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Aufmüpfige Ritter und Wende-Niedergang

Barnekow Aufmüpfige Ritter und Wende-Niedergang

Jörg Wachter-Lehn erforscht die Ortsgeschichte und möchte sie zum großen Jubiläum als Buch herausgeben.

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Die historischen Grabsteine auf dem Barnekower Turmhügel sind stark zerstört.

Barnekow. Jörg Wachter-Lehn wollte eigentlich nur die Geschichte des Hauses, in das er 1997 zog, erforschen. Mittlerweile recherchiert er seit 20 Jahren über die wechselvolle und interessante Vergangenheit Barnekows. Er war in Archiven bis hin nach Kopenhagen und hat etliche Ordner voller Wissen zusammengetragen. „Barnekow war ein Rittergut, aber die Familie wohnte erst nicht hier, sondern in Zipphusen“, steigt der Ortschronist in die frühmittelalterliche Geschichte ein. Von Zipphusen ist nur noch eine Wiese zwischen Barnekow und Krönkenhagen übrig.

LN-Bild

Jörg Wachter-Lehn erforscht die Ortsgeschichte und möchte sie zum großen Jubiläum als Buch herausgeben.

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Alverich Barnekow (1230-1271) war einer der Burgmänner des fürstlichen Schlosses in Wismar.

Die Ritterfamilie zog nach Barnekow und baute die „Motte“.

„Die Burg muss unwahrscheinlich groß gewesen sein, viel größer als das, was jetzt noch mit dem Hügel und den Gräben sichtbar ist“, erklärt Jörg Wachter-Lehn. Reste einer Zugbrücke hat man gefunden, es gab einen Eiskeller, wo das vor Ort gebraute Bier mit dem im Winter aus dem See geborgenen Eis im Sommer gekühlt werden konnte. Dieser Zweig der Barnekow’schen Familie ist früh ausgestorben. „Die Plessens kamen ins Spiel. Die Familie hatte in ganz Nordwestmecklenburg Ländereien, ein Hauptstammsitz war Barnekow“, erzählt Jörg Wachter-Lehn.

Von Helmold Plessen (1356-1400) ist eine Sage überliefert. „Er wurde von einer alten Frau hier im Wald mitgenommen und musste auf der gemeinsamen Reise ihren Kuchen anpreisen und verkaufen. Im Harz auf einer Burg der Familie Plessen fiel auf, dass der Junge mit seinen zarten Händen so gar nicht zur armen Alten passen würde. Der Junge nannte seinen Namen und wurde zurück nach Barnekow gebracht.

Die Barnekower Kinder hänselten ihn nun den Kuchenbäcker“, erzählt Wachter-Lehn.

Was den jungen Adligen sicher nicht gefiel. „Er meinte, er wird ihnen drei steinerne Kuchen backen. In Barnekow, in Damshagen und Grundshagen.“ In allen drei Orten sind sogenannte Motten oder Niederungsburgen nachgewiesen. Die Familie Plessen taucht immer wieder in den Akten auf. Beispielsweise 1456. „Die Wismarer Stadtdiener trieben in Weitendorf Schulden in Form von Vieh ein, die Plessens haben denen das Vieh wieder abgenommen.“ Das habe sich die Stadt nicht gefallen lassen und über Nacht 700 Mann aufgetrieben, mit Büchsen und Booten kamen sie zum Haus der Plessens in Barnekow, erzählt Jörg Wachter-Lehn. Nur der Vermittlung von Heinrich von Bülow war es zu verdanken, dass die Burg nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Das rigorose Vorgehen der Stadt hatte diplomatische Folgen. Der Ortschronist: „Die Stadt hatte sich über den Landesherren als Gerichtsbarkeit hinweggesetzt.“

Reformation von oben, Raubrittertum, ein Gutshaus mit einem Erben aus Dänemark, eine Landmädchenschule, ein Journalist, der mit seinem kritischen Bericht vor der Wende die Anregungen für Krippe und Kindergarten gibt. Die Flüchtlingswelle von 1945 und die damit verbundenen vielen neuen Ideen und Einwohner im Dorf, der Niedergang des Dorflebens nach der Wende mit der Schließung der Gaststätte, des Konsums und der Kita und der langsame Wiederaufbau des Gemeinschaftsgefühls – Jörg Wachter-Lehn kann stundenlang über sein Dorf erzählen. Er möchte das Recherchierte zum Buch zusammenfassen.

„Spätestens zum 800. Dorfjubiläum im Jahr 2030“, sagt der 49-Jährige lachend.

Nicole Hollatz

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