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Auf Zeitreise: Geschichte der „Cap Arcona“ erlebbar gemacht

Grevesmühlen Auf Zeitreise: Geschichte der „Cap Arcona“ erlebbar gemacht

 Hobbyhistoriker Sven Schiffner vermittelte Gymnasiasten gestern im Luise-Reuter-Saal in Grevesmühlen den Untergang des ehemaligen Luxusdampfers — und hinterfragte kritisch.

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Sven Schiffner

Grevesmühlen. Tausende auf See, zusammengepfercht in einem fahrbaren Untersatz. Eiskaltes Wasser. Rettungswesten gibt es kaum. Die Parallelen sind nicht zu leugnen.

Kannten Schüler diese Begebenheiten bisher nur aus Geschichtsbüchern, die über den Untergang der „Cap Arcona“ erzählen, sind ähnliche Bilder mit dem Flüchtlingsstrom in den vergangenen Monaten erneut zur Realität geworden. Die „Cap Arcona“ ist in den aktuellen Fällen ein überfülltes Schlauchboot, auf dem viele in die Freiheit schippern wollen. Einige finden den Tod, einige haben Glück.

Glück — das Wort war auch bei den Überlebenden der Schiffskatastrophe am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht oft zu hören. Sie hatten einfach Glück, dass sie nicht im Inneren der durch die britische Royal Air Force beschossenen „Cap Arcona“ jämmerlich verbrannten oder ertranken, dass sie sich irgendwie ans fünf Kilometer entfernte Land in Neustadt in Holstein retten konnten. Sie hatten Glück, dass die Ostsee an Ort und Stelle nur 17 Meter tief, das Schiff aber 23,80 Meter breit war und somit nicht untergehen konnte. Und: Mit den Überlebenden haben Schüler Glück, dass die Katastrophe erlebbar gemacht werden kann — auch heute noch.

Mit einigen Zeitzeugen hat der Grevesmühlener Hobbyhistoriker Sven Schiffner sprechen können. Er hat als Sprecher des Förderkreises Cap Arcona Gedenken die Geschichte aufgearbeitet und erzählt sie Schülern auf seine eigene Art — gestern den Zehntklässlern des Gymnasiums „Am Tannenberg“ in Grevesmühlen. Nein, er erzählt die Geschichte nicht nur, er hinterfragt sie. War es von der SS gesteuert, dass der ehemalige Luxusdampfer, der zum Transporter für Häftlinge aus geräumten Konzentrationslagern umfunktioniert wurde, abgeschossen wird? „Viele Indizien sprechen dafür“, verdeutlichte er. Es gab keine Rettungswesten, Feuerlöscher funktionierten nicht, die „Cap Arcona“ war nicht als Flüchtlingsschiff gekennzeichnet, was in dem Fall bedeutet hätte, dass die britische Armee keine Bomben abgeworfen hätte. Denn deren Ziel war es, die über Jahre in Nazideutschland gequälten, kraftlosen, ausgemergelten Menschen zu retten.

Nazideutschland — diesen Ruf, so glaubt Änne Rater (16), werde Deutschland nicht so schnell los. Nimmt Deutschland deshalb aktuell so viele Flüchtlinge auf? Diese Frage von dem einen oder anderen Schüler darf dann erlaubt sein. Sven Schiffner schafft es mit seinem Vortrag, den er Schülern seit zehn Jahren hält, dass diese sich mit der Thematik auseinandersetzen — mit der vergangenen und der aktuellen. Und wie es aktuell auch in Mecklenburg-Vorpommern aussieht, verdeutlichte Sozialministerin Birgit Hesse gestern in einem Grußwort an die Schüler. Denn die Nazis seien auch hier nach wie vor ein Problem. „Im Landtag verhalten sie sich undemokratisch, äußern sich menschenverachtend und tragen ihr Gedankengut nach außen“, sagte sie und verdeutlichte ihren persönlichen Wunsch. „Im September sind Landtagswahlen und ich hoffe, dass das Gedankengut wieder rausfliegt.“ Sie appellierte an die Schüler, sich für die Flüchtlinge zu öffnen. „Sie sind nicht hier, weil sie unbedingt hier sein wollen. Sie sind hier, weil in ihrem Land Krieg herrscht, so wie wir ihn uns gar nicht vorstellen können.“ Ihr Grußwort schloss sie mit einem Zitat des Landesrabbiners Dr. William Wolff:

Vergessen ist die letzte Grausamkeit, die wir Opfern antun können! Nicht zuletzt aus diesem Grund wird Sven Schiffner die Geschichte der „Cap Arcona“ auch weiterhin in die Köpfe der Jugendlichen transportieren.

Die „Cap Arcona“
4600Flüchtlinge waren auf dem ehemaligen Luxusdampfer, als er am 3. Mai 1945 beschossen wurde. Gebaut wurde er 1927 für 1256 Passagiere und 475 Besatzungsmitglieder. 450 überlebten die Katastrophe. Tote wurden sogar auf der Insel Poel angespült. Skelettteile wurde noch Jahre später am Strand gefunden — auch in Wohlenberg.

Jana Franke

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