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Auf der Suche nach dem Steilküsten-Kompromiss

Boltenhagen-Redewisch Auf der Suche nach dem Steilküsten-Kompromiss

Naturschützer versus Gleitschirmflieger in Redewisch.

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Nicht jeder freut sich beim Anblick von Gleitschirmfliegern über der Redewischer Steilküste. Naturschützer sehen die Uferschwalben in Gefahr.

Quelle: Foto: Privat

Boltenhagen-Redewisch. Man kann sie immer wieder an der Steilküste vor Redewisch beobachten – die Gleitschirmflieger mit ihren bunten Schirmen.

LN-Bild

Naturschützer versus Gleitschirmflieger in Redewisch.

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Oder – wie Johann Hoff (41) aus Redewisch sie nennt: „die Tütenflieger“. Hoff selbst ist einer von ihnen – doch er ist nicht nur das. Er ist auch Landwirt und bewirtschaftet um die 100 Hektar direkt an der Steilküste.

Auf seinem Land baut er vor allen Dingen Getreide an – und er betreibt auch eine Golfanlage „auf der es nicht um Profi-Golfen geht“, wie er lachend betont. Auf der Anlage befindet sich ein Café. Es ist in der Saison ebenfalls gut besucht – vor allen Dingen wegen des selbstgebackenen Kuchens. Der Bäcker – auch Hoff.

Starten ist eine Ordnungswidrigkeit

Der Landwirt weiß, dass zumindest das Starten der Gleitschirme von der Steilküste aus: „eine Ordnungswidrigkeit“ ist. Er möchte deshalb ein offizielles Fluggelände auf seinem Land beantragen.

„Erlaubt ist das Starten bisher nur auf einem Fluggelände in Neustadt-Glewe“, sagt er. Dort lassen sich auch die Gleitschirmflieger der Grevesmühlener Flugschule „nc-wings“ mit einer Winde in die Lüfte ziehen. Wenn der Wind gut ist, sagt Johann Hoff, könnte man durchaus von dort bis an die Küste fliegen. Damit meint er, dass nicht ganz klar ist, ob denn jeder Gleitschirm, der in Redewisch vorbeifliegt, theoretisch auch von dort gestartet wurde. Dann sagt er noch: „Weder das Fliegen vor der Küste oder darüber, noch das Landen auf dem Küstenhinterland ist strafbar.“

Dennoch, Hoff weiß, dass die Aktivitäten der Gleitschirmflieger von manchen Menschen kritisch beobachtet werden – deshalb will er auch, dass es vorangeht. Doch bisher konnte der Landwirt den Antrag noch nicht stellen. „Es läuft ein Gutachten, dass die Voraussetzung für einen Antrag ist“, sagt er Bislang haben die Behörden – was das Starten von Gleitschirmen in Redewisch angeht – beide Augen zugedrückt.

Uferschwalbe versus Fluggelände?

Wenn es aber nach Ignaz Frenzel, einem Anwohner aus Redewisch ginge, müssten die Behörden schon lange tätig geworden sein. In einem Brief an die LN schreibt er: „An den Steilküsten von Schleswig-Holstein und der Insel Rügen ist das Gleitschirmfliegen ebenfalls streng verboten und wird durch Ranger kontrolliert.“ Ignaz Frenzel geht es dabei um den Naturschutz in Redewisch: „Diese Steilküste ist das Brutgebiet der nach Bundesartenschutzverordnung und dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützten Uferschwalben.“ Und genau da liegt das Dilemma, in dem Johann Hoff steckt, der wichtigste Grund, warum sich die Erstellung des höchst komplexen Gutachtens hinzieht – und damit auch der Antrag auf Genehmigung eines offiziellen Fluggeländes auf Hoffschem Land.

Der Landwirt, der sagt, dass er doch auch die Uferschwalben liebt, hofft, dass das Gutachten ergeben wird, dass ein Fluggelände an der Steilküste von Redewisch möglich ist. Er ist davon überzeugt, dass es die Vögel nicht stört, wie Naturschützer behaupten „In den über 20 Jahren, in denen hier Gleitschirme fliegen, ist der Uferschwalbenbestand unverändert geblieben. Es sind auch neue Brutnester hinzugekommen.“, sagt Hoff.

Freizeitaktivitäten und Naturschutz

Die Steilküste von Redewisch ist von großer Bedeutung für den Tourismus in Boltenhagen. Es gibt den Rad- und Wanderweg direkt entlang der Steilküste – der in der Saison überaus gut besucht ist – und Boltenhagen mit dem Kolonnenweg zum Priwall in Travemünde verbindet. Auch der Strandbereich bis Steinbeck hin ist bei Besuchern beliebt. „Bis zu 150 Menschen täglich werden mit der Bäderbahn von April bis Oktober an den ’Aussichtspunkt’ der Steilküste befördert. Es ist also ständig etwas los an der Steilküste“, sagt Johann Hoff, „und die lautlosen Gleitschirme sollen die Uferschwalben stören?“ Auch Abbrüche an den Küsten würden nicht vom Starten oder Landen von Gleitschirmen entstehen, denn gestartet oder gelandet wird weit vor oder hinter der Kante.

Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg unterstützt das Anliegen des Landwirts:„Dass die Gleitschirme den Schwalben Angst machen, weil sie denken ein Greifvogel kommt, halte ich für vollkommen überzogen“, sagt er. „Zu viel Naturschutz ist schlecht für den Naturschutz“, findet er auch. Schmiedeberg plädiert, genau wie Hoff für eine Kompromissfindung: „Naturschützer und Touristiker, die nach Möglichkeiten suchen, sanften Tourismus und Freizeitsport auch in Naturschutzgebieten zu ermöglichen, müssen endlich einen Kompromiss finden – und zwar bald.“

Gleitschirmfliegen in Dänemark

Michael „Mad Mike“ Küng ist ein österreichischer Gleitschirmflieger, der auch als Gleitschirm-Testpilot und in der Gleitschirmakrobatik bekannt ist. Er gibt seit 20 Jahren Unterricht im Gleitschirmfliegen in Lökken in Dänemark. Viele Gleitschirmflieger sollen inzwischen nach Dänemark gehen, weil es im Norden Deutschlands nur ein zugelassenes Fluggebiet an der Küste bei Kiel gibt.

Auf Anfrage der LN äußert sich Küng zur Sache: „Auch in Dänemark ist das Gleitschirmfliegen nicht komplett unproblematisch. Aber dort sind Küsten und Strände Allgemeingut und dürfen von jedem genutzt werden. Ausnahmen sind besonders vom Absturz gefährdete Abschnitte der Küste. Es ist inzwischen eindeutig nachgewiesen, dass die Gleitschirmflieger die Vogelwelt nicht stören. Wir fliegen in Lökken mit den Möwen im gleichen Aufwindband und bei mir Zuhause in Tirol mit den Adlern – völlig problemlos. Die Naturschützer regen sich da unnötig auf. Allerdings gehört das alles geregelt, das heißt Flieger, Naturschützer, Landeigentümer sollten sich einig sein, bevor ein Fluggebiet gestattet wird.“

Annett Meinke

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