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Archäologen sichern Spuren an Wrack

Wismar/Schwerin Archäologen sichern Spuren an Wrack

Mit kriminalistischem Gerät wurden 290 Hölzer dokumentiert.

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Benjamin Halkier, ein dänsicher Archäologe, steht inmitten einer Konservierungswanne und reinigt die Hölzer.

Quelle: Foto: Kerstin Schröder

Wismar/Schwerin. Moderne Spurensuche in einer Schweriner Lagerhalle: Weißes Licht flackert über einer uralten Eichenplanke auf – immer und immer wieder. Es stammt von einem Streifenlicht-Scanner, mit dem Polizisten Straftaten dokumentieren und so noch Jahre später einen Tatort visuell begehen können. In der Landeshauptstadt hält der italienische Archäologe Massimiliano Ditta ein solches Gerät fest in seiner Hand. Mit der anderen umklammert er einen Laptop. So „bewaffnet“ spaziert Ditta langsam eine etwa acht Meter lange Planke von vorne bis hinten ab.

Danach wird sie gedreht und auch die andere Seite abgescannt. Drei bis vier Minuten dauert das Prozedere. Dabei entstehen unzählige Bildaufnahmen, mit denen danach im Laptop bis auf den Milimeter genau ein dreidimensionales Modell des Objektes erstellt wird. In diesem Fall von der Planke eines mittelalterlichen Schiffswracks.

Das ist im vergangenen Jahr im Wismarer Hafen entdeckt worden und eine kleine Sensation: Es lag versteckt unter zwei anderen Wracks und stammt nach bisherigen Erkenntnissen von 1228. „Dieses Wrack ist wirklich toll. Es ist das größte und besterhaltene aus dieser Zeit, das wir bislang in MV geborgen haben, und es zeigt die Handelskontakte, die damals im Ostseeraum bestanden haben“, sagt Landesarchäologe Detlef Jantzen. Für ihn ist das 24 Meter lange und acht Meter breite Wrack ein fehlendes Puzzleteil in der Geschichte des Schiffbaus.

Die Überreste des Nachfahren eines Wikinger-Schiffes sind in einer Halle des Landesdenkmalamtes in großen, mit Wasser gefüllten Konservierungswannen eingelagert worden. Bis zum Ende des Monats werden sie gereinigt, vermessen, jeder Nagel, jede Zierrille, jeder Kratzer dokumentiert. Dank des Scanners dauert das alles pro Holzstück etwa eine Stunde. „Früher brauchten wir dafür einen Tag“, erinnert sich Projektleiter Jens Auer. Folie sei auf die Hölzer gelegt und alles durchgezeichnet worden.

Bevor das Scanner-Licht jedoch aufflackern kann, müssen die Archäologen zu Schaufel und Besen greifen, den Dreck von den Hölzern entfernen. Danach werden die auf feuchte Tücher gelegt. Denn: „Ohne Wasser würden das Holz austrocknen und aufreißen“, erklärt Auer, der zusammen mit Massimiliano Ditta aus Italien, Marie Couwenberg aus Belgien und Benjamin Halkier aus Dänemark arbeitet. Alle drei Archäologen sind Spezialisten für alte Schiffe und für die Dokumentation des Wismarer Wracks eingekauft worden.

290 Hölzer sind es, die sie untersuchen. Zwei Tage lang müssen die auf den Hallenborden dennoch abtrocknen, „weil sonst das Holz beim Scannen reflektiert“, erklärt Auer. Die Planken seien aus Eiche und Kiefer, vermutlich stammt das Holz aus Norwegen oder Schweden. Genauere Untersuchungen zu Alter und Herkunft würden zurzeit in Dänemark erfolgen.

Wie das Schiff einmal ausgesehen hat, das wird am Bildschirm immer deutlicher. Mit jedem untersuchten Holzstück wachsen die Konturen. Zwar ist nur die Hälfte – die Backbordseite – erhalten.

„Doch die andere Hälfte können wir spiegeln und dann haben wir ein ganzes Schiff“, freut sich Jens Auer. Es sei ein hochseetaugliches Fahrzeug gewesen, das schwere Lasten transportieren konnte und mit einem Segel angetrieben wurde. Modelle davon können dank der modernen Dokumentation später in 3D ausgedruckt und gezeigt werden. Trotzdem hofft Jens Auer, dass auch für die Originalteile bald ein Ausstellungsraum gefunden wird. Denn das Wrack sei ein besonderer Glücksfall für die Wissenschaft.

Kerstin Schröder

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