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Auf zum Hunde-Studium: „Paule“ lernt 60 Kommandos

Kartlow Auf zum Hunde-Studium: „Paule“ lernt 60 Kommandos

Der Cocker Spaniel von Sandra Hein aus Kartlow wird der erste Kompetenzhund in Nordwestmecklenburg / Motivator für lernbehinderte Kinder.

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Hundehalterin Sandra Hein mit Dieter Heidenreich vom Stiftungsvorstand, Anett Bremer, Vorsitzende des Schulvereins, und Uwe Gutzmann (v. l.), Vorsitzender des Stiftungskuratoriums.

Quelle: privat

Kartlow. „Paule“ soll studieren. Ab August – „spätestens ab September“, sagt sein Frauchen Sandra Hein – wird Lars Spiering von der gleichnamigen Hundeschule in Losten den zweieinhalb Jahre alten Cocker Spaniel-Rüden zum Kompetenzhund für behinderte Kinder ausbilden. „Paules“ Einsatzort wird die Förderschule „Am Wallberg“ in Neuburg sein. Dort ist er bereits jetzt der ständige Begleiter der 35-jährigen Erzieherin aus Neuburgs Ortsteil Kartlow.

LN-Bild

Der Cocker Spaniel von Sandra Hein aus Kartlow wird der erste Kompetenzhund in Nordwestmecklenburg / Motivator für lernbehinderte Kinder.

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Für die Kinder in der Förderschule ist ,Paule’ schon jetzt ein unglaublich großer Motivator.“ Sandra Hein, Hundebesitzerin

Die Volks- und Raiffeisenbank hat das Projekt derart überzeugt, dass sie für „Pauls“ Ausbildung 1500 Euro aus dem Programm „Spielen – aber sicher“ gibt und zusätzlich den mit 3000 Euro dotierten Stiftungspreis aus der Bürgerstiftung. Das Kuratorium der Bürgerstiftung argumentierte: „Therapie- oder Kompetenzhunde tragen zur Stärkung des Selbstbewusstseins und zur Steigerung des Selbstwertgefühls bei Kindern bei.“ Für Mädchen und Jungen mit Lernschwächen sei das Lernen auf einmal kein notwendiges, anstrengendes und zusätzlich Stress aufbauendes Übel mehr.

Sandra Hein bestätigt das: „,Paule’ ist ein großer Motivator für die Kinder.“ An der Schule zur individuellen Lebensbewältigung werden Mädchen und Jungen unterrichtet, die aufgrund ihrer speziellen geistigen Fähigkeiten auf einer normalen Schule keine Chance hätten. Zudem haben sie sehr oft eine nur geringe Stresstoleranz. Und der Stress muss abgebaut werden, bevor die Kinder leistungsbereit sind. Sandra Hein nennt ein Beispiel, wie „Paule“ dabei hilft: „Die Kinder sollen mit dem großen Stoffwürfel würfeln und einige haben keine Lust dazu. Wenn ich aber ,Paule’ den Würfel zuwerfe, wollen alle Kinder mitmachen – auch die, die vorher keine Lust hatten.“

Doch wie kam der Hund überhaupt in die Schule? Die 35-Jährige lacht: „Er ist menschenfreundlich, sehr, sehr anhänglich und kann einfach nicht allein sein.“ Da habe sie Schulleiter Rainer Steffen gefragt, ob sie „Paule“ mitbringen dürfe. Sie durfte. Und dann stellte sich heraus, dass Rainer Steffen gern einen Therapiehund an der Schule hätte, ein ausgebildetes Tier aber zu teuer wäre.

„Anfangs haben wir nur ganz locker darüber geredet, ob ich mir vorstellen könnte, meinen Cocker Spaniel ausbilden zu lassen.“ Doch dann wurde es konkreter.

Da „Paule“ ohnehin die Hundeschule von Lars Spiering besucht, fragte Sandra Hein den Trainer, ob ihr Hund bei ihm „studieren“ könne. „Daraufhin hat Lars ein Konzept ausgearbeitet, was der Hund als Kompetenzhund können muss.“ Dieser Begriff gefalle dem Hundetrainer besser als „Therapiehund“, für den es keine Normen und Qualitätskontrollen gäbe, erklärt die Erzieherin.

Eineinhalb Jahre wird die Ausbildung dauern und „Paule“ wird der erste Kompetenzhund in Nordwestmecklenburg sein. Derzeit beherrscht er sechs Kommandos, sozusagen die Hunde-Grundschule: sitz, platz, bring’s, bleib und so weiter. Nach der Ausbildung wird er mindestens 60 Kommandos können. „Als ich das zum ersten Mal gehört habe, hab’ ich schon geschluckt“, sagt Sandra Hein. Sie ist aber sicher, dass „Paule“ das schafft. Er sei sehr neugierig und lernwillig. „Ein neues Kommando lernt er in ungefähr einer halben Stunde“, hat die alleinstehende Hundebesitzerin festgestellt. Das müsse dann natürlich täglich geübt werden, damit der Rüde es nicht wieder vergisst.

Im Garten zeigt Sandra Hein, wie gehorsam und willig ihr Cocker Spaniel ist. Sie hält den Beutel mit Leckerli in der Hand, „Paule“ sitzt aufmerksam vor ihr. Er weiß genau, was kommt. Sandra Hein wirft den Beutel und ruft „bring’s“. Sofort ist auf dem Rasen nur noch ein blonder Strich zu sehen. Der Hund packt den Beutel und bringt ihn zurück. Dafür wird er mit dessen Inhalt belohnt. Auch Kommandos wie „Pfote rechts“, „Pfote links“ beherrscht er aus dem Effeff. Vor allem ist „Paule“ aber eins: ein fröhlicher, glücklicher Hund.

Die Bürgerstiftung

2005 die Genossenschaftsmitglieder der Volks- und Raiffeisenbank beschließen die Gründung einer Bürgerstiftung, die Hilfe zur Selbsthilfe geben soll. Das Innenministerium erkennt die Stiftung im Januar 2006 an. Das Stammkapital beträgt 100000 Euro.

2006 der Kreisverband Gartenfreunde Wismar und der Förderverein Kirche Zurow erhalten als erste je 500 Euro zur Unterstützung.

2009 lobt die VR-Bank den ersten mit 3000 Euro dotierten Stiftungspreis aus. 2008 hatte die Bank auf Weihnachtsgeschenke für ihre Kunden verzichtet und das Geld der Bürgerstiftung gespendet.

Erste Nutznießer des Stiftungspreises sind das Inselmuseum in Kirchdorf auf Poel und der Förderverein Biosphäre Schaalsee.

Den Stiftungspreis erhalten in den Folgejahren der Förderverein „Uns lütte Taukunft“ der Kita „Kreatives Spielhaus“ am Friedenshof in Wismar, der Förderverein der Stadtbibliothek Wismar, das Kinder- und Jugendfilmstudio in Grevesmühlen, der Förderverein der Heinrich-Heine-Schule in Gadebusch, der Verein „Die Familieninsel“ in Gägelow, der Verein „Freunde und Förderer des Archivs der Hansestadt Wismar“.

Sylvia Kartheuser

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