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Nordwestmecklenburg Angriff in Wismar: Politik warnt vor „Pogromstimmung“
Lokales Nordwestmecklenburg Angriff in Wismar: Politik warnt vor „Pogromstimmung“
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04:56 31.08.2018
Prächtig sanierte Giebelhäuser der früheren Hansekaufleute prägen die Altstadt von Wismar. Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Wismar

Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner mahnte angesichts der Entwicklung: „Wir brauchen ein Gewaltmonopol des Staates, der dem rechten Mob auf der Straße zeigt, dass wir solche Vorgänge in Deutschland nicht dulden.“ Zugleich forderte Stegner, die AfD vom Verfassungsschutz überwachen zu lassen.

Der junge Syrer gab an, am Mittwochabend in Wismar auf seinem Heimweg in einem Park von drei deutsch sprechenden Männern zunächst beschimpft, dann mit einer Eisenkette angegriffen worden zu sein. Der 20-Jährige erlitt einen Nasenbeinbruch und Prellungen. Eine Frau hatte Hilferufe gehört und die Polizei verständigt. Der Staatschutz sei eingeschaltet, weil ein fremdenfeindliches Motiv vermutet werde, sagte ein Polizeisprecher. Der Syrer musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Ein 26-jähriger Deutscher unter Tatverdacht sei vorläufig festgenommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft gestern mit.

Pogromstimmung“ in Deutschland

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) zeigte sich entsetzt. Die Tat sei Ausdruck der „Pogromstimmung“ in Deutschland. Diese schwappe nun auch auf Wismar über. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) sprach von einem abscheulichen Vorfall. „Wir dürfen nicht zulasssen, dass eine fremdenfeindliche Stimmung um sich greift, die Wegbereiterin solcher Taten ist.“ Die Ministerin erinnerte an Vorkommisse in Rostock-Lichtenhagen. Dort war 1992 nach Ausschreitungen ein Asylbewerberheim mit mehr als hundert Vietnamesen in Brand gesteckt worden – und 3000 Zuschauer klatschten vor der Wohnanlage Beifall.

In Chemnitz war in der Nacht zum Sonntag ein 35-jähriger Deutscher nach Messerstichen gestorben. Die Polizei nahm einen Syrer und einen Iraker unter dringendem Tatverdacht fest. Die AfD hatte danach zu einer Spontandemonstration aufgerufen. In der Folge kam es in der Stadt zu Hetzjagden auf ausländisch aussehende Menschen und zu Auseinandersetzungen zwischen rechten Gruppen und der Polizei.

Stegner: AfD-Leute vom Verfassungsschutz überwachen lassen

AfD-Leute sollten endlich vom Verfassungsschutz überwacht werden, „weil dort offensichtlich Demokratie-Feinde und Halb-Nazis dabei sind“, forderte Stegner politische Konsequenzen. „Ich habe kein Verständnis für Leute, die mit Hitlergruß durch die Straßen marodieren“, sagte Stegner. „Da muss ein Stoppsignal gesetzt werden – und zwar glasklar!“

Natürlich sei es legitim, über Zuwanderung und Integration politisch zu streiten, sagte Kirsten Fehrs, Nordkirchen-Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck. „Aber deswegen darf man weder Flüchtlinge auf See ertrinken lassen, noch darf man sie auf der Straße anpöbeln oder gar zusammenschlagen.“ Wenn die Mitte der Gesellschaft das dulde, „sind wir auf dem Weg in die Barbarei“.

Von Curd Toennemann

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