisten ist Hinnerk, ein zwölfjähriger Junge. Sein Name erinnert übrigens an Schmidts Kürzel, unter dem der Autor seit Jahren plattdeutsche Geschichten veröffentlicht. Wenn dann auch noch Hinnerks Großvater, in der Schmugglergeschichte Klaus Peters genannt, schmunzelt, feixt oder in nordischer Mundart nicht nur seinem Enkel kontert, hat man den Autor selbst vor Augen. „Ja“, gibt dieser zu. „Ich bin selbst noch einmal in das Reich meiner Kindheit abgetaucht. Stecken bleibt er dort nicht. Geschickt verwebt Detlef Schmidt Vergangenes mit der Gegenwart. „Ich habe die Geschichte schon seit mindestens fünf Jahren in meinem Kopf“, erzählt er. Ende Mai reiste er nach Italien.
Auch, um sich gesundheitlich zu erholen. „Und da saß ich dann in meiner Hütte und habe geschrieben.“
Noch von Italien aus landet das Manuskript bei Volker Stein, langjähriger Partner und Verleger von Schmidts Buchveröffentlichungen. Der Filialleiter bei Hugendubel ist überrascht und zunächst wenig begeistert. „Ein Kinderbuch?“ Doch Schmidt besteht auf sein „Herzwerk“, lässt nicht locker und holt Detlef Kristeleit ins Boot, der die Schmugglergeschichte illustriert.
Heute strahlt auch Volker Stein. „Im Grunde war es Detlef Schmidt, der Wismargeschichte für Laien erst zugänglich gemacht hat“, lobt er die langjährige Zusammenarbeit mit dem Ortschronisten. Vor fast genau zehn Jahren war es der „Wismarer Zettelkasten“, der als Gemeinschafts-Projekt Premiere feierte. Damals illustrierte noch der Wodorfer Rolf Möller die Schmidt‘schen historischen Köstlichkeiten.
Detlef Schmidt ist mit seiner Jubiläumsveröffentlichung persönlicher denn je geworden. Das steht ihm. „Der Schmuggler vom Walfisch“ trägt trotz luftiger Phantasie viele authentische Züge, die Wismar für Leser sympathisch machen.
„Keine Geschichte, die den Nobelpreis verdient hätte“, schmunzelt Schmidt. „Doch sie hat etwas, was noch wertvoller ist als der Nobelpreis. Ich habe da mein Innerstes reingegeben.“
Zahlen und Fakten
Der Walfisch ist eine 8,65 Hektar große, unbewohnte Insel zwischen Wismar und der Insel Poel. Sie gehört zum Wismarer Stadtteil Wendorf und ist vor allem ein bedeutendes Vogelschutzgebiet.

Beruflich hat Detlef Schmidt mit einigem aufzuwarten: Der 68-Jährige Wismarer ist gelernter Elektriker, studierter Diplom-Verwaltungswirt, arbeitete als Kreisgeschäftsstellenleiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rostock für die Kreise Bad Doberan, Wismar und Grevesmühlen, war Pressereferent der Hansestadt Wismar, Direktor des Hotels Stadt Hamburg in Wismar, Anzeigenleiter bei den Mecklenburger Nachrichten und Geschäftsführer des DRK Wismar. Heute macht er sich vor allem als Autor regionalgeschichtlicher Beiträge.

Mit der Regionalgeschichte setzt sich auch Carsten Schmoldt auseinander — allerdings mit der des Klützer Winkels. Der 38-jährige Tierarzt ist Vorsitzender des Heimatvereins Klützer Winkel e.V. und Stadtvertreter. Zusammen mit seiner Schwester hat er das ehemalige Zollhaus in Klütz, das mit den Jahren zu einem Schandfleck mutierte, mit aufwendigen Sanierungsarbeiten in ein Schmuckstück des Ortes verwandelt.
221 Seiten hat das Buch „Klütz im Winkel. Eine heimatgeschichtliche Plauderei von Martin Brüsehafer“
(ISBN: 9783937431833). Es ist im September im Grevesmühlener NWM-Verlag erschienen und kostet 18 Euro.

Martin Brüsehafer war Lehrer an der Klützer Schule. Zusätzlich wirkte er als Kantor und Organist an der Klützer Kirche. Viele Jahre leitete er einen Blockflötenchor.

Ina Schwarz

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