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Arzt und Patient für eine Unterrichtsstunde

Grevesmühlen Arzt und Patient für eine Unterrichtsstunde

Drittklässler nahmen Notaufnahme, chirurgische Station und Physiotherapie unter die Lupe.

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„Dr. Henry“ (M.) untersucht Luis Hassler im Krankenbett. Krankenschwester Anne Harnack überlässt Henry Schnurr sogar das Stethoskop. FOTOS (8): JANA FRANKE

Grevesmühlen. „Wie geht es Ihnen denn heute?“ Henry Schnurr zuppelt an seinem Mundschutz und tritt an das Krankenbett von Luis Hassler. „Och, ganz gut. Ich habe aber noch Schmerzen“, sagt der. Beide lachen laut. Unterricht einmal anders für die Schüler der Klase 3 b der Grundschule „Am Ploggensee“ in Grevesmühlen. Sie sind heute im DRK-Krankenhaus und erhalten einen Einblick in die Arbeit auf der chirurgischen Station, in der Notaufnahme und in der Physiotherapie.

LN-Bild

Drittklässler nahmen Notaufnahme, chirurgische Station und Physiotherapie unter die Lupe.

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Luis liegt mit verbundener Hand im Dreibettzimmer und mimt einen Kranken. „Dr. Henry“ steckt sich das Stethoskop in die Ohren und lauscht dem Herzschlag des Patienten. „Ich hör’ was“, ruft er erstaunt und zeigt sich von dem Pochen völlig fasziniert. Lilly Podlech liegt im Nebenbett. Sie hat es schlimmer getroffen als Luis. Die Achtjährige ist in Mullbinden eingehüllt – Kopf, Bein und Arm;

natürlich alles nur aus Spaß, den sich Schwester Kathrin Bernitt mit den Kindern erlaubt hat. „Aber ich hatte schon einmal eine Kopfverletzung. Nach einer Vorwärtsrolle bin ich gegen die Tischkante geknallt“, sagt Lilly.

Im Sachunterricht behandeln die Grundschüler gerade das Thema „Öffentliche Einrichtungen“. Das Rathaus haben sie sich schon angeschaut, ebenso die Stadtbibliothek. Auf dem Plan steht auch noch die Stadtverwaltung, wie Klassenleiter Thomas Effenberger verrät. Aber heute ist das Krankenhaus an der Reihe. Die Idee dazu hatte Anne Harnack, die Mutter des Drittklässlers Mika. Sie arbeitet in der Grevesmühlener Klinik.

Treffpunkt Physiotherapie. Hier können sich die Mädchen und Jungen an einem Gehwagen ausprobieren. „Füße anheben, schön abrollen und nicht tippeln“, fordert Mitarbeiterin Doris Wagner von Jolie Schmidt. „Das sagen wir auch immer den Patienten“, erklärt sie weiter. Und was passiert noch so in der Physiotherapie? „Hier werden die Leute richtig durchgeknetet“, weiß Luis ganz genau, denn seine Mutter arbeitet auch als Physiotherapeutin, erzählt er.

Klassenleiter Thomas Effenberger nutzt die Chance, mit dem Gehwagen über den Flur zu schieben – stürzt und kann nicht mehr alleine aufstehen. Natürlich ist auch das nur Spaß, um zu zeigen, wie die Mitarbeiterinnen in einem solchen Fall reagieren. „Dafür haben wir einen speziellen Hebekran“, erklärt Doris Wagner. Mit gekonnten Handgriffen werden Schlaufen über Kreuz um das Becken des Lehrers gelegt und am Kran fixiert. Motor angestellt, und Thomas Effenberger wird nach oben gezogen und baumelt am Ende wie in einer Schaukel. „Und so lassen wir dich jetzt hängen“, scherzen die Schüler, die als nächste Station den Sportraum zur Besichtigung und zum Ausprobieren auf dem Plan haben. Ob auf dem Ergometer, dem Wackelkissen, dem Trampolin, dem Gymnastikball oder am Seilzug – die Kinder können alles testen und staunen mitunter über ihre Kräfte, die sie haben. „Ich habe 50 Kilogramm hochgehoben“, freut sich Julian Brand, nachdem er am Seilzug den Kampf mit den Gewichten aufgenommen hatte.

Als einer der größten Arbeitgeber in der Region ermöglichte die Krankenhausleitung Kindern bereits mehrfach einen Einblick in den Klinikalltag. „In den vergangenen drei Jahren hatten wir vier Klassen und Hortgruppen zu Besuch“, zählt Sprecherin Alexandra Weyer auf. „Kinder sind sehr aufgeschlossen und interessiert.“

Serie zum Klinik-Alltag

Was ist eine digitale Akte? Wie wird das OP-Besteck gereinigt? Was hat der Haustechniker alles zu tun? Wie stressig ist es in der Notaufnahme? Diese und viele andere Fragen beantworten uns die Mitarbeiter des DRK-Krankenhauses in Grevesmühlen in den kommenden Monaten. Die OZ darf hinter die Kulissen schauen und berichtet darüber.

Die Klinik zählt 122 Betten auf insgesamt vier Stationen – Allgemeine Innere Medizin, Kardiologie und Gastroenterologie, Allgemeine Chirurgie und Orthopädie/Unfallchirurgie. Sie ist 1994 gebaut und im Dezember 2000 bezogen worden.

Jana Franke

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